Transkript

Begrüßung

Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen zur Präsentation, die ich hier für Sie vorbereitet habe, die sich mit der neuen Erkrankung Covid-19 und dem Herz beschäftigt. Mein Name ist Robert Zweiker. Ich bin einer der Kardiologen an der Uniklinik für Innere Medizin hier in Graz an der Abteilung für Kardiologie. Und wahrscheinlich wäre es angenehmer, so eine Vorlesung oder so einen Vortrag nicht halten zu brauchen und nicht halten zu müssen. Aber Covid ist und bleibt natürlich jetzt der Jahresregent auch in Bezug auf medizinische Probleme. Und ich möchte Ihnen hier entsprechende Leitfäden geben, wie man Herzerkrankungen oder die Herzbeteiligungen im Rahmen von Covid handhaben kann.

Definitionen

Ein paar Definitionen im Vorfeld. Wovon sprechen wir? Wir sprechen von SARS-CoV-2-Viren.

Das bedeutet, dass SARS ein Severe Adult RespiratorySyndrome, also vor allem die Atemwege betreffendes Syndrom darstellt, auf Deutsch „schweres Atemwegssyndrom“.
Und das Corona-Virus, das hier dafür verantwortlich zeichnet, ist dieses SARS-CoV-2 Virus.
Dieses SARS-CoV-2-Virus löst eine Erkrankung aus, und dieser Erkrankung wird als Covid bezeichnet. Und das ist die Kurzform für Coronavirus Disease oder auf Deutsch Corona-Virus-Erkrankung.

Agenda

Ich möchte Ihnen folgende Agenda näherbringen, die sich hier aufteilt in die Auswirkung von SARS-CoV-2-Virus am Herz:

Was macht es mit dem Herz? Hat es eine direkte Auswirkung auf das Herz?
Die zweite Frage, die ich beantworten möchte, ist: Wer hat eine höhere Gefährdung für einen schwereren Verlauf einer Covid-Erkrankung?
Die dritte Frage, die beantwortet werden soll, ist: Wie soll ich meine Herz-Medikamente in einer Covid-Zeit oder Covid-Pandemie-Zeit einnehmen?
Und der letzte Agenda Punkt, den ich ihnen mitgeben möchte ist: Wie soll ich vorgehen, wenn ich herzkrank bin?

COVID19 – Wodurch ist das Herz betroffen?

Wodurch ist das Herz betroffen, wenn eine Covid-19-Erkrankung vorliegt? Und ich möchte Ihnen da hier ganz im Überblick mitgeben,

dass das Herz selbst nicht allzu häufig in der Erkrankung mit eingebunden ist.
Dass es aber, wie bei anderen viralen Erkrankungen, zu einer Herzmuskel-Entzündung kommen kann. Das nennt sich dann Myokarditis.
Es gibt auch inzwischen schon Hinweise auf die Perikarditis, also die Herzbeutel-Entzündung, die durch eine Corona-Virus-Erkrankung hervorgerufen werden kann.
Aber was es vor allem auch machen kann: Es kann eine Angina-pectoris-Symptomatik hervorrufen. Und das vor allem deshalb, weil die Covid-Problematik vor allem die Lunge betrifft. Und wenn die Lunge in ihrer Funktion eingeschränkt ist und nicht mehr ausreichend Sauerstoff zuführt in unseren Organismus, weil potenziellentzündliche Mechanismen hier den Sauerstoff-Austausch und den Kohlendioxid-Austausch erschweren oder in vielen Fällen vielleicht sogar noch massiv beeinträchtigen, so kann eine Herzdurchblutungsstörung sich dann entsprechend stärker manifestieren, weil das Herz ja ebenfalls von Sauerstoffzufuhr abhängt. Und wenn jetzt hier beispielsweise eine Verengung von Herzkranzgefäßen da ist, dann ist eine Angina pectoriseine potenzielle Auswirkung einer Covid-bedingten Herzproblematik. Aber wie schon in der Definition gesagt, ist die Covid-Erkrankung vor allem durch ihre Lungenbeteiligung einmal primär gefährlich. Und die Auswirkung auf die entsprechende Lungenfunktion ist ja auch das, was ihre potenzielle Intensivpflichtigkeit in Gott sei Dank sehr wenigen Fällen, aber immer nur prozentual wenigen Fällen, absolut gesehen sind es ja im Moment sehr, sehr viele, die hier betroffen sind und die dann entsprechend intensivmedizinische Behandlung brauchen.

Leitbeschwerden – Herz

Wenn das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird, auch im Rahmen von Covid, dann gibt es mehrere Leitbeschwerden, die Sie darauf hinweisen sollten, dass es eine potenzielle Herzbeteiligung hier geben kann, und Sie sollten auch hier entsprechend an Ihr Herz denken. Die Leitsymptome, die im Vordergrund stehen, habe ich Ihnen hier aufgelistet.

Es ist vor allem die Luftnot, die aber natürlich genauso durch die Lunge oder durch die Lungenbeteiligung hervorgerufen werden kann, wie durch eine Herzproblematik.
Die zweite Leitsymptomatik ist das Brustkorb-Engegefühl, das wir in einem fremdsprachigen Begriff, den auch viele Laien gut kennen, als Angina pectorisbezeichnen, d. h. nichts anderes als Brustkorb-Enge auf Deutsch.
Diese Brustkorb-Enge kann auch mit mehr oder weniger starken Schmerzen verknüpft sein.
Und das, was Sie auch potentiell aufweisen können oder haben können, wenn Sie Covid-erkrankt sind: Es kann ein Leistungsabfall vor allem auch durch eine Herzbeteiligung potenziell hier als Symptom auftreten.

