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Nasenpolypen: Moderne Behandlungsmöglichkeiten geben Anlass zur Hoffnung

Viele Menschen kennen das Gefühl einer dauerhaft verstopften Nase. Was zunächst wie eine hartnäckige Erkältung erscheint, kann auf Nasenpolypen hinweisen: eine chronische Erkrankung, die lange unerkannt bleiben kann. Die gute Nachricht: Es gibt Behandlungsmöglichkeiten, um die Beschwerden heute häufig langfristig in den Griff zu bekommen. 

Ap. Prof. Priv.-Doz. DDr. David Liu und Priv.-Doz. DDr. Faris Brkic, Oberärzte an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Medizinischen Universität Wien (AKH Wien), beantworten die wichtigsten Fragen rund um Nasenpolypen und geben Einblicke in aktuelle Behandlungsmöglichkeiten.

Was sind Nasenpolypen?

Nasenpolypen sind gutartige Schleimhautwucherungen, die durch eine chronische Entzündung der Nase und Nasennebenhöhlen entstehen. Wichtig ist, sie nicht mit den sogenannten „Polypen“ bei Kindern zu verwechseln. Diese sind in Wirklichkeit vergrößerte Rachenmandeln (Adenoide) und stellen eine völlig andere Erkrankung dar. Nasenpolypen treten überwiegend bei Erwachsenen auf und sind Ausdruck einer chronischen Entzündung der Nasen- und Nasennebenhöhlenschleimhaut.

Wie beeinflussen Nasenpolypen die Lebensqualität?

Nasenpolypen werden häufig unterschätzt. Die vier klassischen Beschwerden sind:

  • dauerhaft behinderte Nasenatmung,
  • eingeschränkter oder fehlender Geruchssinn,
  • Druckgefühl im Bereich der Nasennebenhöhlen,
  • chronischer Schleimfluss beziehungsweise wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen.

Viele Betroffene schlafen schlechter, fühlen sich tagsüber weniger leistungsfähig und berichten, dass selbst der Genuss von Essen durch den eingeschränkten Geruchssinn deutlich beeinträchtigt ist. Die Lebensqualität kann dadurch erheblich eingeschränkt werden.

Wann sollten Betroffene ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?

Eine verstopfte Nase im Rahmen einer Erkältung ist normal. Bestehen jedoch eine behinderte Nasenatmung oder ein eingeschränkter Geruchssinn länger als vier Wochen, sollte eine HNO-ärztliche Abklärung erfolgen. Besonders wenn zusätzlich Druckgefühl im Gesicht oder wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen auftreten, können Nasenpolypen die Ursache sein. Eine frühzeitige Diagnose ermöglicht eine gezielte Behandlung und verhindert häufig jahrelange Beschwerden.

Schulungsreihe Leben mit Nasenpolypen

Die Diagnose Nasenpolypen erklärt oft Jahre voller Atembeschwerden und Geruchsverlust. Da diese chronische Erkrankung den Alltag stark belastet, ist ein klares Verständnis der Diagnose der erste Schritt zu mehr Lebensqualität. Diese Schulungen geben Ihnen einen Überblick über Therapien wie Nasensprays, Operationen oder moderne Biologika. Zudem erhalten Sie praktische Tipps zur täglichen Pflege, um Symptome zu lindern und Rückfällen aktiv vorzubeugen.

Hier geht es zur Schulungsreihe

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es heute?

Die Behandlung von Nasenpolypen hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Die Basistherapie bilden weiterhin kortisonhaltige Nasensprays und regelmäßige Nasenspülungen. Reicht diese Behandlung nicht aus, kann eine moderne endoskopische Nasennebenhöhlenoperation sinnvoll sein. Die Chirurgie ist heute deutlich schonender als früher. Der Eingriff erfolgt vollständig über die Nase – ohne äußere Schnitte – mithilfe hochauflösender Endoskope, feinster Spezialinstrumente und moderner Shaver-Technologie („powered sinus surgery“). Ziel ist dabei nicht nur die Entfernung der Polypen, sondern vor allem die Wiederherstellung einer normalen Belüftung und Drainage der Nasennebenhöhlen. Dadurch können Medikamente nach der Operation ihre volle Wirkung entfalten und die chronische Entzündung langfristig besser kontrolliert werden.

