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Pneumokokken – eine unterschätzte Gefahr

Pneumokokken sind Bakterien, die häufig im Nasen-Rachen-Raum von Menschen vorkommen. Oft verursachen sie zunächst keine Beschwerden und bleiben unbemerkt. Gleichzeitig können sie zu ernsthaften Erkrankungen führen.

Pneumokokken werden von Mensch zu Mensch übertragen, etwa beim Husten, Niesen oder durch engen Kontakt beim Sprechen. Bei gesunden Personen befinden sie sich häufig im Nasen-Rachen-Raum, ohne Symptome auszulösen. Wird das Immunsystem jedoch geschwächt, zum Beispiel durch eine Erkältung oder eine Influenza können sich die Bakterien im Körper ausbreiten. In solchen Fällen gelangen sie in tiefere Bereiche und können verschiedene Erkrankungen verursachen, darunter Lungenentzündung, Meningitis (Gehirnhautentzündung), eine Sepsis oder Infektionen innerer Organe.

Warum Pneumokokken oft unterschätzt werden

Dass Pneumokokken häufig unterschätzt werden, hat verschiedene Ursachen. Zum einen wird die tatsächliche Zahl der Erkrankungen häufig unterschätzt, da Infektionen nicht immer eindeutig nachgewiesen werden. Gründe dafür sind eine unvollständige Erfassung von Fällen, selten durchgeführte Labortests außerhalb von Krankenhäusern sowie der frühzeitige Einsatz von Antibiotika ohne genaue Bestimmung des Erregers. Ebenso kursieren einige Mythen über Pneumokokken.

Mythos 1: Pneumokokken sind selten

Fakt: Pneumokokken gehören zu den häufigsten bakteriellen Krankheitserregern weltweit. Infektionen der unteren Atemwege, darunter die Pneumonie, zählen global zu den häufigsten Erkrankungen. Dennoch werden viele dieser Infektionen nicht eindeutig als Pneumokokken-Erkrankungen erkannt, wodurch ihre tatsächliche Verbreitung unterschätzt wird.

In Österreich erkranken jährlich etwa 30.000 Menschen an einer Pneumokokken-Infektion.

Mythos 2: Pneumokokken-Infektionen sind leicht zu erkennen

Fakt: Pneumokokken-Infektionen können sich sehr unterschiedlich äußern und sind nicht immer leicht zu erkennen. Pneumokokken können eine Vielzahl von Erkrankungen verursachen, darunter Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen oder schwere Infektionen. Während bei gesunden Erwachsenen häufig grippeähnliche Symptome auftreten, können bei Kleinkindern hohes Fieber, Erbrechen, Ohrenschmerzen, Husten oder Atemnot erste Anzeichen einer Erkrankung sein.

Besonders bei älteren Menschen sowie bei Personen mit geschwächtem Immunsystem verlaufen Pneumokokken-Infektionen häufig untypisch. Eine Lungenentzündung zeigt sich nicht immer durch klassische Symptome wie hohes Fieber, Husten oder Schüttelfrost. Stattdessen treten oft unspezifische Beschwerden wie Verwirrtheit, ausgeprägte Schwäche, Müdigkeit, Appetitlosigkeit oder Atemnot auf. Diese Symptome lassen sich nicht immer eindeutig einer Infektion zuordnen, wodurch die Erkrankung häufig erst spät erkannt wird. Dies kann den Beginn einer notwendigen Behandlung verzögern und das Risiko für schwere Krankheitsverläufe erhöhen.

Kinder mit Grunderkrankungen (z. B. Herzfehlern, einer Immunschwäche oder nach einer Frühgeburt), ältere Menschen und immungeschwächte Personen haben zudem ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe. Daher ist es wichtig, auch unspezifische Beschwerden ernst zu nehmen und bei Verdacht frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Mythos 3: Pneumokokken verursachen nur harmlose Infekte

Fakt: Pneumokokken können sich im Nasen-Rachen-Raum ansiedeln, ohne zunächst Beschwerden auszulösen. Unter bestimmten Bedingungen können sie sich jedoch im Körper ausbreiten und ernsthafte Erkrankungen hervorrufen. Dazu zählen neben Mittelohrentzündungen auch schwere Verläufe wie Sepsis oder Meningitis, die lebensbedrohlich sein können.