Dyspnoe = Luftnot

Ich habe Ihnen hier ein Bild mitgebracht, bei dem Sie sehen können, wie jemand nach Luft ringt. Das ist ein Bild aus einem medizinischen Atlas. Aber ich glaube, das ist also ganz gut nachvollziehbar, wie Menschen mit Luftnot sich darstellen. Und wenn Sie selbst schon einmal eine schwerere Infektion durchgemacht haben, dann werden Sie wahrscheinlich auch das ganz gut nachvollziehen können, dass das also eine schwere Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes und eine hochgradige dringliche medizinische Indikation darstellt, wenn diese Luftnot wie hier in Ruhe auftritt. Weniger gravierend ist eine Luftnotbeeinträchtigung, wenn sie unter Belastungsbedingungen auftritt.

Angina pectoris

Das zweite Leitsymptom ist hier die Angina pectoris. Es ist ein Schmerz, der hier vor allem zwischen dem Unterkiefer und dem Nabel lokalisiert sein kann, der beileibe nicht immer nur in der Herzgegend sich hauptsächlich nachweisen lässt, sondern der auch ausstrahlen kann sowohl in den linken als auch in den rechten Arm, aber auch in den Rücken. Patienten, die so eine Angina Pectoris haben, beschreiben das oft weniger als Schmerz, sondern mehr als Druck oder als Mühlstein, der einem auf die Brust gelegt wurde. Also vor allem die Enge oder die starke Beengung ist hier sehr typisch.

Myokarditis = Herzmuskelentzündung

Wenn wir die Herzerkrankung vor allem im Sinne der viralen Beteiligung uns einmal genauer anschauen, dann ist hier vorallem die Myokarditis dies zu erwähnen. Die Myokarditis ist bei jeder Form von Viruserkrankung, besonders auch bei der Grippe, ein häufiges Thema. So wie halt jede virale Erkrankung auch eine Muskelschmerz-Symptomatik machen kann, kann sie auch potenziell das Herz schädigen. Und bei Covid ist das ganz genauso. Es kann hier der Herzmuskel, den Sie hier in einer Kernspin-Aufnahme sehen, der hier noch prinzipiell normal funktioniert, in der Diastole, also in der Erschlaffungsphase, und hier in der Systole, da kann er dann Entzündungsanzeichen aufweisen, die man in der Kernspintomographie prinzipiell ganz gut nachweisen kann, mit Ödemen, mit entsprechender Einlagerung und einem sogenannten Late Enhancement und in der Funktion natürlich dadurch auch entsprechend eine deutliche Beeinträchtigung aufweisen. Dass also hier zwischen der Diastole und der Systole, wie Sie es hier sehen, ein deutlicher Unterschied besteht, dass wir also in der Systole viel weniger Funktion haben. Das heißt also: Die Hauptauswirkung der Myokarditis ist, dass die Herzleistung massiv hinuntergeht. Myokarditis selbst macht eigentlich keine Schmerzen, kein Schmerzzustandsbild, keine Schmerzen im Brustkorb. Das macht es nur dann, wenn auch eine Herzbeutel-Beteiligung dabei ist. Aber das, was die Patienten vor allem haben, ist eine geringere Leistungsbereite, eine deutliche Abnahme ihrer Leistungsfähigkeit. Eine Luftnot Symptomatik ist dann die Folge, die schon bei einer geringen Belastung oder auch bei schweren Fällen sogar schon in Ruhe auftreten kann. Und es entwickeln sich Zeichen der Herzschwäche, die entsprechend natürlich auch einer medizinischen Behandlung bedürfen. Patienten mit einer Myokarditis haben zwei große Risiken.

Einerseits ist es ihre Hämodynamik, also ihre Herzfunktion, die beeinträchtigt ist,
andererseits ist es aber auch die Gefahr des Auftretens von Rhythmusstörungen, die das Herz außer Takt bringen können, die einen zu schnellen oder zu langsamen Herzschlag zur Folge haben können und dadurch auch eine verminderte Perfusion der Organe, die vom Herzen natürlich abhängig sind.

Und da ist vor allem das Gehirn als am raschesten reagierendes Organ zu erwähnen. Das heißt, es kann eine Schwindelsymptomatik oder auch eine Bewusstlosigkeit hier mal auftreten. Patienten berichten auch über Palpitationen, also über unregelmäßigen Herzschlag oder über sehr langsamen Herzschlag, wenn sie sich z.B. hier an den Puls greifen.

Laboruntersuchungen – Herz

Die Leitsymptome sind das eine. Das Labor und weitere klinische Untersuchungen sind das andere. Und ich möchte Sie hier und auch an weiteren Stellen meines Vortrags darauf hinweisen, dass wir Ärzte und Sie natürlich vor allem auch hier im niedergelassenen Bereich, dass wir Ärzte immer für Sie da sind, um auch entsprechende Abklärungsmaßnahmen vorzunehmen. Das heißt, die erste Anlaufstelle bei Auftreten solcher Beschwerden soll und bleibt der niedergelassene Hausarzt, die niedergelassene Hausärztin. Sie oder er werden Laborwerte bestimmen können, die zwar nicht allgemein überall verrechenbar sind, die aber besonders bedeutsam für Herzbeteiligungen sind, die ich Ihnen hier kurz zumindest vom Wortlaut her nahebringen möchte. Wir können über zwei Werte hier sehr, sehr viele Aussagen über die Herzfunktion und auch über die Herzbeteiligung treffen.

