3. Schubbehandlung bei Multipler Sklerose

Wann sollte ich bei Verdacht auf einen Schub eine Ärztin/einen Arzt aufsuchen?

Nach der Diagnosestellung einer Multiplen Sklerose (MS) sollten Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt besprechen, welche typischen Symptome während eines Schubs auftreten können. Ein MS-Schub ist gekennzeichnet durch das Auftreten neurologischer Funktionsstörungen. Diese betreffen das Nervensystem und äußern sich häufig in Ausfallerscheinungen. Wichtige MS-Symptome sind:

  • Sehstörungen:
    • Verschwommenes Sehen, Schmerzen bei Augenbewegungen oder Sehen von Doppelbildern
  • Gefühlsstörungen der Haut (Sensibilitätsstörungen):
    • Kribbeln auf der Haut, schmerzhafte Empfindungen in Armen und Beinen
  • Lähmungserscheinungen:
    • Treten häufig an den Beinen auf, zum Beispiel erschwerte Bewegung beim Gehen
  • Koordinationsstörungen:
    • Unsicherheit beim Gehen oder Stehen
  • Weitere Symptome: anhaltende Schwäche, Sprachstörungen, ungewolltes Zittern von Körperteilen (Intentionstremor), Schmerzen

Von großer Wichtigkeit ist der zeitliche Aspekt. Folgende Kriterien müssen für die Definition eines Schubs erfüllt sein:

  • Ein Symptom tritt auf. Dieses kann ein neues oder ein bereits bekanntes Symptom sein, welches sich zwischendurch gebessert hat.
  • Die Beschwerden halten mindestens 24 Stunden lang an.
  • Abstand zum letzten Schub: Der Beginn des letzten Schubs liegt mindestens 30 Tage zurück.

Ist das der Fall, bedeutet das nicht, dass Sie sofort zur Ärztin/zum Arzt oder in die Notaufnahme müssen. Aber es empfiehlt sich, zeitnah eine Ihnen bekannte Ambulanz oder Ihre behandelnde Ärztin/Ihren behandelnden Arzt aufzusuchen. Diese kennen Ihre Vorgeschichte und haben womöglich Ausgangsbefunde vorliegen, sodass eine genauere Beurteilung erfolgen kann.

Was ist das Ziel der Schubbehandlung bei MS?

Das Ziel ist die möglichst vollständige und schnelle Rückbildung der Symptome des Schubs. Dabei ist die Stärke der Behandlung abhängig von der Art und Dauer des Schubs. Sie sollte möglichst bald nach Beginn der Beschwerden begonnen werden.

Wie und wie lange ist wird ein Schub bei MS behandelt?

Die Therapie der Wahl bei einem Schub ist die Gabe von Kortison, also einem Glukokortikoid. Glukokortikoide kommen auch als Hormone im Körper vor und wirken stark anti-entzündlich. In der Regel erfolgt eine Kortison-Stoßtherapie über die Blutgefäße in sehr hoher Dosierung für drei bis fünf Tage. Bestehen weiterhin Beschwerden kann die Dosierung weiter erhöht werden oder die Therapie um bis zu zehn Tagen verlängert werden.

Als weitere Option steht der Plasmaaustausch (sogenannte Plasmapherese) zur Verfügung. Dafür wird das Blut aus dem Körper durch ein Reinigungsgerät geleitet und dem Körper wieder zugeführt. Im Reinigungsgerät werden dem Blut schädliche Bestandteile (zum Beispiel Antikörper) entnommen. Die Entzündung wird dadurch eingedämmt und ein bestehender Schub gebessert.

Was sollte ich nach der Schubbehandlung beachten?

Da das Ziel der Schubtherapie die Rückbildung der Symptome ist, sollten Sie beobachten, ob eine Besserung eintritt. Manchmal kann es auch einige Wochen bis Monate dauern, bis die Symptome endgültig abklingen. In der Regel bilden sich Schubsymptome recht gut zurück.

Nach einer Kortison-Stoßtherapie ist das Thromboserisiko erhöht. Um einer Thrombose vorzubeugen, sollten Sie ausreichend trinken und sich bewegen. Das Vorbeugen einer Thrombose mit Medikamenten ist nur bei stark eingeschränkter oder aufgehobener Bewegungsfähigkeit notwendig.

Da Kortison die Haut lichtempfindlicher macht, ist ein ausreichender Sonnenschutz ebenfalls wichtig. Je nach Schubsymptomatik sind weitere Verhaltensweisen sinnvoll (zum Beispiel Verzicht auf Autofahren bei Beeinträchtigung der Augen).

Regelmäßige Blutuntersuchungen bei häufiger Kortisontherapie

Kortison kann als Nebenwirkung einige Blutwerte verändern. Gehen Sie daher regelmäßig zu Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt zur Blutabnahme. Wichtig ist auch besonders die Kontrolle des Blutdrucks und des Blutzuckers.
Während der Kortisontherapie sollte unbedingt ein Magenschutzmedikament angewendet werden. Sollten Sie bereits früher Beschwerden mit dem Magen gehabt haben, kann der Magenschutz auf für längere Zeit eingenommen werden.

Geprüft Priv. Doz. Dr. Gabriel Bsteh: Stand Dezember 2022 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.