3. Mögliche Behandlungen

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Was umfasst die Palliativversorgung bei Lungenkrebs? Welche Beschwerden werden bei Lungenkrebspatientinnen palliativ behandelt? Worüber kann ich bei der palliativen Therapie selbst entscheiden? Assoc.-Prof.inPriv.-Doz.in Dr.in Eva K. Masel, MSc beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema:

Welche Beschwerden werden im Rahmen einer Palliativtherapie bei Lungenkrebs behandelt?

Beschwerden, die bei Lungenkrebs behandelt werden, sind natürlich wiederum individuell.

  • Was man häufig erlebt, ist das Gefühl von Atemnot. Das ist ein sehr ängstigendes Gefühl, das auf jeden Fall behandelt werden kann und auch sollte.
  • Was man auch erlebt, ist Schlaflosigkeit aufgrund von Sorgen, die die Menschen haben in dieser Situation.
  • Es kann zu Bluthusten kommen, zu Blutspucken kommen. Das ist auch etwas, worauf Palliativteams spezialisiert sind.
  • Es kann zu Schmerzen kommen,
  • Muskelschwäche, Muskelschwund.
  • Durch die Therapien kann es manchmal zum Auftreten einer sogenannten Polyneuropathie kommen. Das ist so ein Kribbeln an den Armen und Beinen, das auch sehr unangenehm sein kann.
  • Es kann zu Übelkeit kommen, in Folge von Therapien oder in Folge von allgemeinem Unwohlsein,
  • zu einem starken Gefühl von Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Also es gibt eine breite Palette an Symptomen, auf die Palliativteams sich spezialisiert haben, um Ihnen bestmöglich helfen zu können.

Welche verschiedenen Therapien werden dazu durchgeführt?

Eine palliative Therapie ist natürlich eine sehr vielseitige Therapie.

  • Es gibt einerseits palliative Chemotherapien,
  • palliative Strahlentherapien,
  • palliative Therapien, die gegen die Tumorerkrankung gerichtet sind.

Eine Palliativstation oder Palliativeinrichtungen haben es sich aber mehr zur Aufgabe gemacht, Palliativtherapien anzubieten, die Symptome lindern können.

  • Das ist eine medikamentöse Therapie,
  • das ist eine physikalische Therapie,
  • pflegerische Therapie,
  • Ernährungsberatung,
  • sozialarbeiterische Beratung.
  • Wir gehen auf die Psyche ein.
  • Wir gehen auch auf die Spiritualität ein. Das bedeutet, wenn es Bedarf gibt, über das Leben zu sprechen, über die eigenen Werte zu sprechen, sind wir dafür da.

Wir haben ehrenamtliche Mitarbeitende. Wir haben viele verschiedene Persönlichkeiten, die in unserem Team sind oder in den verschiedensten Palliativteams sind. Und ich glaube, das macht die palliative Therapie so vielseitig. Und jeder sollte sich das herauspflücken, was für sie oder was für ihn passend ist.

Welches Mitsprecherecht habe ich bei Behandlungen?

In einer palliativen Betreuung ist es besonders wichtig zu fragen: „Was müssen wir über Sie wissen, um Sie bestmöglich betreuen zu können?“ Und das ist für jeden Menschen etwas anderes. Und unser Grundsatz ist an und für sich,

  • dass wir gemeinsam ein Therapieziel mit ihnen definieren
  • und erst danach einen Therapieplan je nach ihren Zielen gestalten.

Das heißt: Sie haben ein sehr großes Mitspracherecht, weil uns Ihre Autonomie und Ihre eigenen Vorstellungen sehr, sehr wichtig sind.

Es gibt kein Bäumchen in dem Fachgebiet Palliativmedizin, wo man sagt: „So geht, so geht, so geht,…“,  sondern es ist immer etwas Individuelles in Rücksprache mit Ihnen.

Das heißt aber nicht, dass Sie alles selber wissen müssen, sonst müssten Sie nicht ins Krankenhaus gehen, sondern selbstverständlich sind wir als Profis dafür da, Sie zu beraten. Aber was davon Sie dann in Anspruch nehmen und was für Sie Priorität hat, das entscheiden Sie gemeinsam mit uns.

Therapeutische Schwerpunkte bei der Palliativtherapie

Neben der allgemeinen Palliativbetreuung widmet sich die Palliativmedizin im Besonderen den spezifischen Beschwerden der jeweiligen Erkrankung. Im Fall von Lungenkrebs gehören dazu unter anderem Atemnot, Husten und Schmerzen.

