1. Kortison verstehen

Was ist Kortison?

Kortison (Schreibweise in der Fachsprache auch “Cortison”) ist die inaktive Form des menschlichen Hormons Kortisol. Es wird in der Nebennierenrinde produziert und vermehrt in Stresssituationen ausgeschüttet.

Kortison aktiviert den Stoffwechsel und kann auf verschiedene Organe wirken. Beispiele für die Wirkung von Kortison sind:

  • Anheben des Blutzuckers
  • Steigerung des Blutdrucks
  • Hemmung der Immunantwort des Körpers, das Immunsystem wird also geschwächt (Immunsuppression )
  • Einfluss auf Wasser- und Salzhaushalt
  • Einfluss auf Fettabbau und Fettverteilung

Wird aufgrund einer Fehlregulation zu wenig oder zu viel Kortisol ausgeschüttet, kann dies bei den Betroffenen Symptome auslösen.

Wann werde ich mit Kortison behandelt?

Kortison ist ein künstlich hergestelltes Medikament, das dem körpereigenen Hormon „Kortisol“ nachempfunden ist. Es kommt in fast jedem Fachbereich der Medizin zum Einsatz. Es wird vor allem verwendet, um Entzündungen zu behandeln und um das Immunsystem zu hemmen. Das ist besonders wichtig, wenn das Immunsystem den eigenen Körper angreift (Autoimmunerkrankungen). Zudem kommt Kortison bei Organtransplantationen zum Einsatz, um zu vermeiden, dass das Organ abgestoßen wird.

Kortison wird beispielsweise bei diesen Krankheiten angewendet:

  • Atemwegserkrankungen (Asthma, COPD)
  • Rheumatische Erkrankungen
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankung (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa )
  • Krebserkrankungen
  • Allergische Reaktionen
  • Neurologische Erkrankungen
  • Entzündliche Hauterkrankungen
  • Autoimmunerkrankungen
  • Entzündungen der Speiseröhre (Eosinophile Ösophagitis)

Wann darf ich Kortison nicht verwenden?

Kortison hemmt das Immunsystem und wird vor allem dann angewendet, wenn das Immunsystem zu stark aktiviert ist. Ist das Immunsystem hingegen geschwächt, kann Kortison die Beschwerden verschlechtern. In den meisten Fällen sollte bei Vorliegen folgender Krankheiten eine Kortisontherapie vermieden werden:

  • Bakterielle Infekte (Wundrose, Sepsis)
  • Virusinfektionen (Gürtelrose)
  • Grüner Star
  • Geschwüre im Magen-Darm-Trakt

Dennoch gibt es Ausnahmen, bei denen trotz der genannten Erkrankungen eine Therapie mit Kortison eingesetzt werden sollte. Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Sie vor Therapiebeginn untersuchen und abwägen, welche Therapie Vorrang hat, damit Sie schnell wieder gesund werden. Mehr Informationen zur Therapie mit Kortison erhalten Sie in der Lektion “Therapieformen von Kortison“.

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Geprüft Prim. Dr. Hans Peter Gröchenig: Stand November 2023 | Quellen und Bildnachweis

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(Zirkardianer Rhythmus )
Biologisches Phänomen, das in einem Rhythmus von ungefähr 24-Stunden bestimmte körperliche Funktionen beeinflusst.  Ein Beispiel ist der Schlaf-Wach-Zyklus durch die Freisetzung des Schlafhormons.
Antikörper
(Immunoglobuline)
Eiweiße (Proteine), die von Zellen des Immunsystems gebildet werden, um Krankheitserreger wie Bakterien oder Viren zu bekämpfen. Bei manchen Erkrankungen kann es zu einer fehlgeleiteten Bildung von Antikörpern gegen körpereigene Zellen oder Strukturen kommen.
Colitis ulcerosa
Chronisch entzündliche Erkrankung, die Enddarm und Dickdarm betrifft. Sie verursacht Durchfall, Blutungen und Schmerzen.
Eiweiße
Eiweiße, auch bekannt als Proteine, sind Makromoleküle, die aus Ketten von Aminosäuren bestehen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Aufbau und der Funktion von Zellen und Geweben im Körper.
Immunsuppression
Unterdrückung des körpereigenen Immunsystems oder Abschwächung des Immunsystems. Diese Wirkung kann im Rahmen einer Therapie erwünscht oder eine Nebenwirkung sein.
Kortison
Kortison ist ein körpereigenes Hormon. Für therapeutische Zwecke wird es meist in höheren Konzentrationen verwendet und wirkt dann vor allem entzündungshemmend. 
Stoffwechsel
Biochemische Vorgänge, die innerhalb und zwischen den Zellen ablaufen und zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen notwendig sind.