Transkript

Einleitung

Bei der tuberösen Sklerose kann es zu epileptischen Anfällen kommen, welche bereits in den ersten Lebensmonaten auftreten können. Unsere nächste Vortragende arbeitet und forscht genau in diesem Bereich. Universitätsprofessorin Dr. Martha Feucht ist Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und leitet das Epilepsiezentrum im Wiener AKH, an der Universitätsklinik für Kinder und Jugendheilkunde. Sie wird uns erklären, was die Zusammenhänge zwischen tuberöser Sklerose und Epilepsie sind und die neuesten Ansätze in der Diagnostik und Therapie präsentieren.

Begrüßung (00:50)

Sehr geehrte Damen und Herren, im Rahmen der virtuellen Patiententage 2022 werden wir uns in diesem Vortrag mit einer Erkrankung, die lange Zeit unterdiagnostiziert war beschäftigen, der tuberösen Sklerose oder “tuberous sclerosis complex”, wie sie international genannt wird. Mein Name ist Martha Feucht und ich bin vom pädiatrischen Epilepsiezentrum Wien. Ich arbeite an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde und leider dort den Bereich der Epileptologie.

Pädiatrisches TSC Zentrum (1:40)

Wir haben wir seit 2012 ein pädiatrisches TSC Zentrum im Rahmen des Epilepsiezentrums etabliert. Sie sehen, dass dort viele Mitarbeiter von mir beschäftigt sind, da die Erkrankung sehr komplex ist. Wir führen eine Ambulanz, eine prächirurgische Epilepsie Monitoring Unit und bieten auch Epilepsie Chirurgie an. Das ist natürlich nur möglich, wenn viele Kliniken zusammenarbeiten und seit 2012 gibt es den Klinikverbund, für Epilepsiechirurgie besteht dieser schon seit 2000.

Kommende Inhalte (2:20)

  • Was ist tuberöse Sklerose?
  • Was ist mit tuberöser Sklerose assoziierte Epilepsie?
  • Was ist die Ursache für tuberöse Sklerose?
  • Was sind mTOR Inhibitoren?
  • Welche Fortschritte gibt es in Diagnostik und Behandlung?
  • Welche Forschungsergebnisse sind in der Zukunft zu erwarten?

 

Die Daten, die ich bringe, basieren auf Studien, an denen wir intensiv teilgenommen haben. Wir haben ein internationales Register mitgeführt, in dem ich auch in der wissenschaftlichen Beratung tätig war, das über 2.000 Patienten weltweit eingeschlossen hat. Wir haben auch eine prospektive Studie mit kleinen Kindern, unter vier Monaten, durchgeführt. Dort wurde geschaut, wann mit der Behandlung begonnen werden muss, um möglichst Folgezustände zu vermeiden.

Geschichte der tuberösen Sklerose? (3:55)

Die Erkrankung wurde Ende des 19. Jahrhunderts von zwei französischen Neurologen, von Bourneville und Brissaud fast gleichzeitig beschrieben. Sie haben Veränderungen im Gehirn gefunden und beschrieben, die wie Pilze aussahen. Fast gleichzeitig hat ein englischer Dermatologe Veränderungen im Gesicht geschrieben, von denen er nicht wahrgenommen hat, dass sie in Zusammenhang mit den Veränderungen stehen, die von den anderen beiden Kollegen gefunden wurden. Er nannte sie Adenoma sebaceum. In den folgenden Jahren wurde immer offensichtlicher, dass es sich um eine Erkrankung handelt, die beides begründet, auch in anderen Organen wurden solche Wucherungen erzeugt.

 

Hundert Jahre danach kam es zur Erfolgsgeschichte, denn die zugrundeliegende Mutation wurde gefunden, sie liegt an zwei Genorten. Man hat das Genprodukt, die Auswirkungen der Mutationen im Körper und im Stoffwechsel untersucht. Basierend auf dem Wissen wurden Medikamente untersucht und angewendet, die mTOR Inhibitoren. So konnte zum ersten Mal eine Krankheitsmodifikation durchgeführt werden. Die Symptome und Entwicklung betroffener Kindern konnte so deutlich verbessert werden.