Beschwerden bei Lungenkrebs

Eines der häufigsten Symptome bei Lungenkrebs ist Atemnot, die bei über 80 Prozent der LungenkrebspatientInnen auftritt. Ein weiteres häufiges Symptom ist Husten, wobei es auch zu Blutbeimengung kommen kann. Man spricht dann von Bluthusten oder Hämoptoe. Auch Schmerzen sind im Rahmen einer Lungenkrebserkrankung häufig. Die Schmerztherapie gehört deshalb zu den Kernaufgaben der Palliativmedizin.

Auf die Behandlung folgender weiterer Beschwerden ist die Palliativmedizin spezialisiert:

  • Schlaflosigkeit,
  • Fatigue (starkes Gefühl von Müdigkeit und Abgeschlagenheit),
  • Übelkeit und Appetitlosigkeit,
  • Muskelschwäche und Muskelschwund sowie
  • Polyneuropathie (Nervenschädigung) im Rahmen von Krebstherapien.

Ihr Mitspracherecht als PalliativpatientIn

In ausführlichen Gesprächen werden Sie von den PalliativbetreuerInnen beraten, und Sie können Ihre Wünsche und Vorstellungen äußern. Sie allein entscheiden, welche Maßnahmen Sie in Anspruch nehmen wollen. Darauf aufbauend wird ein gemeinsames Therapieziel gefasst und ein individueller Therapieplan erstellt.

Zustimmung zu Behandlungen

Palliative Behandlungsmaßnahmen finden ausschließlich mit Zustimmung der PatientInnen statt.

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Bei welchen Problemen gehe ich zum Palliativteam?

An Palliativteams können Sie sich dann wenden, wenn Sie merken: „Der Alltag ist aufwendig. Ich komme nicht mehr zurecht, ich komme nicht mehr aus dem Bett, oder ich lege mich wund, oder ich kann nicht mehr in die Dusche. Ich kann nicht mehr auf die Toilette.“ Das ist im Alltag etwas ganz, ganz häufiges, dass Angehörige und Freunde überfordert sind und sagen: „Es funktioniert zu Hause einfach nicht mehr.“ Dann kommen die Menschen ins Spital und sagen: „Ich möchte eigentlich nicht im Spital sein.“

Und dann stehen wir als Palliativteam zur Verfügung gemeinsam mit den diplomierten Sozialarbeitern, um das häusliche Umfeld für Sie zu optimieren und auch die Praxis für Sie so zu gestalten, dass Sie zuhause wieder zurechtkommen.

Werden auch Beschwerden behandelt, die nicht direkt mit dem Lungenkrebs zu tun haben?

Es ist uns ein besonders großes Anliegen, nicht nur auf Ihre Erkrankung zu achten, sondern darauf zu achten: „Wer steckt eigentlich hinter dieser Erkrankung? Was macht Sie als Menschen aus?“ Und deswegen haben wir ja so ein großes Team an unterschiedlichsten Persönlichkeiten, die alle etwas anderes wahrnehmen und die alle ein bisschen eine andere Aufgabe haben, um mit Ihnen zu sprechen und zu schauen: Was kann man eigentlich optimieren.

Und als Ärztin oder Arzt neigt man natürlich dazu, sich sehr auf dieser körperlichen Ebene zu bewegen und sich zu überlegen: „Wie können wir den Krebs behandeln? Wie können wir die Beschwerden behandeln?“ Das ist auch sehr, sehr wesentlich.

Aber wenn man auf dieser Ebene nicht weiterkommt, dann gibt es noch viele, viele andere Ebenen, wo man helfen kann. Und das spürt man, wenn man auf der Palliativstation arbeitet, wie sehr die Menschen davon profitieren. Und deswegen ist die Arbeit auch etwas sehr Schönes. Man kann sehr viel erreichen.

Mit wem kann ich über meine Sorgen und Ängste reden?

Mit wem Sie über Ihre Sorgen und Ängste reden, das suchen Sie sich selber aus. Ich halte nichts von dem Ansatz, dass jeder Mensch, der weint und verzweifelt ist, sofort einen Psychologen oder Psychiater braucht, sondern es braucht jemanden, der passend ist für Sie.

