Transkript

Begrüßung

Guten Tag, herzlichen Dank für Ihr Interesse. Mein Name ist Dr. Susanne Rabady. Ich bin seit beinahe 30 Jahren hausärztlich tätig, und ich möchte Ihnen heute gerne ein bisschen was erzählen über diese Erkrankung an Covid-19 aus hausärztlicher Sicht.

Übertragung und Schutz vor Ansteckung

Was Sie wahrscheinlich am meisten bewegen wird und interessieren wird, das ist, wie Sie sich schützen können vor einer Infektion.

Dazu vielleicht ein paar Worte zur Übertragung der Krankheit:

  • Die Covid-Erkrankung wird von einem Virus hervorgerufen. Und dieses Virus ist ein relativ tückisches, weil es an sehr vielen verschiedenen Stellen im Körper sehr unterschiedliche Symptome auslösen kann, weil es bei verschiedenen Menschen sehr, sehr unterschiedlich sich äußert und zeigt und weil es sehr, sehr harmlos sein kann und bis zu lebensgefährlich. Ohne dass man vorher genau sagen kann, bei welchem Menschen sich es wie auswirken wird.
  • Übertragen wir es, und das ist ein Vorteil, praktisch ausschließlich über die Atemluft, d.h. das Virus kommt einerseits mit den Tröpfchen, die wir notgedrungen ausatmen, mit der feuchten Aussprache, aber auch mit dem Atemnebel. Über Oberflächen und Gegenstände kann sich dieses Virus nur dann übertragen, wenn da wirklich Tröpfchen drauf sind, also wenn mehr auf der Oberfläche ist und wenn es ganz frisch ist. Also das heißt: Wenn Sie auf eine benetzte Oberfläche greifen, also auf eine mit Atemluft benetzte Oberfläche greifen und dann direkten Kontakt mit Ihrem Mund oder Ihrer Nasenschleimhaut haben, dann ist theoretisch eine Übertragung denkbar. Über Körperflüssigkeiten wie Blut oder Harn oder Stuhl infiziert sich praktisch niemand wirklich.
  • Das heißt: Es ist eigentlich gar nicht so schwierig, sich zu schützen. Sie dürfen nur nichts einatmen, was jemand anderer ausgeatmet hat. Sie können so ein bisschen ein Bild gewinnen: Der Baby-Elefant, ganz ehrlich, der ist zu klein. Das wissen wir inzwischen. Reicht nicht wirklich. Stellen Sie sich einfach vor, es ist kalt und jemand atmet vor Ihnen aus. Dann sehen Sie diese Nebelwolke vor sich. Und Sie können auch gut nachvollziehen, wenn der Mensch nicht nur atmet, sondern spricht oder gar schreit oder laut lacht oder singt, dann wird diese Wolke immer größer und größer und verteilt sich immer feiner und feiner. Am sichersten ist es, wenn Sie nicht einmal in den Randzonen dieser Wolke sich aufhalten.
  • Schutz bietet dann natürlich außer diesem Abstand auch noch Barrieren, sprich Masken oder Plexiglaswände. Bei den Masken ist halt wichtig, weil Sie können sich vorstellen: Der Nebel geht ja nicht gerade aus, der geht in alle Richtungen. Das heißt, die Masken müssen dicht sein. Die müssen zu sein. Und die müssen auch die Nase bedecken, weil auch dort kommt der Nebel heraus. Was Ihnen zusätzlich hilft, ist Lüften. Je mehr Luft, je mehr sich der Nebel verteilt hat, desto weniger Viren befinden sich in Ihrem Einzugsgebiet. Die Handhygiene ist eine Selbstverständlichkeit, das, glaaube ich, wissen wir eh alle.
  • Ein Trost oder ein positiver Effekt ist auf jeden Fall alles, was Sie vor Covid schützt, schützt Sie auch vor anderen Infektionen.

Ansteckung

Wie steckt man sich an, oder wer steckt an?

Das Kreuz ist, dass Menschen zwei bis drei Tage, bevor sie das erste Symptom spüren, ansteckend sind. Das ist natürlich gefährlich, weil diese Menschen eben nix spüren, sich überall bewegen und nicht wissen, dass sie für ihre Umgebung eine Gefahr sind. Davon müssen wir ausgehen. Im Moment hat einer von 100 Menschen, die in Österreich leben, diese Infektion in sich. Das heißt, die Chance, dass Sie auf jemanden treffen, der sie hatte, ist schon ziemlich groß.