Was ist tuberöse Sklerose? (5:45)

Tuberöse Sklerose ist eine seltene Erkrankung, die alle Ethnien und Geschlechter betrifft. Es sind ungefähr 1 von 6.000 bis 1 von 10.000 Lebendgeburten weltweit betroffen, das heißt das ungefähr 1.000.000 Menschen weltweit betroffen sind und mindestens zwei erkrankte Kinder pro Tag geboren werden. In Österreich sind ungefähr zehn Lebendgeburten pro Jahr zu erwarten. Oftmals ist die Erkrankung jedoch unterdiagnostiziert, sodass erst später ein Zusammenhang mit einem Kind, das Epilepsie hat, hergestellt werden kann.

 

Die zugrunde liegenden Mutationen sind TSC1 und TSC2. Man findet sie in 86% der Menschen, die diese klinischen Manifestationen haben. Es gibt jedoch einen gewissen Prozentsatz, der noch andere Ursachen haben muss, die man derzeit nicht kennt, an denen aber intensiv geforscht wird.

 

TSC1 und 2 kontrollieren einen Signalwege im Gehirn. Es sind “Loss of Function” Mutationen, sie führen zu einem Funktionsverlust. Dann kommt es zu einer exzessiven Störung, einer Aktivierung dieses Signalweges und vielen Konsequenzen. Es kommt zu einem unkontrollierten Zellwachstum und damit zu Tumoren ist fast allen Organen.

 

Hier sehen sie Tumore im Herz, der Haut, im Gesicht, im Gehirn, den Augen, der Lunge und den Nieren. Sie können in den Knochen und Fingernägeln entstehen.

TSC und Genetik (7:55)

Die Erkrankung ist genetisch bedingt, es handelt sich um einen autosomal dominanten Erbgang. Dieser ist jedoch in zwei Dritteln der Fälle spontan mutiert, das heißt nicht vererbt. Die Mutation kann in 80% bis 90% der Betroffenen detektiert werden. Es sind derzeit zwei Genorte bekannt, TSC1 am Chromosom 9, das Genprodukt ist das Protein Harmatin. Das TSC2 ist am Chromosom 16 lokalisiert und produziert das Genprodukt Tuberin.

 

Es gibt keine strenge Genotyp-Phänotyp Beziehung, es gibt also keine eindeutigen Hinweise, dass man bestimmte Veränderungen mit einer TSC1 oder 2 hat. Der Befall ist sogar innerhalb einer Familie variabel. Woran das liegt, weiß man nicht, Tatsache ist aber, dass es Unterschiede gibt, wenn man alle tuberöse Sklerose Patienten ansieht. Das haben wir auch in diesen groß angelegten Studien.

 

Die Mutation TSC1 ist seltener und kommt häufig in familiären Formen vor. TSC2 ist häufiger bei Spontanmutationen. Mit TSC2 sind schwerere Krankheitsverläufe zu erwarten und eine häufigere Affektion der Niere mit Zysten. Denn es besteht eine Verbindung zum benachbarten PKD1 Gen, welches für zystische Erkrankungen zuständig ist.

TSC und Alter (9:45)

Der Organbefall ist altersabhängig, das heißt die Manifestationen ändern sich mit dem Alter. Sie sind bei einem Neugeborenen komplett anders als bei einem Erwachsenen. Die Diagnostik und Behandlungsempfehlungen müssen daher stetig modifiziert werden. Die ersten Veränderungen sind am Herzen und der Haut zu sehen. Das Herz ist bereits pränatal, das heißt während der Schwangerschaft betroffen und auch Hirnveränderungen sind früh erkennbar. Veränderungen der Lunge und Niere sind oft erst im Erwachsenenalter zu sehen.

 

Die häufigsten Veränderungen sind die früh am Herzen, auch als Rhabdomyome bezeichnet. Auch Gehirnveränderungen entstehen meist bei der Geburt und später kommen die Hautveränderungen. Die Flecken der Haut sind das erste, was man sieht. Das Adenoma sebaceum, die Akne artigen Veränderungen im Gehirn sind kommen erst deutlich später dazu.