Und das kann die Reinigungskraft sein. Das kann jemand sein, der etwas in Ihnen auslöst und etwas in Ihnen bewegt und zu dem Sie Vertrauen knüpfen.

Und wir sind relativ offen. Es entstehen immer wieder neue Situationen auf der Palliativstation. Man kann nicht immer ganz genau absehen, wie sich die Situation entwickelt. Aber man kann viel dazu tun, auf mehreren Ebenen zu versuchen, dass Sie sich besser fühlen.

Unterstützung im Alltag

Die Unterstützung bei alltäglichen Herausforderungen ist neben therapeutischen Maßnahmen ein Hauptanliegen der Palliativbetreuung. Als PalliativpatientIn können Sie sich mit allen Problemen, Sorgen und Wünschen an Ihr Behandlungsteam wenden.

Alltagspraktische Probleme

Ganz alltägliche Probleme können oftmals sehr belastend sein. Palliativmedizinische BetreuerInnen wissen darum Bescheid, haben viel Erfahrung im Umgang damit und unterstützen:

  • bei Hautpflege, Verdauungsbeschwerden oder körperlicher Überforderung.
  • bei der Organisation des häuslichen Umfelds.
  • bei der Klärung sozialrechtlicher Fragen.
  • bei der Erstellung von Vorsorgevollmachten und PatientInnenverfügungen.
  • bei Ängsten, Hoffnungslosigkeit oder dringenden Fragen zur eigenen Vergangenheit und Zukunft.

Betreuung abseits der Lungenkrebserkrankung

Für palliativmedizinische Fachkräfte steht nicht Ihre Lungenkrebserkrankung im Mittelpunkt, sondern Sie als Mensch. Aus diesem Grund besteht ein Palliativteam aus vielen Personen, die jeweils eigene Erfahrungen und unterschiedliche Blickwinkel einbringen.

Das breit aufgestellte BetreuerInnenteam unterstützt Sie dabei,

  • pflegerisch und mitmenschlich optimal umsorgt zu sein,
  • Ihre Körperkräfte zu stärken,
  • selbstbestimmt Ihren Alltag zu leben,
  • Persönliches und Spirituelles zu thematisieren.

Sorgen und Ängste

Sie selber suchen sich aus, mit wem Sie über Sorgen und Ängste sprechen wollen. Es ist eine Frage persönlicher Sympathie, wem man sich anvertrauen will.

Jedenfalls stehen im palliativen Bereich viele Personen für Gespräche zur Verfügung. Es kann ein Mitglied des Pflegepersonals ebenso sein wie ÄrztInnen, SeelsorgerInnen, PsychotherapeutInnen oder ehrenamtliche MitarbeiterInnen.

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Wie wird in der Palliativmedizin mit nahendem Tod umgegangen?

In der Palliativmedizin haben wir, was das Lebensende und den Tod betrifft, eine Offenheit. Das bedeutet aber nicht, dass wir unbedingt mit Ihnen darüber sprechen müssen, wenn Sie das nicht möchten.

Es ist ein Prozess, der entstehen muss. Es hat sehr viel mit Vertrauen zu tun. Dazu gibt es einen sehr schönen Satz, der lautet: „Der Sonne und dem Tod kann man nicht ins Gesicht blicken.“ Das bedeutet, die Situation muss entstehen, dass Sie darüber sprechen möchten. Dann sind wir sehr offen auf der Palliativstation und können Ihnen auch Ängste nehmen. Können Ihnen erzählen, wie wir als Palliativteam das Sterben und den Tod erleben.

Und die meisten Menschen fürchten sich ja davor, hilflos zu sein, zu leiden, keine Luft zu kriegen, starke Schmerzen zu haben. Und genau dafür sind wir da, um Ihnen zu erklären, was man da tun kann, dass wir für Sie da sind und dass Sie keine Angst haben müssen.

An wen wende ich mich, wenn ich noch einige Dinge erledigen oder klären möchte?

Die Dinge, die Sie erledigen und klären möchten, sind etwas, womit wir sehr vertraut sind.

Wir haben die Möglichkeit, sogenanntes Advanced Care Planning, vorausschauende Planung mit Ihnen durchzuführen.

  • Das kann das Verfassen einer PatientInnenverfügung sein.
  • Das kann das Verfassen einer Vorsorgevollmacht sein, sodass Sie jemanden aussuchen können, einen Menschen, der Ihnen vertraut ist, der im Falle, dass Sie sich nicht mehr äußern können, in Ihrem Sinne Entscheidungen trifft.