Das eine ist der Troponin-Wert, den viele Niedergelassene in einer qualitativen Art und Weise, also positiv oder negativ bestimmen können, der im Krankenhaus oder in einem der nächsten Labor auch quantifiziert werden können. Also Ausmaß der Herzschädigung ist damit direkt bestimmbar, direkt messbar und eine Beteiligung des Herzens im Rahmen von Covid würde beispielsweise einen Troponin-Wert erbringen, der erhöht ist. Das hat jetzt nach chinesischen Daten, die schon am längsten mit dieser Erkrankung zu tun haben, gezeigt, dass es sehr, sehr viele Patienten sind, die auch eine Erhöhung dieses Troponin-Wertes haben. Das ist nicht immer klinisch relevant, aber es ist ein sehr, sehr empfindlicher Parameter, der hier entsprechend anspringt, wenn es eine Herzbeteiligung gibt und den man dafür nützen kann.
Der zweite Wert, den ich hier ins Spiel bringen möchte, ist der sogenannte nt-pro-BNP-Wert. Auch dieser Wert ist eine relativ teure Bestimmung, d. h. auch nicht immer imniedergelassenen Bereich von vornherein bestimmbar, imSpital und in den Ambulanzen aber sehr wohl. Dieser Wert ist ein Hinweis für das Vorliegen einer Herzfunktionsbeeinträchtigung. Also, wenn dieser Wert erhöht ist, dann funktioniert Ihr Herz nicht mehr so gut wie das eines normalen oder eines gesunden Menschen.Und daher ist es hier eine Hilfestellung in der Diagnostik, wenn herzbedingte Leitsymptome, wie ich sie Ihnen vorher aufgelistet habe, auftreten sollten.

Aber ich möchte noch einmal hier besonders darauf hinweisen, das Laborbestimmungen immer eine ärztliche Indikation verlangen, d. h. also es ist nicht so, dass man hier als Patient mit den Inhalten dieses Vortrags zum Arzt oder Ärztin gehen sollte, um sich diesen Wert zu holen, sondern es gibt auch hier noch die Notwendigkeit, es ärztlich zu beurteilen, ob es Sinn macht, diesen Wert zu bestimmen und ob die Interpretation dann entsprechende Konsequenzen hat, die für Sie gut sind. Das ist also so quasi die Voraussetzung, diesen Wert doch überhaupt erst anzuregen, diesen Wert bestimmen zu lassen. Also bitte nicht als Selbstbedienungs-Option zu verstehen, sondern als Erklärung, was wir für Möglichkeiten im Labor haben, um entsprechende Herzbeteiligungen festmachen zu können.

Herznotfälle während des 1. Lockdowns im Vergleich zu den Vorjahren

Eine der wichtigen Botschaften, die wir während des ersten Lockdowns im Frühjahr hatten, ist, dass Menschen mit Herzbeschwerden, deshalb bin ich auch recht froh, dass ich Ihnen diesen Vortrag bringen kann, dass man jetzt mit Herzbeschwerden durch die damals auch sehr forciert kommunizierte Möglichkeit oder Notwendigkeit, nicht in ärztliche Ordinationen oder in Krankenhäuser zu gehen, dass dadurch auch Schaden entstanden ist. Und das ist hier eine Arbeit, die wir aus unserem eigenen Patientenkollektiv gemacht haben und bei der österreichischen Herbsttagung auch entsprechend präsentieren konnten. Und es soll ja nun vor allem zeigen, dass wir im Vergleich zu den Vorjahren in dieser Zeit, in diesen sechs Wochen des Lockdowns vom Frühjahr um 23 Prozent weniger Patienten zugewiesen bekommen haben, die einen Herzinfarkt hatten oder eine Lungenembolie oder eine Aorten-Erkrankung. Und das ist also quasi fast ein Viertel weniger als üblich. Das bedeutet aber leider nicht, dass diese Patienten nicht ihre Infarkte oder Lungenembolien hatten, sondern dass sie einfach nicht eine adäquate Hilfe in Anspruch genommen haben. Und die Menschen, die Personen, die tatsächlich ins Krankenhaus gekommen sind, waren also deutlich schwerer erkrankt, als das in den Vorvergleichszeiträumen der Fall war. Und wir haben daher für diese ins Krankenhaus gekommenen schwereren Fälle insgesamt eine höhere intrahospitaleMortalität gesehen, als das in den Vorjahren der Fall war. Das heißt, wir haben nur mehr die schweren Fälle bekommen und konnten dadurch potenziell Menschen, die davon profitiert hätten, wenn ihre Herzkranzgefäßverengungen oder Herzkranzgefäßverschlüsse oder ihre verstopften Lungenströme dann wieder aufgemacht worden wären. Die haben wir nicht gesehen in den Kliniken oder viel weniger häufig gesehen, als es gut gewesen wäre. Und das ist eine Kollateralschädigung, die im Rahmen von Covid jetzt bemerkbar war, die wir hier jetzt im zweiten Lockdown möglichst vermeiden wollten. Das heißt, wir möchten die Menschen, die solche Beschwerden haben, wie ich es geschildert habe und solche Erkrankungen haben, die wir jetzt gerade hier besprechen, dass die weiterhin die Möglichkeit haben, ins Krankenhaus zu kommen und ihre adäquate Therapie zu bekommen, um ihr Überleben einerseits, aber auch um ihre Lebensqualität durch verminderte Folgeauswirkungen oder Folgewirkungen und Auswirkungen einer durchgemachten Herz- oder Lungenerkrankung, die nicht durch Covid bedingt war, entsprechend weniger häufig zu machen.

