2. Kognitive Beeinträchtigungen bei MS ansprechen

Warum sollte ich meine Ärztin/meinen Arzt auf kognitive Störungen bei MS ansprechen?

Verschlechterungen in der Denk- und Merkfähigkeit werden von vielen Betroffenen als sehr belastend erlebt. Es kann sein, dass diese Auswirkungen der MS von ÄrztInnen nicht aktiv angesprochen werden. Kognitive Störungen fallen bei üblichen ärztlichen Routineterminen oft nicht auf und sind nicht leicht festzustellen. Umso wichtiger ist es, dass Sie diese erlebten Veränderungen genau beobachten und diese von sich aus Ihrer behandelnden Ärztin/Ihrem behandelnden Arzt mitteilen.

  • Je genauer Sie Ihre Beschwerden benennen können, desto besser kann Ihnen Ihr Behandlungsteam dabei helfen, eine Lösung dafür zu finden.
  • Es kann schwer sein, sich diese Veränderungen einzugestehen. Langfristig kann Ihnen ein ehrlicher Umgang mit den Symptomen bei der Verbesserung Ihrer Lebensqualität helfen.

Welche Ärztin/welcher Arzt kann kognitive Störungen bei MS diagnostizieren?

Kognitive Beeinträchtigungen bei MS können mit speziellen Leistungstests erfasst werden. Mit diesen Prüfverfahren werden die genauen Auswirkungen von Veränderungen des zentralen Nervensystems erkennbar gemacht. Die Durchführung und Auswertung dieser Tests fallen in das Gebiet der Neuropsychologie. Eine Diagnose wird somit vorwiegend von NeuropsychologInnen gestellt.

Wie kann ich meiner Ärztin/meinem Arzt verständlich machen, was meine kognitiven Störungen sind?

Wenn Sie sich ausreichend auf diese Arztgespräche vorbereiten, ist es für Sie leichter, nichts zu vergessen. So können alle Ihre Fragen beantwortet werden. Wie Sie sich auf Ihr Arztgespräch vorbereiten können erfahren Sie in der Online-Schulung Gutes Arztgespräch bei Multipler Sklerose.

Um Ihre persönlichen Einschränkungen genau zu erfassen, werden meist kognitive Tests durch eine Psychologin/einen Psychologen durchgeführt. Dabei soll der aktuelle Stand Ihrer Leistung erfasst werden. Daher ist es nicht notwendig sich aktiv darauf vorzubereiten.

Tipps für ein erfolgreiches Arztgespräch

  • Schreiben Sie im Vorfeld eine Liste mit Ihren Beschwerden. Sie können Ihre Probleme einfach und auf Ihre eigene Art und Weise beschreiben.
  • Vielleicht fallen Ihnen bildhafte Beschreibungen ein: „Es fühlt sich an, als hätte ich Nebelschwaden im Kopf.“
  • Sie können Ihrem Behandlungsteam auch mitteilen, welche Tätigkeiten Ihnen schwerfallen: „Ich verlege ständig meinen Schlüssel“ oder „Mir fällt mein Job schwerer als früher, weil ich mich nicht konzentrieren kann.“

Ihre Ärztin/Ihr Arzt wird Ihnen durch gezieltes Nachfragen helfen können, Ihre Symptome noch genauer einzugrenzen.

Was mache ich, wenn ich mich von meiner Ärztin/meinem Arzt nicht verstanden fühle?

Je genauer Sie Ihre Beschwerden erklären, desto besser kann Ihre Ärztin/Ihr Arzt Ihre Behandlung gestalten. Wenn Sie sich von Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin nicht verstanden fühlen, sprechen Sie das direkt an. Dadurch lassen sich Missverständnisse klären, bevor sie die Behandlung negativ beeinflussen.

Im Idealfall haben Sie das Gefühl, gemeinsam als Team gegen die MS vorgehen zu können. Wenn Sie sich bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt nicht wohlfühlen, können Sie über einen Arztwechsel nachdenken.

Wie können kognitive Beeinträchtigungen bei MS diagnostiziert werden?

Die Diagnose von kognitiven Beeinträchtigungen durch MS läuft in mehreren Schritten ab:

  1. Der erste und wichtigste Schritt ist, dass Sie alle wahrgenommenen Verschlechterungen so bald wie möglich Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt mitteilen.
  2. Mittels sogenannter Screening-Tests wird abgeschätzt, wie wahrscheinlich es ist, dass tatsächlich kognitive Störungen in Folge von MS bei Ihnen vorliegen.
  3. Neuropsychologische Tests geben dann mehr Aufschluss darüber, welche spezifischen kognitiven Prozesse bei Ihnen durch die MS beeinträchtigt sind.

Ziel ist es, möglichst genau herauszufinden, in welchen Bereichen Sie Schwierigkeiten haben. Danach richten sich dann die Hilfsmaßnahmen.

Wie laufen Tests zur Bestimmung von kognitiven Defiziten bei Multipler Sklerose ab?

Für die Diagnose verwendet man standardisierte, neuropsychologische Tests. Diese Tests umfassen verschiedene Aufgaben, welche die vielfältigen kognitiven Bereiche abdecken. Typisch sind vor allem Aufgaben zur Merkleistung und zur Aufmerksamkeit. Ihre Ergebnisse können mehr oder weniger von den Durchschnittsergebnissen anderer Menschen abweichen. Das ist ein erster Hinweis darauf, wie stark und in welchen Bereichen Ihre Probleme sind.

Solche Tests sind jedoch immer nur Momentaufnahmen und auch von anderen Faktoren wie Ihrer Tagesverfassung abhängig. Daher sind meist mehrere Messungen über einen längeren Zeitraum hinweg nötig. Erst wenn die Werte verglichen werden, ergibt sich ein klareres Bild über den Schweregrad und den Verlauf Ihrer Symptomatik.

Umgang mit dem Ergebnis der Testung

Die meisten der in diesem Rahmen getesteten Fähigkeiten sind trainierbar. Lassen Sie sich also nicht verunsichern, wenn Sie in manchen Bereichen der Tests Schwierigkeiten hatten. Das Wichtigste ist, dass Ihre Beschwerden nun klar und eingrenzbar sind – und somit auch behandelbar.

Geprüft Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Christian Enzinger: Stand Jänner 2023 | Quellen und Bildnachweis

Die Kurse sind kein Ersatz für das persönliche Gespräch mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, sondern ein Beitrag dazu, PatientInnen und Angehörige zu stärken und die Arzt-Patienten-Kommunikation zu erleichtern.