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Polyneuropathie – diese Symptome beeinflussen Ihren Alltag

Zeit um dankbar zu sein

Es fühlt sich an, als würden Ameisen über Füße und Hände krabbeln. Der Griff in den Kühlschrank ist unangenehm und die Milchflasche fühlt sich noch kälter an als sonst. Das Binden von Schuhbändern ist eine Herausforderung und Gleichgewichtsprobleme machen jeden Spaziergang zu einer Hürde. So geht es vielen Menschen mit Polyneuropathie. Dieser Blogbeitrag gibt Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Symptome.

Ameisenkribbeln – ein typisches Symptom

„Zunächst sind es eigenartige Missempfindungen in den Füßen, ein Gefühl, als hätte ich viel zu enge Socken an. Dabei stecken meine Füße nicht in Socken!“, beschreibt die Betroffene, Ute Kühn, die anfänglichen Symptome Ihrer Erkrankung. Die Ursache für dieses oft als „bamstig“ beschriebene Gefühl ist eine Erkrankung der peripheren Nerven. Meist sind jene Nerven betroffen, die einen besonders langen Weg zurücklegen, weshalb die Krankheit oft mit einem typischen Kribbeln in Zehen und Fingern beginnt. Schreiten die Symptome voran, führt das im Alltag zu einigen Problemen.

Hürden im Alltag

Betroffene erleben eine verstärkte Temperaturempfindlichkeit. Das Anfassen von kalten Gegenständen oder ein Spaziergang ohne Handschuhe im Winter, wird als besonders unangenehm und manchmal sogar leicht schmerzhaft empfunden. Viele PatientInnen bemerken ein gestörtes Empfinden in Armen und Beinen. „Man kann nicht mehr so spüren, wie die Gelenkstellung ist, wie man auftritt, wie man belastet.“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, Facharzt für physikalische Medizin und Rehabilitation, in unserer Online-Schulung Polyneuropathie bei Krebs verstehen. Das kann zu Gangschwierigkeiten oder sogar zu Stürzen führen. Auch Mag. Franz Urbanich, der seit der Chemotherapie an Polyneuropathie leidet, beschreibt diese Missempfindungen: „Der Fuß ist immer schwerer geworden. Der Vorfuß wurde immer unbeweglicher und weniger steuerbar. Es traten Gleichgewichtsstörungen auf, der Bewegungsablauf wurde immer unrunder und schwieriger.“ Grund dafür sind oft Muskelschwächen oder Krämpfe.

Alltägliche feinmotorische Bewegungsabläufe, wie etwa das Zuknöpfen einer Bluse oder das Schreiben einer Notiz, werden zur Herausforderung. Betroffene können auch unter starken Schmerzen in Armen und Beinen leiden. Hinzu kommt eine Berührungs- und Druckempfindlichkeit. Ganz typisch beschreiben PatientInnen beispielweise, ihnen sei auf einmal die Bettdecke viel zu schwer.

Hier finden Sie einen Überblick der Symptome von Polyneuropathie:

Sensible Symptome

  • Kribbeln, Unruhe- und Taubheitsgefühl an Händen und Füßen
  • Berührungs- und Druckempfindlichkeit
  • Temperaturempfindlichkeit
  • Schmerzempfindlichkeit vor allem in Armen und Beinen
  • Verändertes Empfinden in Armen und Beinen: Gangunsicherheit, Stürze, Ungeschicklichkeit und Fallenlassen von Gegenständen

Motorische Symptome

  • Muskelkrämpfe
  • Muskelschwächen
  • Muskellähmungen

Was sind die Ursachen einer Polyneuropathie?

Polyneuropathie kann viele Ursachen haben. Zu den häufigsten zählen Diabetes Mellitus, starker Alkoholkonsum oder Vitaminmangel. Auch bei bestimmten Chemotherapien kann die Polyneuropathie als Nebenwirkung auftreten. Ob und wie eine Polyneuropathie entsteht, ist sehr individuell und hängt vom eingesetzten Chemotherapeutikum, der verabreichten Dosis und der Therapiedauer ab. Bei manchen Betroffenen treten Symptome bereits zu Beginn der Therapie auf, bei anderen kommt es erst ein bis zwei Monate nach Beendigung der Behandlung zu einer Erkrankung.

Wie wird Polyneuropathie behandelt?

Um den Symptomen einer Polyneuropathie entgegenzuwirken, werden sowohl medikamentöse Therapien als auch physikalische Maßnahmen eingesetzt. So können beispielsweise feinmotorische Probleme oder Gangunsicherheiten durch Ergotherapie oder Physiotherapie verbessert werden. In unserer Online-Schulung Besser leben mit Polyneuropathie, gibt Prof. Dr. Thomas Licht, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie, einen Überblick über die Behandlungsmöglichkeiten und Erfolge bei Polyneuropathie.

Auch Univ.-Prof. Dr. Crevenna weiß: „Die Chemotherapie-induzierte Polyneuropathie ist zwar sehr häufig, aber eine jener Formen, die man, wenn man sie rechtzeitig angeht, sehr gut in den Griff kriegen kann und die letztlich auch von selbst mit entsprechendem Abstand zur Chemotherapie wieder vergehen kann.“

Autorin: selpers Red.

Bildnachweis: f9photos | Bigstock

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