Diagnostik und Management Kriterien (11:20)

Wir haben Guidelines und Empfehlungen übersetzt, wie diagnostiziert und behandelt werden soll, diese sehen Sie hier. Die Tuberöse Sklerose Gesellschaft ist eine sehr rege Selbsthilfegruppe und hat initiiert, dass ich Experten 2010 zusammengesetzt haben und einheitliche Kriterien für das Diagnostizieren und Behandeln einer tuberösen Sklerose festgelegt haben. Wir haben diese 2021 überholt und an den Wissensstand von heute angepasst

 

Wenn ich eine Mutation finde, hat der Patient gesichert eine tuberöse Sklerose. Hab ich keine Genetik oder eine negative Genetik, muss ich das klinisch festlegen. Dafür gibt es Haupt- und Nebenkriterien, die ich Ihnen hier aufgelistet habe. Mit zwei Hauptkriterien oder einem Hauptkriterium und zwei Nebenkriterien ist die Diagnose auch klinisch gesichert, wenn kein Genbefund vorliegt. Ein hochgradiger Verdacht besteht, wenn nur ein Hauptkriterium und zwei Nebenkriterien vorliegen.

 

Hier sehen Sie die Hauptkriterien, dazu zählen Veränderungen im Gesicht, das Adenoma sebaceum, Veränderungen am Nagelbett und weißen Flecken, die man meistens schon bei Babys sieht. “Shagreen Patches” sind Erhebungen, die man vorwiegend am Rücken findet. Sie sind depigmentiert und werden daher im Sommer meist auch nicht braun. Veränderungen am Auge sind vor allem bei älteren Patienten häufig, mit diesen Sehstörungen werden sie häufig zum ersten Mal an der Ambulanz vorgestellt. Alle Hirnveränderungen sind ebenfalls Hauptkriterien, aber auch Veränderungen der Lunge, der Niere und dem Herzen. Die Nebenkriterien allein würden nicht dafür ausreichen, um eine Diagnose zu stellen.

TSC und Gehirn (13:50)

Das Gehirn ist das Organ, mit dem wir uns am meisten beschäftigen, wenn wir über Epilepsie reden. Es ist bei 85% der Patienten betroffen und Strukturläsionen, Veränderungen im Gehirn, findet man bei 95%.

 

Die subependymalen Knötchen befinden sich um die Ventrikel herum. Es sind Zellen, die während der Entwicklung stecken geblieben sind und nicht in die Hirnrinde gewandert sind. Diese Zellen können vor allem am Foramen Monroi wachsen, wo die Gehirnflüssigkeit abfließt und dort Hirndruckzeichen bis tödliche Komplikationen verursachen. Daher müssen sich Patienten mit tuberöser Sklerose regelmäßig einer Bildgebung unterziehen. Die subependymalen Zellen finden sich in 10% bis 20% der Fälle.

 

80% der Bevölkerung haben Tubera, die pilzartigen Veränderungen, die schon die Erstbeschreiber im Gehirn gefunden haben. Diese können aussehen, wie „migration lines“, wie dunkle Straßen durch die weiße Substanz, wo auf dem Weg in die Hirnrinde Zellen auf ihrem Weg steckengeblieben sind. Das sind Ähnlichkeit mit Veränderungen bei anderen Erkrankungen, die man als kortikale Dysplasie bezeichnet.

Psychische und kognitive Symptome (15:45)

Die Veränderungen führen zu psychischen und kognitiven Störungen, zusammengefasst als neuropsychiatrische Disorders. Es kommt zu eine Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung, autistischen Störungen, Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörungen, Verhaltensstörungen, Zwangsstörungen und Depressionen. Die Ursachen sind multipel, neben dem Gendefekt spielt die Schwere der Epilepsie und das Alter eine Rolle. Je früher die Symptome beginnen, desto schlechter ist die Prognose.

 

Je früher mit einer Medikation und therapeutischen Maßnahmen gegengesteuert wird, desto geringer ist die Schädigung. Selbst in Expertenzentren werden die psychischen und kognitiven Störungen meist unterdiagnostiziert, sie hatten keine Daten dazu, wie oft psychische Erkrankungen vorkamen und wie sie behandelt wurden.