Prädikation für Covid-Tod

Welche Personen, welche Menschen sind besonders betroffen von Covid und besonders gefährdet? Und da habe ich Ihnen hier ein paar Daten zusammengestellt aus einer wissenschaftlichen Untersuchung. Sie sehen hier also eine Reihe von Parametern, die hier angeführt sind und sehen so eine strichlierte Linie in der Mitte, und wenn die Punkte, die auf der rechten Seite zu sehen sind, rechts von dieser Linie, da bedeutet das jemand, das ist eine besondere Risiko-Erhöhung, diese Konstellation, und Sie sehen, dass wir aus diesen Daten mehr Risiko hatten, vor allem für Personen über 65, da war das Risiko fast doppelt so hoch. Weniger Risiko für das weibliche Geschlecht, also mehr Risiko für die Männer.

Und wenn Sie eine Koronarerkrankung haben
oder eine Herzschwäche aufgetreten ist
oder eine relevante Herzarhythmie auftritt oder aufgetreten ist im Vorfeld
oder eine chronische Lungenerkrankung im Sinne einer COPD vorhanden ist
oder man derzeit Raucher ist, dann hat man jeweils signifikant höhere Risiken hier, einen schwereren Verlauf oder auch eine tödliche Verlaufsform von Covid zu erleiden.

Ein Vorteil für die Patienten, und darauf möchte ich auch kurz später noch eingehen, ist, einen ACE-Hemmer zu schlucken.Also Patienten, die eine ACE- Hemmer-Behandlung hatten,und das ist ja noch immer ein wichtiges Thema, hatten eine deutliche Risikoreduktion im Vergleich zu Patienten, die keinen ACE-Hemmer bekommen haben. Und genauso gilt es für Patienten mit Statinbehandlung. Die haben also nur ein Drittel so häufige Sterberisiken gehabt wie Patienten, die weder ACE-Hemmer noch Statine eingenommen haben. Das sind Daten aus über 9.000 Patienten.

COVID-Risikogruppen

Aus den Erfahrungen des Frühjahrs hat die österreichische Bundesregierung eine Rechtsvorschrift erstellt, bei der Personen, die einer besonderen Risikogruppe angehören, sich auch um Arbeits- oder Dienstfreistellungen bemühen können.Meistens wird das über die Sozialversicherungen schon direkt kommuniziert oder es geht über Ihre niedergelassenen betreuenden Ärzte, dass Sie ein Risikoattest bekommen.

Es ist dann möglich, es zu bekommen, wenn Sie eine schwere Lungenerkrankung haben mit pulmonaler Bluthochdrucksituation, eine schwere COPD haben oder eine Mukoviszidose. All dieser Krankheitsbilder müssen schwer und gravierend und schwer zu behandeln sein.
Eine schwer einstellbare Herzinsuffizienz oder schwer zu beherrschende ischämische Herzerkrankungen sind ein weiterer Grund.
Ein Karzinom oder eine Metastasierung oder eine laufende Chemotherapie ein weiterer Grund.
Immunsuppressions-Therapien, beispielsweise bei Zustand nach Transplantation oder bei immunologischen Krankheitsbildern,
Nierenerkrankungen wie Dialyse, Zustand nach Nierentransplantation, verminderte Funktion der Niere,
schwere Leberzirrhose wäre ein weiterer Grund.
Schwere, nicht einstellbarer Hypertonie oder Diabetes mellitus sind ebenfalls Gründe für so eine Freistellung
oder auch eine Adipositas mit einem Body Mass Index von über 40.

Hypertonie + COVID

Nachdem der Hypertonus eine der häufigsten Risikosituationen weltweit ist, ist natürlich auch in Österreich ein großes Patientenkollektiv betroffen von Bluthochdruck, und es war im Frühjahr zumindest eine sehr, sehr intensive Diskussion darüber im Gange, wieweit Medikamente hier eine Auswirkung auf den Covid-Verlauf haben.

ACE-2 + RAAS-Hemmung

Ich hab’s Ihnen schon kurz jetzt in diesen vorhergehenden DIAs angedeutet, aber vor allem deshalb, weil der Rezeptor, über den das Sars-CoV-2-Virus in die Lunge geht, der heißt ACE-2. Und da denkt natürlich jeder sofort an ACE-Hemmer,und ACE-Hemmer haben auch eine Auswirkung auf dieses ACE-2, und daher hat man befürchtet, dass eine Therapie mit einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-Blocker, wie es häufig Patienten mit Bluthochdruck oder Herzschwäche bekommen, dass das eine negative Auswirkung auf die Erkrankungsverläufe hat. Und da ist also in mehreren Untersuchungen hier sowohl in dem Statement, in diesem sehr hochrangigen Medizin-Journal

Antihypertensiva + COVID mit schwerem Verlauf

als auch in den Datenbanken von großen Krankenhäusern, die hier nachgeschaut haben, gezeigt worden, dass all diese Hypothesen nicht zutreffend waren. Hier sehen Sie z.B. die Antihypertensiva, also die blutdrucksenkenden Medikamente und ihre Anwendung in Bezug auf eine Covid-Problematik mit schwerem Verlauf. Und Sie sehen, dass die Patienten, die keine Medikation mit einem ACE-Hemmer oder einem Angiotensin-Blocker oder einem Betablocker hatten, dass die häufiger einen schweren Verlauf hatten als die Patienten, die eine solche Medikation anBord hatten. Etwas weniger häufig war es beim Kalzium-Antagonisten und ausgeglichen beim Diuretikum. Es war im Prinzip aber keine Assoziation zwischen dieser Therapie und dem Risiko für den schweren Verlauf feststellbar.