Das sind Dinge, die sehr vertraut sind auf der Palliativstation und wo wir Sie gerne unterstützen und beraten.

Mit wem kann ich über das Thema „lebensverlängernde Maßnahmen“ sprechen?

Lebensverlängernde Maßnahmen sind auch etwas, das ein wichtiges Thema ist, weil ich glaube, da ranken sich sehr, sehr viele Mythen.

  • Man muss sich in der Medizin immer fragen: „Ist eine Therapie wirklich indiziert?“ Das heißt: Kann das Therapieziel erreicht werden?
  • Und die zweite Frage ist: „Sind Sie als Person damit einverstanden?“

Klingt relativ einfach, ist aber sehr kompliziert.

Sie können als Patientin oder Patient jede Maßnahme zu jedem Zeitpunkt auch ohne Angabe von Gründen ablehnen. Sie können diese Entscheidung aber auch jederzeit widerrufen. Und ich denke, wichtig ist die Aufklärung:

  • Was können Sie sich versprechen von dieser oder jener Maßnahme?
  • Wie viel Lebenszeit lässt sich gewinnen?
  • Wie viel Besserung Ihres Zustandes lässt sich gewinnen?

Und nur dann kann man gemeinsam entscheiden, was für Sie der richtige Weg ist.

Also wir stehen als Team dazu zur Verfügung. Und wenn wir nicht weiterwissen, binden wir andere Disziplinen mit ein. Weil man kann nicht alles wissen.

Begleitung in der letzten Lebensphase

Palliativmedizin wird oftmals mit Sterbebegleitung gleichgesetzt. Obwohl das so nicht zutreffend ist, versteht sich die Palliativmedizin als jener Bereich, der seine PatientInnen auch in der letzten Lebensphase nicht allein lässt, sondern aktiv begleitet.

Mit dem nahenden Tod umgehen

Mit dem Thema Tod beschäftigen wir Menschen uns ungern. Jeder geht anders damit um, wenn der Tod näher rückt. Palliativmedizinische BetreuerInnen haben Erfahrung in der Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase und teilen diese gern mit Ihnen, wenn Sie dies möchten.

In jedem Fall erhalten Sie Unterstützung bei Ängsten und Beschwerden, die das Sterben bedrohlich erscheinen lassen. Und in jedem Fall steht eine Person zur Verfügung, der Sie sich dann in diesen Fragen anvertrauen können.

Hilfe bei der Erledigung und Klärung wichtiger Dinge

Für die Klärung sozialrechtlicher Fragen stehen im Palliativbereich SozialarbeiterInnen beratend zur Verfügung.

Wenn Sie offene zwischenmenschliche Probleme klären wollen, zum Beispiel mit Angehörigen, können Sie jederzeit das Gespräch mit PsychologInnen suchen.

Selbstverständlich erhalten Sie auch rechtliche Unterstützung bei der Frage, wie Sie behandelt werden wollen, sollten Sie einmal nicht mehr in der Lage sein, selber zu entscheiden. Dafür stehen zwei Möglichkeiten offen:

  • die PatientInnenverfügung (sie halten schriftlich fest, wie Sie weiterhin behandelt werden wollen) oder
  • die Vorsorgevollmacht (Sie bestimmen eine Vertrauensperson, welche diese Entscheidungen gegebenenfalls für Sie trifft).

Lebensverlängernde Maßnahmen

Vor allem in der Palliativmedizin stellen sich vor jeder Behandlung zwei Fragen:

  • Lässt sich mit dieser Maßnahme das therapeutische Ziel erreichen?
  • Sind Sie als PatientIn mit dieser Maßnahme einverstanden?

Ihre PalliativbetreuerInnen werden Sie gern über die Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit der bestehenden Möglichkeiten beraten. Einer der Vorteile einer frühen palliativen Betreuung ist, dass PalliativpatientInnen zum Lebensende hin weniger intensive und belastende Maßnahmen benötigen.

Entscheidungsrecht

Sie können als PatientIn jede therapeutische Maßnahme zu jeder Zeit ohne Angabe von Gründen ablehnen. Sie können diese Entscheidung aber auch jederzeit widerrufen.

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Geprüft Assoc.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Eva Katharina Masel, MSc: Stand 23.12.2020 | AT-4357

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.

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