Flashcards: Pneumokokken Impfung

Auch rund um die Pneumokokken-Impfung kursieren viele Mythen. Erfahren Sie kurz und verständlich, was wirklich stimmt und wie Sie sich und andere zuverlässig schützen können.

Hier geht es zu den Flashcards

Mythos 4: Nach Pneumokokken-infektion: alles wieder wie vorher?

Fakt: Die Folgen einer Pneumokokken-Infektion beschränken sich nicht immer auf die Zeit der akuten Erkrankung. Auch nachdem die Infektion überstanden ist und die unmittelbaren Beschwerden abgeklungen sind, können gesundheitliche Folgen bestehen bleiben. Schwere Verläufe können Organe dauerhaft schädigen. Zudem können bestehende Erkrankungen wie COPD oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschlechtert werden. Auch nach überstandener Infektion bleiben gesundheitliche Einschränkungen häufig bestehen.

Mythos 5: Nur sehr alte Menschen sind betroffen

Fakt: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter, betrifft aber auch andere Gruppen. Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Lungenerkrankungen haben ein deutlich erhöhtes Risiko, an einer Pneumokokken-Infektion zu erkranken. Auch bei jüngeren Betroffenen mit Vorerkrankungen treten Infektionen häufiger und oft schwerer auf.

Impfungen im Alter

Viele Menschen glauben, Impfungen seien nur für Kinder wichtig – dabei gewinnen sie im höheren Lebensalter nochmals an Bedeutung. Mit dem richtigen Impfschutz können Sie Ihre Gesundheit erhalten, schwere Verläufe vermeiden und Ihre Lebensqualität steigern.

In dieser Schulung erfahren Sie, welche Impfungen für Menschen ab 65 Jahren laut Schweizer Impfplan empfohlen werden, wie sie wirken, wo Sie sich impfen lassen können und wie Sie den Überblick über Ihre Impfungen behalten. Hinweis: Die Empfehlungen in diesem Kurs richten sich nach dem offiziellen Schweizer Impfplan (Stand März 2025).

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Mythos 6: Die Verbreitung von Pneumokokken ist gut dokumentiert

Fakt: Nicht jede Pneumokokken-Infektion wird eindeutig diagnostiziert oder als solche dokumentiert. Gründe dafür sind unter anderem eine unvollständige Erfassung von Fällen, selten durchgeführte Labordiagnostik außerhalb von Krankenhäusern sowie der häufige Einsatz von Antibiotika, bevor der Erreger genau bestimmt werden kann. Daher beruhen viele Angaben zur Häufigkeit von Pneumokokken-Erkrankungen auf Schätzungen. Das tatsächliche Ausmaß der Erkrankungen wird wahrscheinlich unterschätzt.

Quellen

  1. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Pneumokokken. Verfügbar unter: https://impfen.gv.at/impfungen/pneumokokken
  2. MeinMed. Pneumokokken: Symptome, Verlauf und Behandlung. Verfügbar unter: https://www.meinmed.at/krankheit/pneumokokken/2114
  3. Fätkenheuer, G., Kwetkat, A., Pletz, M. W., Schelling, J., Schulz, R.-J., van der Linden, M. & Welte, T. (2014). Pneumokokkeninfektionen im höheren Lebensalter. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 47, 302–309. https://doi.org/10.1007/s00391-014-0650-9
  4. Deutsche Herzstiftung. Pneumokokken-Infekt: Ursachen, Risiken und Folgen. Verfügbar unter: https://herzmedizin.de/fuer-patienten-und-interessierte/vorsorge/risikofaktoren/pneumokokken-infekt-herz
  5. Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH). Pneumokokken: Daten und Fakten. Verfügbar unter: https://web.oevih.at/pneumokokken-daten-und-fakten/
  6. Österreichische Lungenunion. Zum Wissen der Österreicher:innen über Pneumokokken. Verfügbar unter: https://www.lungenunion.at/zum-wissen-der-oesterreicherinnen-ueber-die-pneumokokken/
  7. APA-OTS. (27. September 2017). Pneumokokken unterschätzt, aber gefährlich. Verfügbar unter: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20170927_OTS0097/pneumokokken-unterschaetzt-aber-gefaehrlich
  8. Symposium „Unterschätzte Erreger: Pneumokokken – weltweit häufigste Erreger impfpräventabler Infektionen“ (April 2014). Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), Wiesbaden.

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