ESC Congress 2020

Das ist auch noch gezeigt worden durch eine ganz neueUntersuchung, bei der man randomisiert verglichen hat, also zufallsbedingt verglichen hat,

Trial Design

wie Patienten jetzt auf der Intensivstation sich verhalten, wenn sie eine ACE-Hemmer-Behandlung vor Einlieferung hatten. Man hat also verglichen in einer zufallsbestimmten Art und Weise, ob jemand weiterhin seinen ACE-Hemmer behalten soll oder nicht. Das ist also 1:1 gemacht worden. Entweder hat man das behalten oder eben nicht. 659 Patienten sind hier entsprechend eingeschlossen worden.

Primary Outcome

Sie sehen, dass es keine Auswirkung auf diesen Kurven, dasgibt Ihnen die Überlebensraten außerhalb des Spitals an. Ob man jetzt eine ACE-Hemmer-Behandlung weitergeführt hat oder sie gestoppt hat, hat keine Auswirkung auf das langfristige Überleben gehabt. Daher sind wir da fest der Meinung, dass es absolut nötig ist, diese Behandlung auch weiterzuführen und die Medikamente entsprechend an Bord zu lassen. Eine gut eingestellte Hypertonie entgleisen zu lassen oder eine Herzinsuffizienz wiederum verschlechtern zu lassen durch das Absetzen dieser Medikamente, bedeutet aber sehr wohl ein Risiko. Das heißt: Nehmen Sie diese Herzmedikamente auf jeden Fall weiter ein, selbst wenn Sie Covid-krank sind.

RAAS-Hemmer + Influenza

Man hat auch nachgesehen, ob das auf die Häufigkeit oder den schweren Verlauf einer Influenza, also einer herkömmlichen Grippe, eine Auswirkung hat. Und an diesen Bildern sieht man, dass die Patienten mit ACE-Hemmer seltener eine Grippe erlitten oder eine Grippe durchgemacht haben, auch Patienten mit einem Angiotensin-Blocker, d. h. also auch für eine andere, sehr bekannte virale Erkrankung wie die Grippe ist es hier kein Risiko, eine ACE-Hemmer-Behandlung zu haben.

Zusammenfassung – Herz + COVID

Daher möchte ich zusammenfassen, und, bevor ich auf Ihre Fragen eingehe, noch meine Vertragsinhalte kurz auf den Punkt zu bringen.

Das erste, wenn Herz und Covid zur Erwähnung kommt, dann ist es so, dass die Steuerungsfunktionen im Gesundheitssystem weiterhin über den Hausarzt laufen sollen. Das heißt: Wenn Sie Beschwerden haben, die nicht per akut sind, dann ist der Hausarzt oder der Hausärztin der erste Ansprechpartner, der Ihnen sagen kann: „Okay, das ist etwas, was gefährlich ist. Das gehört weiter abgeklärt. Das gehört potenziell ins Krankenhaus.“Oder: „Es ist eine Erkrankung, die ich jetzt selber als Hausarzt oder Hausärztin managen kann.“
Wenn Sie Infektzeichen haben, wenn Sie krank sind, wenn Sie Fieber haben, dann ist auch weiterhin der Hausarzt ein Thema. Aber dafür haben die Hausärzte spezielle Infektions-Sprechstunden eingeführt, um die anderen Patienten, die eben in der Ordination sind oder im Wartesaal oder auch die Angestellten und die Hausärztinnen/Hausärzte da speziell geschützt sind. Die ziehen sich dann spezielle Schutzkleidung an und können damit dann Sie trotzdem auch untersuchen. Und nützen Sie diese Infektions-Sprechstunde. Gehen Sie zu Ihrem Arzt, aber machen Sie auch einen telefonischen Termin vorher aus. Das haben also viele Hausärzte jetzt entsprechend umgestellt, dass sie also eine Terminordination machen, um zu verhindern, dass viele Personen gleichzeitig sich anstellen und potenziell auch sich gegenseitig infizieren.
Wenn Ihre Beschwerden instabil sind, also die Beschwerden vor allem im Sinne des Drucks auf der Brust zunehmend werden in den letzten Tagen oder Wochen, dann ist es auf jeden Fall notwendig, den Hausarzt oder den Internisten aufzusuchen.
Wenn Sie aber Beschwerden sogar in Ruhe haben, das heißt, also eine Angina-pectoris-Symptomatik, einen schweren Druck auf der Brust in Ruhe, dann ist es eine Notfallsituation. Dann wird es im Allgemeinen ein Spital sein, das Ihnen hier helfen kann. Also hier wird es notwendig sein, die Rettung oder den Notarzt zu verständigen, damit Sie eine rasche Abklärung bekommen. Es kann hier ein Herzinfarkt dahinterstecken. Es kann hier bei akutem Brustkorbschmerz auch eine Lungenembolie einmal ein Thema sein. Also hier sollten Sie rasch reagieren und auch entsprechend eineRettungskette frühzeitig aktivieren. Auch vor Covid war die Hauptverzögerung eigentlich auf Patientenseite. Und wir können mit einer sehr kurzen Zeitspanne zwischen einem Auftretenden des Herzinfarkts und dessen adäquater Behandlung sehr viel für Sie tun und dem Herzen also einen schwereren Schaden ersparen.
Auch bei zunehmender Luftnot oder bei einer Synkope, also bei einem plötzlichen Bewusstlosigkeitsanfall oder Bewusstseinsverlust, da kann eben eine entsprechende Aortenstenose oder eine Lungenembolie dahinterstecken. Auch hier ist es notwendig, wie auch außerhalb von Covid-Zeiten, dass Sie sich rasch ärztliche Hilfe organisieren. Und das wird, wenn es besonders ausgeprägte Luftnot ist oder gerade eine Synkope durchgemacht wurde, auch durchaus der Notarzt sein, den Sie hier sich nicht scheuen sollten zu verständigen. Die Nummer 144 werden Sie alle gut kennen.