Wir schützen uns immer und zu jederzeit.

Mein Rat ist Verlassen Sie Ihr Haus nicht ohne Maske und lassen Sie sie auf, bis Sie wieder daheim sind.

Es geht auch nicht, dass Sie im Gespräch mit vertrauten Menschen die Maske abnehmen, so das nicht Leute sind, mit denen Sie im Haushalt leben. Da ist es nicht durchhaltbar. Sind wir jetzt doch bitte eine Zeit lang wirklich vorsichtig, dann ist es früher vorbei.

Ich höre immer wieder: „Ach, ich brauch das nicht. Ich habe eh nix. Vor mir brauchst dich nicht fürchten.“ Es ergibt sich aus dem vorher Gesagten: Das ist, Entschuldigung, ein Blödsinn. Wir wissen es erst, wenn wir es spüren.

Es gibt deswegen auch keine Maskenbefreiung. Ich kann nicht jemanden befreien von der Verpflichtung, seine Mitmenschen zu schützen. Das geht nicht. Wenn man die Maske nicht tragen kann, nicht aushält, dann muss man dafür sorgen, dass man so weit von allen Menschen weg ist, dass sie mit der eigenen Ausatmungsluft einfach nicht in Kontakt kommen. Niemand von uns will Schuld haben daran, dass es jemand anderem schlecht geht.

Verhinderung schwerer Verläufe

  • Die beste Schutzwirkung hat natürlich diese bekannte FFP-2-Maske, das sind diese großen, meistens weißen, manchmal grünen. Die gibt’s in der Apotheke. Die sind schon deswegen gut, weil die kann man wirklich nicht unter die Nase rutschen lassen. Die bleiben schön da oben sitzen, und die schließen an den Rändern auch einigermaßen dicht. Immer, wenn Sie an der Maske anschieben müssen, damit die bleibt, wo sie hingehört, haben Sie die falsche Maske auf. Besorgen Sie sich bitte eine, wo Sie nicht anschieben brauchen.
  • Wie verhindern wir ansonsten noch, dass wir schwer erkranken? Außer dass wir darauf schauen, dass man die Krankheit überhaupt nicht kriegen. Chronisch Kranke mögen bitte darauf achten, dass ihre chronische Krankheit oder ihre chronischen Krankheiten supergut eingestellt sind. Sie müssen besonders gut aufpassen und nicht schlechter als sonst. Es muss der Blutdruck, der Blutzucker exzellent eingestellt sein. Sie müssen Ihre Medikamente besonders sorgfältig und regelmäßig einnehmen.
  • Und wenn Sie das Gefühl haben, es läuft nicht rund, dann kontaktieren Sie bitte niedrigschwellig Ihren behandelnden Arzt. Also gleich, wenn Sie spüren, nicht erst, wenn Sie das Gefühl haben: „Oh je, jetzt geht’s bergab.“ Halten Sie Ihre Vorsorgeuntersuchungen ein. Halten Sie Ihre Kontrolluntersuchungen ein. Das ist unheimlich wichtig, dass wir Verschlechterungen rasch erkennen, damit kein Krankenhausaufenthalt notwendig wird, den man im Vorfeld verhindern kann. Wenn Sie ein Spital brauchen, dann wird es auch möglich sein. Hoffentlich auch noch lange. Noch viel besser ist, wir vermeiden alles, was zu vermeiden geht.
  • Insgesamt ist es natürlich so: Je weniger Menschen insgesamt das Virus in sich tragen, je weniger Menschen infiziert sind, desto geringer ist die Chance, dass sich auch gefährdete Risikopersonen anstecken.

Symptome bei Covid

Sie werden wissen wollen: Wie merke ich, dass ich Covid habe? Was sind denn die Symptome?