Konzept TAND (17:00)

Dem Konzept TAND hat sich der Kollege De Vries aus unserem Wissenskreis gewidmet, ein Psychiater aus Kapstadt. Dieses Konzept definiert die TSC assoziierten, neuropsychiatrischen Störungen und hat es erleichtert, diese zu diagnostizieren. Es gab dazu weltweit viel Propaganda, viele Ausbildungen an diversen Zentren, um eine awareness zu schaffen.

 

Er hat auch ein Messinstrument entwickelt, das man in jeder Ambulanz kurz durchführen kann. Wir haben dieses gemeinsam mit ihm übersetzt, so kann jede Ambulanz diese Untersuchungsbögen verwenden, um zu scannen, ob ein Verdacht auf diese Störungen vorliegt.

Neurologische Symptome (18:05)

Im Vordergrund stehen neurologische Symptome, die von den Strukturläsionen und Veränderungen des Gehirns abhängig sind. Dementsprechend können neurologische Symptome, wie Sehstörungen oder Lähmungen auftreten.

 

93% der Patienten haben eine Epilepsie, in 15% der Fälle ist es das erste Symptom, das auftaucht und mit dem Patienten vorstellig werden. In 75% der Fälle sind sie bei Beginn, mit unter zwei Jahren, vorhanden. Es ist eine Erkrankung, die hauptsächlich im jungen Alter, dem Säuglingsalter oder kurz nach der Geburt, auftritt. Die schlechte Nachricht ist, dass 70% der Patienten nicht oder nur schlecht auf die derzeit vorhandenen Medikamente gegen die Anfälle ansprechen.

TSC und Epilepsie – Ursachen (19:00)

Nicht alle strukturelle Läsionen des Gehirns sind für eine Epilepsie verantwortlich. Es sind vorwiegend die kortikalen Tubera, die wie Schwämmchen aussehenden Veränderungen und die neuronalen Migrationslinien, wo Zellen stecken geblieben sind. Diese Veränderungen entstehen in den Schwangerschaftswochen sieben bis zwanzig. Das kann man mittlerweile bei pränatalen MRTs von Kindern sehen, sie haben bereits in der frühen Schwangerschaft Anfälle.

 

Ein Problem ist, dass die Epileptogenese, wenn die Kinder zur Welt kommen, meist schon abgeschlossen ist. Die Therapie kommt zu diesem Zeitpunkt zu spät, man müsste sie viel früher beginnen. Das ist derzeit nicht möglich, aber es wurden Untersuchungen gestartet, ob es nicht besser wäre, bereits vor dem Entstehen oder beim Sichtbarwerden der Anfälle, eine Behandlung einzuleiten.

Anfalls- und Epilepsietypen (20:15)

Bei Patienten mit tuberöser Sklerose gibt es unterschiedliche Anfalls- und Epilepsietypen, sowie Syndrome. Die häufigsten sind fokale und multifokale Epilepsien und zwei epileptische Enzephalopathien. Das betrifft vor allem junge Kinder, das sogenannte West-Syndrom und Lennox-Gastaut-Syndrom. Diese müssen unterbrochen oder vermieden werden, weil es die normale Entwicklung einschränkt.

 

Eine Ko-Existenz von Syndromen oder Anfallstypen ist möglich. In der Regel ist dabei eine „Syndrom Transition“ zu sehen, dass bedeutet, dass sich mit dem Entwicklungszustand des Gehirns auch das Erscheinungsbild der Epilepsie und der Anfälle ändert. Es gibt dazugehörige EEG Veränderungen, dieses ist daher ein gutes Screening Instrument, um die Syndrom Entwicklung einzuschätzen.

 

Mittlerweile ist auch bekannt, dass mit Beginn der Epilepsie Beeinträchtigungen der kognitiven Entwicklung und neuropsychiatrische Störungen auftreten. Wenn diese länger anhalten, kann das Kind nicht mehr zu dem Level, das vorher bestand, zurückgekehrt.

Fazit (21:40)

Man weiß, dass Gehirnläsionen, vor allem Tubera und neuronale Migrationslinie für die TSC-assoziierte Epilepsie verantwortlich sind. Es sind unreife kortikale und subkortikale Pathologien, die bereits in der Schwangerschaft entstehen und zu einer gestörten oder unreifen Rezeptorfunktion und Signalübertragung führen. Dadurch entsteht die Epilepsie.