Fragestellungen – 1

Ich habe jetzt zum Abschluss meines Vortrags noch eine Reihe von Fragen von Ihnen im Vorfeld bekommen, zum Teil aus der Redaktion des Meetings, zum Teil auch von Ihnen selbst. Und ich möchte die kurz noch in den letzten paar Minutenbeantworten.

Frage 1: Herausforderungen für Menschen mit Herze-Kreislauferkrankungen

Die erste Frage war: Welche Herausforderungen gab es für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dem Frühjahr und was haben wir daraus gelernt? Also die Hauptherausforderung war sicher die, dass die Barriere, in ein Krankenhaus zu gehen, wenn man schwer herzkrank war, dass die hoch war oder möglicherweise auch zu hoch war. Und was wir daraus gelernt haben, ist, dass wir versuchen, jetzt im zweiten Lockdown, in der zweiten Welle hier diese Barrieren niedriger zu halten und Sie und die Patienten, die potenziellen Patienten entsprechend zu informieren und zu motivieren, dass sie auch entsprechend ins Krankenhaus kommen.

Frage 2: Auswirkungen von Covid-19 auf der Station

Die zweite Frage: Welche Auswirkungen hatte Covid-19 in Ihrem Bereich, auf Ihrer Station?Also auf unserer Station hat es insofern eine Auswirkung gegeben, als die Intensivstationen an der Grazer Klinik geteilt worden sind. Wir haben üblicherweise eine kardiologische Intensivstation, die vor allem für Herzpatienten vorgesehen ist. Diese kardiologische Intensivstation hat alle Intensivfälle zusätzlich übernommen, nur nicht die Covid-Patienten. Die zweite Intensivstation hat Covid alleine betreut. Aber wir haben damit natürlich eine sehr hohe breite Auslastung und Anforderung bekommen.

Frage 3: Veränderungen in der Behandlung von PatientInnen

Wie hat sich die Behandlung der PatientInnen verändert? Wir können inzwischen aufgrund der Studienlage deutlich bessere Behandlungen als noch im Frühjahr anbieten, wenn jemand Covid hat. Wir haben also ein Medikament oder zwei Medikamente zur Verfügung, über die doch einiges an Beschwerden besser behandelbar ist. Wir gehen nicht mehr so schnell in die Intubationsnarkose, sondern lassen die Patienten länger mit einer Sauerstoffbehandlung auf der Station oder auf der Intermediate Care und sind damit weniger invasiv, als es vorher der Fall war.

Frage 4: Veränderung in der Diagnose von Neuerkrankungen

Die nächste Frage: Wie sich die Diagnose von Neuerkrankungen verändert? Ja, das ist sicherlich nicht nur im kardiologischen Bereich, sondern auch natürlich auch, glaube ich, im onkologischen Bereich ein Thema gewesen und auch an der Neurologie mit den Schlaganfällen. Wir haben sicherlich eine Menge an präventiven Untersuchungen nicht durchgeführt, die sonst durchgeführt worden wären und werden die Folgen davon erst mit der Zeit merken. Aber lassen Sie sich bitte nicht davon abhalten, sich auch präventiv anschauen zu lassen. Also die Medizin funktioniert weiter. Es gibt die gesunden Untersuchungen. Es gibt die Möglichkeit Laborkontrollen zu machen, seine Risikofaktoren einzustellen. Auch Ambulanzbesuche bieten wir weiter bei uns in der Kardiologie an, damit Neuerkrankungen rechtzeitig vor schweren Schäden erkannt werden.

Fragestellungen – 2

Frage 5: aktuelle Situation von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die nächste Frage: Wie ist die Situation von Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Augenblick? Ja, wie ich schon früher erläutert habe: Wir versuchen barrierearm, barriereärmer zu sein, als es im Frühjahr der Fall war. Es ist aber eine sicherlich massive Stresssituation im Moment für viele von uns allen und daher auch eine potenziell die Erkrankung, was Herz-Kreislaufprobleme betrifft,forcierende Begleitproblematik. Und daher ist es so wichtig,hier auf seinen Körper zu schauen, auf seine Gesundheit zu schauen, gesunden Lebensstil zu pflegen und bei entsprechenden Beschwerden sich auch entsprechend vorzustellen. Aber es ist auch speziell wichtig und das wird jetzt gleich in der nächsten Frage auch gestellt werden.

Frage 6: Was müssen Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen berücksichtigen?

Denn was müssen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen gerade berücksichtigen? Sie sollen möglichst die Therapien, die sie bekommen haben, einfach so weiterführen, wie Sie es auch vor dieser Covid-Krise hatten. Die Behandlungen funktionieren weiterhin gut.Wir haben die richtigen Medikamente für Sie, und die halten auch jetzt unter diesen Umständen das ein, was sie vorher schon versprochen haben. Also wir können damit Risiken deutlich reduzieren.

Frage 7: Wann ins Krankenhaus?

Wann sollten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen unbedingt ins Krankenhaus, zum Arzt oder zur Ärztin? Habe ich Ihnen, glaube ich, im Vortrag gesagt: Keine Barriere für Patienten mit akuten Beschwerden, akuter Brustkorbschmerz, akute Luftnot, immer etwas, was ärztlich angeschaut werden muss. Zunehmende Belastungseinschränkungen, Schmerzen auf der Brust sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Und das ist genau das, was ich auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfehle.

Frage aus dem Publikum – 1

Dann hat es aus dem Publikum noch Fragen gegeben, die ich jetzt hier am Schluss noch beantworte.