  • Da wird’s richtig schwierig, weil diese Krankheit hat einfach jede Menge Symptome, wie sie sich äußern kann. Und viele davon sind zumindest am Anfang sehr leicht. Oft ist es auch nur eins oder zwei, man spürt gar nicht viel.
  • Am häufigsten, das haben wir gesehen, sind am Anfang Gliederschmerzen, Rückenschmerzen, Schwächegefühl, Krankheitsgefühl. Nicht wenige Leute haben zuerst einmal einfach Kopfweh. Die Geruchs- und Geschmacksstörung ist sehr typisch, aber nicht sehr häufig, zumindest nicht am ersten, zweiten Tag. Kommt oft erst im Verlauf, und oft kommt sie gar nicht. Nicht selten sind Halsschmerzen. Es ist oft nur ein Halskratzen. Husten, Fieber, das ist bekannt. Auch Bauchschmerzen, auch Durchfall. All das können Symptome sein. Es gibt sogar noch weitere seltenere. Mein Rat ist: Wenn Sie Dinge an sich spüren, von denen Sie nicht wissen, was es ist, dann kontaktieren Sie Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt, besprechen Sie es und dann beschließen Sie beide miteinander, was zu tun ist.
  • Ein Ausschluss der Covid-Erkrankung ist nur durch zwei Dinge möglich: Einerseits durch den Test natürlich, andererseits aber, wenn man einen anderen Grund für Ihre Beschwerden findet, wo man sich sicher ist, dass das die Ursache ist.
  • Das heißt aber: Bei all diesen Beschwerden brauchen Sie eine Untersuchung. Und dann eben entsprechend bei Notwendigkeit eine Testung auf Covid.
  • „Ein paar Tage zu Hause bleiben“ ist in diesem Fall leider keine Lösung. Das ist es in normalen Zeiten ja, jetzt Nein. Warum nicht? Wenn Sie Symptome spüren, waren Sie bereits zwei bis drei Tage ansteckend. Sie haben wahrscheinlich andere Menschen infiziert oder auch möglicherweise. Und diese anderen Menschen, die Sie infiziert haben, die sind jetzt infektiös und gefährden andere. Das darf man niemandem zumuten. Man darf niemandem zumuten, die Ursache für die Krankheit von einem anderen Menschen zu werden. Deshalb bitte sagen Sie uns vorbehaltlos Ihre Kontaktpersonen. Das ist manchmal unangenehm. Aber es ist einfach wirklich, wirklich wichtig.

Covid erkannt – Verhalten im Krankheitsfall

Da sind wir schon bei dem Thema: Was tun Sie, was tun wir im Krankheitsfall?

Das erste Ziel ist einmal: Die Infektion bitte nicht verbreiten, niemanden in Gefahr bringen.

  • Sie brauchen die Absonderung sofort, wenn Sie es wissen oder auch nur ahnen.
  • Sie müssen die Kontaktpersonen angeben.
  • Und Sie müssen sich zuhause klug verhalten. Also so, dass Sie zuhause Ihre Lieben möglichst auch nicht anstecken. Das heißt sehr wohl mit Maske, sehr wohl mit Abstand. Es gelten genau die gleichen Regeln. Natürlich müssen Sie sich nicht ganz unsichtbar machen. Man braucht ja ein bissel Kraft, wenn man krank ist, den menschlichen Kontakt.

Das zweite Ziel ist: Behandeln und gesund werden. Was tun wir denn da? Also eine eigentlich eine richtige Behandlung der Erkrankung gibt’s nicht. Nicht der eigentlichen Virusinfektion. Behandeln kann man dann, wenn es Komplikationen gibt, diese Komplikationen natürlich. Aber das Virus selbst kann man so wenig behandeln wie das Grippevirus oder sonst irgendein Schnupfenvirus. Die aller-, aller-, allermeisten werden auch wieder gesund. Man kann die Beschwerden behandeln und lindern, aber die eigentliche Krankheit, mit der muss der Körper einfach fertig werden.

  • Wichtig ist, dass Sie sich eine gute Betreuung organisieren oder organisieren lassen. Sie brauchen die entsprechende Versorgung mit Lebensmitteln. Sie brauchen die Pflege, die notwendige etc.
  • Alles das besprechen Sie am gescheitesten mit Ihrem Hausarzt, Ihrer Hausärztin, die Sie auch im Zweifel ein bissel beobachten und überwachen zusätzlich zu der Selbstbeobachtung. Vor allen Dingen dann, wenn Sie Risikofaktoren haben.

Wie wird Covid diagnostiziert?

Wie stellen wir die Diagnose?

Naja, am gescheitesten tut das der Arzt, wie aus dem Vorhergesagten eh schon hervorgeht.