Auch die Erholung nach dem Eingriff hat sich deutlich verbessert. Schmerzhafte Nasentamponaden sind heute in den meisten Fällen nicht mehr notwendig. Viele Patientinnen und Patienten beschreiben die Beschwerden nach der Operation eher wie eine stärkere Verkühlung als echte Schmerzen und können bereits nach wenigen Tagen wieder ihren Alltag aufnehmen. Eine weitere wichtige Entwicklung sind moderne Biologika. Diese Medikamente greifen gezielt in die chronische Entzündungsreaktion ein und haben die Behandlung schwerer Formen der Erkrankung revolutioniert. Sie stellen eine wertvolle Ergänzung unseres therapeutischen Spektrums dar. Heute geht es nicht mehr um „Operation oder Medikamente“, sondern darum, für jede Patientin und jeden Patienten die individuell beste Kombination aus lokaler Therapie, Chirurgie und – wenn notwendig – Biologika zu finden.

Der langfristige Erfolg beginnt nach der Operation

Viele Patientinnen und Patienten glauben, dass mit der Operation die Behandlung abgeschlossen ist. Tatsächlich beginnt damit erst die langfristige Therapie. Nach einer erfolgreichen Operation sind regelmäßige Nasenspülungen und kortisonhaltige Nasensprays entscheidend. Erst durch die wiederhergestellte Anatomie können diese Medikamente alle Bereiche der Nasennebenhöhlen erreichen und dort ihre entzündungshemmende Wirkung optimal entfalten. Ziel ist nicht nur die Entfernung der Polypen, sondern die dauerhafte Kontrolle der chronischen Entzündung. Mehrere Studien konnten zeigen, dass eine sorgfältig und vor allem vollständig durchgeführte Erstoperation in Kombination mit einer konsequenten lokalen Nachbehandlung hervorragende Langzeitergebnisse ermöglicht. Rund 80 % der Patientinnen und Patienten sind langfristig gut kontrolliert, praktisch beschwerdefrei und benötigen keine weitere Operation. Genau deshalb ist die Nachsorge ein wesentlicher Bestandteil des Behandlungserfolgs.

Welche Missverständnisse gibt es rund um Nasenpolypen?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass Nasenpolypen nach einer Operation zwangsläufig immer wieder nachwachsen. Das stimmt so nicht. Entscheidend sind eine vollständige Operation, eine individuell angepasste Therapie und eine konsequente Nachbehandlung.
Ebenso hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass eine Nasennebenhöhlenoperation besonders schmerzhaft sei. Dank moderner endoskopischer Operationstechniken trifft dies heute in den meisten Fällen nicht mehr zu. Die Beschwerden nach dem Eingriff sind meist deutlich geringer als erwartet, und viele Patientinnen und Patienten sind überrascht, wie rasch sie sich wieder erholen.
Die Behandlungsmöglichkeiten bei Nasenpolypen waren noch nie so gut wie heute. Moderne Chirurgie, innovative Biologika und eine konsequente Nachbehandlung ermöglichen den meisten Betroffenen eine langfristige Kontrolle der Erkrankung und damit eine deutlich bessere Lebensqualität.

Über die Autoren

Ap. Prof. Priv.-Doz. DDr. David Liu ist Oberarzt an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie der Medizinischen Universität Wien/AKH Wien. Sein klinischer Schwerpunkt liegt auf der modernen endoskopischen Nasen- und Nasennebenhöhlenchirurgie, der Behandlung chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen sowie der endoskopischen Schädelbasischirurgie. Nach einer international akkreditierten klinisch-chirurgischen Spezialausbildung (Fellowship) an der Stanford University (USA) behandelt er Patientinnen und Patienten im AKH Wien sowie in seiner Wahlarztordination in Wien.

Dr. David Liu Ordination

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Priv.-Doz. DDr. Faris Brkic ist Oberarzt an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie (Medizinische Universität Wien/AKH Wien). Sein klinischer Schwerpunkt liegt auf der modernen endoskopischen Nasen- und Nasennebenhöhlenchirurgie, der Behandlung chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen sowie der funktionellen und ästhetischen Rhinoplastik. Nach einer international akkreditierten klinisch-chirurgischen Spezialausbildung (Fellowship) am Manchester Royal Infirmary (Großbritannien) behandelt er Patientinnen und Patienten im AKH Wien sowie in seiner Wahlarztordination in Wien.

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