Frage 8: Herz-Kreislauf-Beschwerden nach Corona-Infektion

Die erste Frage lautet: Ich habe drei Wochen nach der Infektion mit dem Corona-Virus ein Druckgefühl auf der Brust, sehr niedrigen Blutdruck, Kribbeln in den Händen und manchmal in Füßen. Außerdem habe ich kalte Hände, ein Kribbeln im Kopf und teilweise starken Schwindel und Herzstolpern. Soll ich meine Blutgerinnung testen lassen oder einen Kardiologen aufsuchen? Und die Zusatzinformation: Ich bin 57 und hatte zwei Krebserkrankungen, Gott sei Dank ohne Chemo. Ja, also liebe Patientin, lieber Patient, es ist auf jeden Fall wichtig, sich ärztlich checken zu lassen. Also wenn die Infektion schon vorbei sind und Sie sich Gott sei Dank einigermaßen gut erholt haben, ist es durchaus möglich, dass Sie eine längerfristige Beschwerdesymptomatik auch nach der Covid-Erkrankung noch haben. Aber Ihr Hausarzt, Ihre Hausärztin ist in diesem Fall auch ein guter Anlaufpartner oder Ansprechpartner. Es ist sicherlich auch so, dass ein bisschen die Psyche oder die Nerven hier auch eine Rolle spielen. Das würde ich hier vor allem mit dem Kribbeln in Händen und den Füßen noch in Zusammenhang bringen. Da sollte man aber auf jeden Fall ärztlich einen Check machen und das entsprechend prüfen. Die Gerinnung muss da nicht unbedingt getestet werden. Das wird eher ein Entzündungswert sein, den man testen wird oder auch einen Herzparameter, wenn dafür klinisch uns zusätzliche Hinweise da sind. Aber das gehört in eine Ordination und entsprechend überprüft.

Frage aus dem Publikum – 2

Die zweite Frage:

[29:23]

Frage 9: Mögliche Folgen bei Covid nach Herzinfarkt mit Stent

Ich hatte vor vier Jahren einen Herzinfarkt mit einem Stentund nehme jetzt entsprechende Medikamente. Welches Krankheitsbild erwartet mich, sollte ich Covid-19 bekommen? Ja, lieber Herr oder liebe Frau, es ist so, dass Sie alles an Covid-Erkrankungsfacetten haben können, wie jeder andere, der so einen Herzinfarkt nicht hinter sich hatte. Sie haben natürlich ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf wegen den bereits dargestellten Daten, die ich Ihnen vorher gezeigt habe. Und daher ist es sicherlich wichtig, dass Sie sich speziell schützen, dass Sie das mit der Maske und dem Abstand wirklich ernst nehmen, um sich diesem Risiko nicht auszusetzen. Wenn Sie Fieber bekommen sollten, wenn Sie Muskelschmerzen bekommen sollten, wenn Sie starke Kopfschmerzen haben: Ärztliche Kontrolle nach entsprechendem Vorankündigen mit entsprechender Infektionssprechstunde ist sicherlich genauso bei Ihnen nötig. Nehmen Sie Ihre Herzmedikamente aber trotzdem im Allgemeinen normal ein. Es gibt also ganz wenige Medikamente, die man hier, vor allem wenn man ein Antibiotikum bekommt, dann auch pausieren sollte. Da gehören beispielsweise unter antibiotische Abdeckung dann die Statine dazu, wenn Sie einen Blutfettsenker haben, was in Ihrem Fall eigentlich zum Standard gehört. Aber das wird auch mit Ihrem Hausarzt oder Hausärztin immer primär zu besprechen sein.

Frage aus dem Publikum – 3

Die dritte Frage:

[29:23]

Frage 10: Verhalten bei Schlaganfall

Ich habe gelesen, dass viele Schlaganfallpatienten in der ersten Welle zu spät ins Krankenhaus sind. Wie sollte ich in der aktuellen Situation vorgehen, wenn ich glaube, einen Schlaganfall zu erleiden? Was sind die Symptome einesSchlaganfalls, und wann sollte man in der jetzigen Situation den Notarzt rufen? Das stimmt, was Sie sagen: Es sind tatsächlich zu wenige Patienten, die einen Insult, einen Schlaganfall hatten, in das Krankenhaus gegangen. So ähnlich wie für die Herzinfarkte gilt das auch für die Neurologen, dass die auch nicht ausreichend aufgesucht worden sind. Schlaganfalls-Symptome sind vor allem

Sprachstörungen, wenn Sie plötzlich Worte nicht aussprechen können oder entsprechend Schwierigkeiten haben, Worte zu finden.
Zweitens eine Halbseitensymptomatik oder eine Einschränkung ihrer motorischen Leistung auf einer, häufig auf einer Seite des Körpers.
Bewusstseinseinschränkung, Bewusstseinsverlust, wenn diese Funktionen des Gehirns beeinträchtigt sind.

Also hier sollten Sie sich, vor allem bei Wortfindungs-Störungen, bei lallender Sprache, bei hängendem Mundwinkel oder bei entsprechender Symptomatik dann über den Notarzt rasch einliefern lassen, um hier potenziell auch einen Schlaganfall rechtzeitig zu erkennen und behandeln zu können.

Frage aus dem Publikum – 4

Die vierte Frage:

[29:23]

Frage 11: Einnahme von Blutdruck-Medikamenten

Ich nehme Medikamente für meinen Blutdruck ein und habe gehört, dass diese in den schweren Verlauf von Corona begünstigen können, soll ich sie absetzen oder gibt es eine Alternative? Diese Frage habe ich recht ausführlich schon in meinem Vortrag behandelt. Also die Blutdruckmedikamente, die Sie üblicherweise haben, sind kein Risiko für einen schweren Verlauf, und es ist so, dass Sie diese Medikamente auf jeden Fall weiter nehmen sollen.