Und wie tut er das? Indem er sie befragt, die sogenannte Anamnese macht, indem er die Untersuchung macht und indem er den Test macht.

Testen können dürfen inzwischen wir Hausärzte. Das geht schnell. In zehn Minuten, Viertelstunde wissen Sie Bescheid. Sollte der Hausarzt nicht testen, wird er Sie informieren, wie Sie zu einem Test kommen, üblicherweise über 1450.

Angenommen, es stellt sich heraus, Sie haben also kein Covid, puh, Gott sei Dank. Und was machen wir dann? Ja, dann machen wir das, was wir immer tun: Wenn die Symptome schwerer sind, werden wir sie behandeln. Wir werden versuchen herauszufinden, wo sie herkommen. Wenn die Symptome leicht sind, dann wird man halt warten, bis Sie wieder gesund sind, so wie es immer war. Aber erst dann.

Risiko und schwerer Verlauf

Zu Risiken schwerem Verlauf:

  • Personen über 75 Jahre haben ein erhöhtes Risiko. Das heißt aber auch nicht, dass deswegen alle diese Menschen schwer erkranken.
  • Auch jüngere Personen können ein erhöhtes Risiko haben. Vor allen Dingen dann, wenn sie Risikofaktoren haben.
  • Zuckerkranke, Blutdruck-Patienten, Menschen mit Herz-Nieren-Erkrankungen, mit starkem Übergewicht und viele, viele mehr sind davon betroffen. Auch hier gilt: Nicht alle von denen, längst nicht alle haben deswegen schwere Verläufe, aber sie erhöhen Ihre Chance auf einen milden Verlauf, wenn Sie Ihre Grundkrankheit gut im Griff haben.

Diese Menschen sollten im Krankheitsfall auf jeden Fall gut monitiert werden, also gut beobachtet werden.

Wichtig ist, dass sie wissen junge Menschen, jüngere Menschen sind nicht gefeit. Zumindest ab 30 gibt’s sehr wohl auch unter den Jüngeren und auch ohne besondere Risikofaktoren echt ganz üble Verläufe. Abgesehen davon, dass die sogenannten milden Verläufe sehr oft sehr, sehr unangenehm sein können, also mit ordentlichen Beschwerden einhergehen.

Langzeitfolgen

Es gibt auch einen Teil der Patienten, das sind gar nicht so wenige, die anhaltende Beschwerden haben, nämlich länger als 14 Tage.

Alle möglichen Symptome sind da beschrieben. Und die können wirklich über Monate anhalten.

Am häufigsten sehen wir

  • stark verminderte Leistungsfähigkeit,
  • Kurzatmigkeit bis zur Atemnot.
  • Es gibt Herzbeschwerden.
  • Und, was zwar kann keine Tragik ist, aber was sehr, sehr unangenehm ist: anhaltende Geschmacks- und Geruchstörungen. Das kann gehen bis zu sehr üblem Geschmack. Es schmeckt alles grauslich. Am besten ist noch die Variante „Man schmeckt gar nix.“

Aber in jedem Fall sind das Störungen, gegen die man eigentlich nicht wahnsinnig viel tun kann, außer abwarten.

Natürlich ist es so, dass wenn Sie anhaltende Beschwerden haben, gehört das geklärt. Das gehört untersucht. Gerade wenn es sich dabei um Kurzatmigkeit, verminderte Leistungsfähigkeit, irgendwelchen Herzwahrnehmungen et cetera handelt, dann gehören Sie unbedingt in Abklärung.

Diese Langzeitfolgen sind wahrscheinlich unabhängig davon, wie alt Sie sind und ob Sie Risikofaktoren haben.

Und die kommen auch nach leichten Verläufen vor. Nach dem Aufenthalt auf der Intensivstation brauchen sowieso die meisten Leute schon geraume Weile, bis sie sich wirklich fangen. Viele brauchen auch Rehabilitationsaufenthalte. Aber wie gesagt, größere Unannehmlichkeiten über längere Zeiträume kommen auch in vielen anderen Fällen durchaus vor.

Gesundheitsproblem anderer Art – wie gefährlich ist der Arztbesuch?

Ja, Gesundheitsprobleme anderer Art: Natürlich ist Covid zusätzlich zu allen anderen Krankheiten auf der Welt. Alle anderen Gesundheitsprobleme gibt es weiter. Alle anderen Gesundheitsprobleme sind genauso wichtig, wie sie vorher waren.