 

Die Epileptogenese beginnt bereits pränatal, daher muss man überlegen, wie man sie behandeln kann. Es werden wirksame Antikonvulsiva gesucht. Mit der Magnetresonanz und dem EEG können bereits pränatal Veränderungen dieser Art sichtbar werden. Wir versuchen die Zeitpunkte festzulegen, zu denen die Therapie am besten begonnen werden könnte.

Konzept der mTORpathien (22:50)

Nun möchte ich Ihnen die Folge der Mutation, das Konzept der mTOR Veränderungen und der mTORpathien vorstellen.

mTOR – Historischer Hintergrund (23:00)

1965 ist eine Expedition nach Rapanui gestartet, diese hat versucht Substanzen aus dem Boden und Pflanzen zu finden, die als Medikamente verwendet werden können. 1972 hat man Rapamycin, das Bakterium Streptomyces entdeckt. Dieses hat immunsuppressive, zytostatische und Anti-Krebs Eigenschaften. Es wurde 1980 durch die FDA zugelassen, vorwiegend zur Behandlung von Nierenkrebs, aber auch für andere Krebsarten.

 

Man wusste nicht, wie es funktioniert, die Untersuchung war rein empirisch, auf Erfahrung basierend. Erst 1993 wurde erkannt, wo das Medikament andockt und es wurde Spalentor genannt. 1994 wurde an den Universitäten Harvard und Hopkins auch der Andock-Ort beim Menschen gefunden, das mammalian Target of Rapamycin, auch mTOR genannt.

TSC und mTOR (24:40)

In den folgenden Jahren wurden diese Erkenntnisse weiter untersucht und wir wissen heute, dass der mTOR Komplex weitreichende Funktionen hat. Dazu gehört die Proteintranslation, Gentranskription, Zellproliferation, Zellteilung und Differenzierung, sowie das Entsorgen von Zellen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

 

Die Proteine Hamartin und Tuberin, die bei der Mutationen zu finden sind, formen einen Proteinkomplex, der den mTOR Komplex reguliert. Wenn sie gestört sind, kommt es zu einer Enthemmung des Komplexes und einem enthemmten Zellwachstum und Differenzierung. So können die typischen Tumore entstehen.

 

mTORpathien (25:35)

Das betrifft nicht nur die tuberöse Sklerose, sondern eine Reihe von Erkrankungen. Man findet immer mehr, bei denen mTOR eine Rolle spielt. Vielleicht kann man durch Beeinflussung des mTOR Komplexes auch bei diesen medikamentöse Ansätze finden.

TSC-assoziierte Epilepsie – Behandlungsmethoden (25:55)

Zuerst wurde die natürlich mTOR Inhibition gefunden, zum Beispiel Kurkuma, Rotwein, Äpfel, Zwiebeln, grüner Tee, Olivenöl, Alkohol und Koffein. Man versuchte Diäten zu kreieren, die dazu führen, dass es zu einer mTOR Inhibition kommt. Das ist mühsam und auch in Dosen, die man normalerweise als Nahrung zu sich nimmt, nicht durchführbar.

mTOR Inhibition (26:30)

Eine Form, in der man eine Restriktionen erzielen kann, ist das intermittierende Fasten und eine Kalorien- oder Proteinrestriktion. Eine Ernährungstherapie, bei der mittlerweile klar ist, dass sie auch bei tuberöser Sklerose und mTORpathien gut anspricht, ist die ketogene Ernährung.

mTOR Inhibitoren in der Medizin (27:05)

Die mTOR Inhibitoren werden nicht nur bei tuberöser Sklerose verwendet, sondern auch bei Stents, damit sie nicht zuwachsen, bei Immunsuppressionen der Onkologie, bei verschiedensten Tumoren und bei Nierenzysten, damit diese nicht weiter wachsen. Das ist auch für tuberöse Sklerose Patienten wichtig, wenn sie zusätzlich eine polyzystische Nierenerkrankung haben.

Everolimus (27:35)

Bei tuberöser Sklerose wird das mTOR angewendet, dort ist es auch schon zugelassen. Es hemmt vorwiegend den Komplex, der nicht durch den Funktionsausfall von TSC1 und TSC2 exzessiv überaktiviert wird. Es kontrolliert teilweise diesen Weg und damit auch die Signalübertragung, das Wachstum der Tumore und weitere Veränderungen dieser Erkrankung.