  • Die Arztordinationen sind inzwischen gut vorbereitet. Wir haben jede Menge gelernt. Wir haben Regeln erstellt, Konzepte erstellt, Leitlinien erstellt.
  • Eine davon ist, dass Ordinationen möglichst nur nach Voranmeldung erfolgen sollten, d.h.: Bitte melden Sie sich vorher. Laufen Sie nicht einfach in die Wartezimmer hinein.
  • Manche Ordinationen halten das auch so, dass Patientinnen noch vor dem Aufenthalt im Warteraum einfach getestet werden. Jede Praxis, Praxisgemeinschaft hat ihre eigenen Regeln. Sie können das über einen Anruf ganz leicht feststellen.
  • Im Warteraum müssen wir dafür sorgen, dass Platz ist zwischen den Patienten und dass die Wartezeiten kurz sind.
  • Sie brauchen eine dicht schließende, sehr gute, picobello saubere Maske auf jeden Fall.
  • Und wir lüften auch sehr häufig.

Wichtig ist: Halten Sie Ihre Termine exakt ein. Kommen Sie nicht zu früh. Wir Müssen Sie wieder rausschicken. Und zu spät kommen geht gar nicht.

Chronische Krankheit in Zeiten von Corona

Wenn Sie chronische Krankheiten haben, noch einmal möchte ich das wirklich Ihnen einschärfen: Machen Sie Ihre üblichen regelmäßigen Untersuchungen. Fürchten Sie sich nicht vor dem Kontakt mit dem Gesundheitssystem. Kommen Sie rechtzeitig und nicht zu spät.

Wir möchten versuchen, Ihnen viele verschiedene Wege, viele verschiedene Ärzte zu ersparen. Das heißt, der Kontakt primär über den Hausarzt, die Hausärztin ist sicher sinnvoll.

Und wir können auch einen Teil der Fragestellung in Telemedizin erledigen. Sowohl die Hausärzte als auch die Fachärzte, die Spezialisten. Alles geht nicht. Aber einen Teil kann man auf die Art wahrnehmen.

Dann, glaube ich, kommen wir halbwegs mit Anstand über diese schweren Zeiten, mit vereinten Kräften.

Ihre Fragen

Jetzt möchte ich gerne noch Ihre Fragen beantworten.

Frage 1: Wann Hausarzt, wann Krankenhaus?

Die erste Frage lautet hier: Wann sollte ich zu meinem Hausarzt gehen und wann in ein Krankenhaus? Gibt es da besondere Richtlinien?

Ja, die gibt’s. Das Gescheiteste ist: Sie melden sich sowieso zuerst bei Ihrem Hausarzt, bei Ihrer Hausärztin, damit Sie, selbst wenn Sie in ein Krankenhaus müssten, an die richtige Stelle kommen und nicht herumirren.

Außerdem kann man sehr oft ohne Krankenhaus weiterhelfen und das Problem heraußen lösen.

Das Spital ist was für Notfälle oder eben nach vorheriger Abklärung, wann, wo und wie.

Frage 2: Diagnosestellung beim Hausarzt

Nächste Frage: Wie läuft die Diagnosestellung von Corona beim Hausarzt ab? Gibt’s verschiedene Methoden, die sich auch in der Zuverlässigkeit unterscheiden?

Ja, die gibt’s.

  • Es gibt diesen sogenannten PCR-Test. Diese Möglichkeit gab’s von Anfang an,
  • und es gibt den sogenannten Antigen-Schnelltest.

Beide gehen mit der gleichen Methode: Sie kriegen dieses berühmte Wattenstaberl in den Hals, in den Rachen bzw. über die Nase in den Rachen geschoben. Das ist ein bisschen unangenehm, dauert aber nicht lang und vergeht wieder.

Die Zuverlässigkeit ist ein bisschen unterschiedlich.

Wenn der Test positiv ist, ist er in jedem Fall sehr zuverlässig bei Menschen, die Symptome haben. Und wenn er negativ ist, ist der Antigen-Test bei den Menschen, die Symptome haben, die stärker ansteckend sind oder deutlich ansteckend sind, ziemlich zuverlässig. Da ist die PCR etwas zuverlässiger. Das heißt, wenn uns das nicht sehr glaubwürdig erscheint, dass der Antigen-Test negativ ist, dann machen wir noch eine PCR hintennach.