 

Das wurde mit drei Studien untersucht und zugelassen ist mTOR letztlich für die Riesenzellastrozytome, um sie zum Schrumpfen zu bringen, beispielsweise in der Niere. Diese Stelle ist sehr ungünstig für operative Eingriffe, sodass diese Methode ein gutes Instrument ist, um die Tumore zum Schrumpfen zu bringen und dann zu operieren. Manchmal kann man sie auch komplett zum Verschwinden bringen. Durch die Studie wurde erkannt, dass ein Teil der Epilepsie Patienten, deutlich weniger Anfälle danach hatten.

Beispiel: (28:55)

Dies ist ein Beispiel eines Riesenzellastrozytomes vor und nach Anwendung von einem mTOR Inhibitor. Man erkennt eine deutlicher Größenabnahme durch die Therapie.

 

Es ist möglich diese auch lokal, zur Minimierung der Hautveränderungen aufzutragen, um die Gesichtsrötung zu vermindern. Dafür gibt es Salben und Tinkturen.

Zukünftige Entwicklungen (29:25)

Was wäre zukünftigen Entwicklungen, die in der Forschung mit mTOR Inhibitoren zu erwarten sind?

Neue Erkenntnisse (29:40)

Man erwartet eine Reihe neuer Substanzen. Da die Veränderungen und die Epileptogenese bereits in der Schwangerschaft entstehen kann, ist erwünscht, dass die Behandlungen frühzeitig beginnen und nicht erst, wenn das Kind bereits Anfälle hat.

 

Die Patienten sollten mit EEG und MRT gescreent und ab bestimmten EEG Veränderungen behandelt werden. Ein EU Projekt, an dem wir auch teilgenommen haben, hat gezeigt, dass diese Herangehensweise zu einer deutlicher Verbesserung der Epilepsieprognose und weniger psychiatrischen und kognitiven Veränderungen bei diesen Kindern führt.

Zusammenfassung (30:45)

Zusammenfassend werden heute Prädiktion und Prävention empfohlen. EEG und MRT Screenings von Verdachtsfällen und präventive Maßnahmen, wie medikamentöse Interventionen, wenn EEG Veränderungen auftreten sind wichtig. Sie sollten nicht erst dann durchgeführt werden, wenn Anfälle auftreten.

 

Die Signalübertragung ist in diesen Veränderungen ist unreif, daher wirken nur GABAerge Substanzen. Am bekanntesten ist das hochdosierte Vigabatrin, es ist die erste Wahl. Darüber hinaus, in geringerem Ausmaß, auch Steroide und Topiramat.

 

Wenn hochdosiertes Vigabatrin nicht wirkt, wird eine Behandlung mit einer mTOR-Inhibition mit Everolimus empfohlen. Begleitend kann eine ketogene Diät durchgeführt werden, auch wenn diese nicht allen Patienten nützt und nicht ausreichend ist.

 

Die Epilepsie Chirurgie hat in den letzten Jahren Fortschritte gemacht, es können Tuber reseziert werden, wenn fokale Anfälle vorliegen. Wenn eine epileptische Enzephalopathie besteht und Anfälle von mehreren Tuber ausgehen, kann man diese in mehreren Sitzungen mit dem Laser zerstören. So können gute Erfolge bei Patienten, bei denen man bisher keine Behandlungsmöglichkeiten hatte, erzielt werden.

Neue Substanzen (32:15)

Cannabidiol wurde in Österreich zugelassen, hat bei tuberöser Sklerose aber keine durchbrechenden Erfolge. Fluphenazin wird demnächst zugelassen, wo auf vielversprechende Ergebnisse gehofft wird. Die Medikamente Ganaxolone und Soticlestat sind derzeit noch nicht zugelassen, aber vielversprechender in den Vorversuchen als das, was derzeit auf dem Markt ist.

Ansätze weiterer mTORpathien (32:50)

Die mTOR Inhibition kann auch bei FCD IIB, angewendet werden. Das ist eine Veränderung im Gehirn, die nicht mit dieser Mutation vorhanden ist. Wenn diese nicht operabel ist beziehungsweise beidseitig, kann man mTOR verwenden.