Frage 3: Was muss ich als Covid-Infizierter beachten?

Weitere Frage: Was muss ich als Covid-Infizierter beachten? Wie würde eine häusliche Isolation ablaufen? Müsste ich zu Hause die ganze Zeit alleine in einem Zimmer sein, oder darf sich meine Familie mit Maske in meiner Nähe aufhalten? Außerdem würde ich gerne wissen, ob ich trotz Corona-Infektion meine Hausärztin aufsuchen darf, falls ich sehr stark Symptome habe.

Vielleicht den letzten Teil der Frage als allererstes: Ja und nein. Aufsuchen dürfen Sie sie nicht. Sie sind ja abgesondert. Sie müssen zu Hause bleiben. Kontakt aufnehmen dürfen Sie nicht, Sie sollen sogar. Unbedingt, wenn Sie starke Symptome haben, wenn sie sich verschlechtern, rufen Sie bitte unverzüglich Ihre Hausärztin an! Die Hausärztin kann Sie sehr oft einfach auch telefonisch beraten. Sie kann aber auch zu Ihnen kommen, wenn das notwendig ist und schauen, wie und ob es zu Hause weitergeht.

Sie müssen auch nicht die ganze Zeit alleine sein, aber Sie müssen den Abstand halten. Und wir raten dringend, dass alle Beteiligten gute, am besten FFP-2-Masken tragen. Sie sollten möglichst nicht zu allen Familienmitgliedern, sondern nur zu einer Person Kontakt halten oder halt aus der Entfernung mit wirklich viel Luft dazwischen. Viel lüften. Also all diese Regeln gelten natürlich für Sie dann ganz besonders. Denken Sie noch an den Atemnebel. Keiner soll diesen Nebel einatmen.

Frage 4: Kann ich als Corona-Infizierter selber etwas zu einer schnelleren Genesung beitragen?

Dann haben wir noch Fragen: Kann ich als Corona-Infizierter selber etwas zu einer schnelleren Genesung beitragen? Also nicht nur die typischen Dinge, die man auch bei einem normalen grippalen Infekt befolgt, sondern speziell auf Corona abgestimmte Abläufe.

Wenn Sie einen sogenannten milden Verlauf haben, also einen Verlauf ohne Komplikationen, wie gesagt, sehr mild sind die oft auch nicht, aber einen Verlauf ohne Komplikationen, ohne Atemnot, ohne extreme Schwäche et cetera, da müssen Sie abwarten, bis Sie gesund werden. Man kann die Beschwerden lindern, eben wie auch bei der Influenza. Aber im Großen und Ganzen gegen das Virus hilft Ihnen Ihr Körper, aber keine Medizin.

Worauf Sie achten müssen, das sind Ihre Symptome. Schreiben Sie sie auf. Es gibt diese Blätter, wo man das eintragen kann. Passen Sie auf, wenn Sie zuckerkrank sind, messen Sie Ihren Zucker et cetera. Passen Sie auf all diese Dinge gut auf.

Und, das können Sie auf jeden Fall beitragen, das ist ganz wichtig und ganz wesentlich, sind die Tage, also die Erkrankungstage 5 bis 10, der fünfte bis zehnte Erkrankungstag, da kommt es oft zu Verschlechterungen. Seien Sie da aufmerksam und greifen Sie zum Telefon, wenn Sie das Gefühl: „Oh jeh, das geht jetzt bergab.“

Sehen Sie zu, dass Sie ausreichend essen und trinken, gerade wenn Sie Geschmacksstörungen haben. Das ist teuflisch. Da schmeckt einem das nicht. Es schmeckt einem nicht, und man will dann nicht essen oder es schmeckt fade. Sie müssen essen. Ihr Körper braucht die Nahrung. Ihr Körper braucht gesunde Nahrung. Das schadet auf keinen Fall. Das schadet auch sowieso als Vorbeugung nicht. Leben Sie so gesund, wie es irgendwie möglich ist. Und trinken Sie ausreichend. Da müssen Sie sich wirklich hinstellen, und Sie müssen sich da disziplinieren.