 

Man kann es auch bei einem Gendefekt, dem DEPDC5 verwenden, bei dem auch fokale Veränderungen im Gehirn entstehen. Es wurde bei PIK3CA Patienten, bei Neurofibromatose und Sturge-Weber Erkrankungen, also auch anderen neurogenen Erkrankungen verwendet.

 

Die Programme, welche die Firma ursprünglich begonnen hat, wurden aus firmeninternen Gründen nicht fortgesetzt. Daher geht es ein bisschen langsamer, bis es genug Daten gibt, weil es nur noch Investigator Initiated, von Zentren durchgeführt werden kann.

Teilnehmerfragen

1.    Ist die Lebenserwartung bei TSC mit Epilepsie normal? (34:00)

Prinzipiell ja, insgesamt muss man aber sagen, dass die Lebenserwartung von Patienten mit Epilepsie, welche unbehandelt bleibt und wenn weiter Anfälle bestehen, eine 4,5% höhere Rate haben vorzeitig zu versterben.

 

Andere Komplikationen, die bei tuberöser Sklerose entstehen können sind läsionsimmanent, das heißt, der SEGA und Hirndruck kann durch Blutungen verändert werden. Es gibt Veränderungen in den Nieren und durch den Funktionsausfall der Lunge kann es bis zur Transplantationswürdigkeit kommen.

2.    Wie häufig sind Autismus und Hyperaktivität bei TSC? Sollte ich mich testen lassen? (34:55)

Es ist häufig unterdiagnostiziert oder wenig beachtet. Sie sollten es auf jeden Fall testen lassen. Es ist häufig und viele Patienten haben nur minimale Symptome, die aber beträchtlich stören. Diese kann man Behandeln. Als erstes Screening Instrument würde sich der TAND Fragebogen anbieten, um zu schauen, ob es überhaupt in diese Richtung geht.

3.    Verändern die Anfälle die Prognose? (35:25)

Ja, in jedem Fall. Je früher die Epilepsie beginnt und je schwerer sie verläuft, desto schlechter ist die Entwicklung, vor allem wenn sie im Kindesalter beginnt.

4.    Wenn Patienten mehrere Anfallsarten gleichzeitig haben, schicken dann verschiedene Tuber unterschiedliche “Krampfsignale”? Ist das bei TSC die Regel oder wie häufig kommt das vor? (35:40)

Es können verschiedene Anfallstypen auftreten und sie können von einem Tuber kommen. Es kann natürlich auch von mehreren Tuber kommen, das sind dann Patienten, die man in Hinblick auf eine Laserablation untersuchen sollte.

5.    Gibt es Laserablation bei Kindern und Kleinkindern? (36:20)

Das ist das möglich, sobald der Knochen dick genug ist, um die Elektroden auszuhalten, mit denen man vorher kontrolliert, wo man am besten Lasert, um die epileptische Aktivität zu unterbinden. Normalerweise geht das mit einem halben Jahr, darunter ist es schwierig.

Verabschiedung (36:55)

Damit bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit.

Epilepsie bei TSC (Tuberöser Sklerose)

27.02.2022 | 17.30 – 18.00 Uhr

Der Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Feucht fokussiert sich auf Fortschritte im Verständnis der TSC zugrunde liegenden Pathomechanismen sowie daraus resultierenden neuen Diagnostik- und Therapieansätzen (pränatales MRT, EEG-Screening von RisikopatientInnen und präventive Behandlung vor Auftreten klinisch auffälliger Anfälle, sowie Verwendung neuer Substanzen, insbesondere Krankheitsmodifikation mittels mTOR-Inhibitoren, CBD etc.). Kurz werden auch neue, wenig invasive, chirurgische Ansätze wie Laser interstitielle Thermotherapie (LITT) vorgestellt.

Vortragende

Dr.in Susan Halimeh

Univ.-Prof. Dr.
Martha Feucht
Leitende OÄ im Bereich Epileptologie und EEG Labor

Univ. Prof. Dr. Martha Feucht ist leitende OÄ im Bereich Epileptologie und im EEG Labor an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde bzw. an der medizinischen Universität Wien/AKH.

Kostenlos und ohne Anmeldung

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