Frage 5: Regelungen für den Besuch bei der Hausärztin

Weitere Frage: Gibt es Regelungen, die ich beim Besuch meiner Hausärztin einhalten muss? Was kann ich tun, um mich selber und meine Hausärztin vor einer möglichen Infektion zu schützen?

Diese Regelungen gibt es.

  • Erstens: Tragen Sie eine gute, saubere, dicht schließende Maske durchgängig.
  • Nehmen Sie sie nur dann ab, wenn Ihre Hausärztin Sie dazu auffordert.
  • Halten Sie die Termine ganz genau ein. Kommen Sie nicht zu früh, kommen Sie nicht zu spät.
  • Nehmen Sie nach Möglichkeit keine Begleitpersonen mit, wenn Sie die nicht unbedingt brauchen.
  • Wenn Sie sie brauchen, dann sagen Sie schon am Telefon bitte dazu: „Ich muss mit jemandem kommen, weil ich tue mich schwer mit dem Gehen oder tue mich schwer, mich zu verständigen“ oder was auch immer.

Ja, das glaube ich, sind wirklich ganz, ganz gute Grundregeln und eigentlich ja nicht wahnsinnig kompliziert.

Frage 6: telefonische Betreuung

Letzte Frage haben wir dann noch: Gibt es auch die Möglichkeit einer telefonischen Betreuung? Ich möchte zurzeit ungern in eine Praxis, weil ich mein Risiko für eine Corona-Infektion nicht erhöhen möchte.

Bitte haben Sie keine Scheu vor dem Kontakt zum Gesundheitssystem. Wir möchten Sie rechtzeitig sehen, bevor Sie ein zu großes Problem haben, dass es im niedergelassenen Bereich nicht mehr lösbar ist. Die Praxen sind sicher. Wenn Sie Zweifel haben, erkundigen Sie sich vorher nochmal am Telefon. Man kann Ihnen dann immer, wenn Sie sich Sorgen machen, besondere Bedingungen schaffen — das Sie ganz am Anfang kommen, ganz zum Schluss, oder beim Hintereingang oder sonst irgendwie. Jede Praxis hat da ihre eigenen Tricks und Möglichkeiten.

Die telefonische Betreuung, die gibt es, ja. Da geht einiges. Aber es geht halt nicht alles. Am Telefon können wir Sie nicht sehen. Wir sehen Ihre Mimik nicht. Wir sehen nicht Ihre Hautfarbe. Wir sehen nicht Ihre Bewegungen. Und wir können Sie nicht untersuchen. D.h. am Telefon wird man zuerst einmal feststellen, ob Ihr spezielles gesundheitliches Problem telefonisch lösbar ist. Wenn ja, dann tun wir das. Und wenn es eben nicht geht, dann organisieren wir einen Kontakt in einer Form, der Sie nicht gefährdet.

Abschluss

Ich hoffe, ich habe die wesentlichsten Fragen beantwortet, bedanke mich nochmal für Interesse und wünsche Ihnen von Herzen, dass Sie gut durch diese harten Zeiten kommen.

Wir alle gemeinsam werden das schon schaffen. Irgendwann hört die Pandemie auch wieder auf, hat bis jetzt noch jede Epidemie irgendwann wieder geendet. Wann und wie, das hängt von jedem Einzelnen von uns ab.

Auf Wiedersehen.

Hausärztliche Betreuung in Zeiten von Corona

21.11.2020 | 11.15 – 11.45 Uhr

Unterscheiden sich die Symptome einer Grippe und einer Covid-19-Infektion? Bei welchen Symptomen sollte man den Hausarzt / die Hausärztin kontaktieren? Was sollten Menschen mit chronischen Erkrankungen in der derzeitigen Situation tun, wenn sie ärztlichen Rat brauchen? Welche Sicherheitsvorkehrungen werden in Ordinationen getroffen? Diese und andere Fragen beantwortet Frau Dr. Susanne Rabady in ihrem Vortrag.

Vortragende

Univ.-Prof. Dr. Christian Singer

Vizepräsidentin der ÖGAM
Dr. Susanne Rabady

Dr. Susanne Rabady ist Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Sie ist Ärztin für Allgemeinmedizin und seit 28 Jahren Landärztin im oberen Waldviertel. Seit vielen Jahren ist sie außerdem lehrend und publizierend tätig und leitet das Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin an der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems.

Eine Kooperation von und

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