Frage aus dem Publikum – 5

Die fünfte Frage:

[33:52]

Frage 11: virale Herzmuskelentzündung

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich eine virale Herzmuskelentzündung. Diese ist zwar ausgeheilt, aber ich habe Angst, dass durch eine Corona-Infektion diese wieder ausbricht. Kann das überhaupt passieren? Also die gleiche Entzündung wird jetzt nicht wieder ausbrechen, aber es kann eine neue Infektion natürlich dem Herzen wiederum einen Schaden zufügen, und Corona kann,wie andere Viren auch, eine entsprechende Herzmuskel-Entzündung bewirken. Auch Sie sollten sich speziell schützen vor der Infektion. Wenn Sie tatsächlich krank werden oder Krankheitssymptome aufweisen, ist vor allem die Schonung ein ganz entscheidender Punkt, dass Sie dem Herzen also jetzt genug Ruhe zur entsprechenden Erholung gönnen. Auch hier wird es ärztlich begleitet werden müssen. Auch die Behandlung gehört entsprechend adaptiert, wenn Sie tatsächlich wieder eine Entzündung bekommen sollten. Sie haben vielleicht einen gewissen Vorteil, dass Sie wissen, wie eine Herzmuskel-Entzündung sich auswirkt und was für Beschwerden sie macht. Und die Corona-Infektion kann eine gleiche Symptomatik wie die, die Sie hatten, potenziell auch wiederum bewirken. Das sollte nicht passieren, kann aber passieren.

Frage aus dem Publikum – 6

Die sechste Frage:

[35:03]

Frage 11: Koronare Herzerkrankung und Angina pectoris

Ich habe eine koronare Herzerkrankung. Die Symptome bei einem Angina-pectoris-Anfall sind ja oft ähnlich wie bei einem Herzinfarkt. Ab wann sollte ich unbedingt einen Krankenwagen rufen? Also dann, wenn dieser Schmerz nicht mehr über einen Nitro-Spray besserbar ist oder verschwindet und wenn er über 5 Minuten anhält, auch in Ruhebedingungen, dann sollten Sie es auf jeden Fall einen Krankenwagen rufen, weil dann ist es potenziell ein Herzinfarkt.

Frage aus dem Publikum – 7

Die Frage sieben:

[35:03]

Frage 12: Pneumokokken- und Grippe-Impfung

Macht es Sinn, dass ich mich Pneumokokken und Grippe impfen lasse als Patientin mit Herz-Kreislauf-Beschwerden?Momentan ist es ja gar nicht so leicht, an einen Impfstoff zu kommen, und ich frage mich, ob es den Aufwand wirklich wert ist. Außerdem hört man ja immer wieder von der starken Nebenwirkung der Grippeimpfung. Ist es im Moment nicht eh sehr unwahrscheinlich, daran zu erkranken, weil alle besonders vorsichtig sind? Die Problematik Grippeimpfung ist folgende: Wie jede andere Impfung ist eine funktionierende Impfung eine exzellente vorbeugende Maßnahme, um eine Erkrankung nicht zu bekommen. Und es ist auf jeden Fall relevant, vor allem, wenn Sie Vorerkrankungen haben, sich möglichst einer Grippe-Virusinfektionen nicht auszusetzen, und Sie können mit der Grippeimpfung mit einer doch sehr hohen Wahrscheinlichkeit einen schweren Grippeverlauf verhindern. Das heißt, Sie sollten sich auf jeden Fall impfen lassen, wenn Sie denn das Glück haben, an einen Impfstoff zu kommen. Meine große Hoffnung ist ja, dass durch diese Covid-Pandemie die Wertigkeit von Impfungen etwas klarer wird für Sie als Laie oder für alle Laien oder für alle Menschen überhaupt. Und dass wir diesen Segen, den wir durch Virenbehandlungen oder Virenvorbeugung über Grippe- und ähnliche Impfungen haben, dass wir diesen Segen auch entsprechend häufiger nützen, als das bislang der Fall ist. Die Nebenwirkungen sind absolut vernachlässigbar, aber die Wirkung der Grippe selbst ist eine massive, weil es kann also durchaus auch, genauso wie bei Covid, zu schweren Herzbeteiligungen kommen und hin bis zur Herztransplantationsnotwendigkeit bei schwerer Myokarditis.

Frage aus dem Publikum – 8

Die Frage 8 — ich glaube, das ist auch schon die letzte.

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Frage 11: Herzfehler bei Kleinkind

Meine Tochter hat einen angeborenen Herzfehler und besucht den Kindergarten. Sollte sie den Kindergarten meiden und mein Mann und ich auch Homeoffice fordern, damit wir sie nicht gefährden. Ich wäre für eine Antwort sehr dankbar. Prinzipiell ist es so, dass Kinder Gott sei Dank etwas weniger relevant betroffen sind von Covid. Das ist also auch jetzt lang und breit auch in den öffentlichen Medien diskutiert. Beim Herzfehler ist es so, dass es davon abhängt, was es für eine Form von Herzfehler ist.

Wenn der Herzfehler keine Auswirkungen auf die Lunge, keine Auswirkung auf die Lungendurchblutung, keine Auswirkungen auf einen Lungenhochdruck hat, dann wird dieser Herzfehler im Allgemeinen kein Problem für ihre Tochter darstellen.
Wenn er Auswirkungen auf die Herzfunktion oder die Lungendurchblutung hat, dann ist es sicherlich so, dass man auf jeden Fall eine Vorbeugung vor allem in Virusinfektionen haben sollte. Das heißt also, Ihre Tochter sollte in diesem Fall auf jeden Fall zumindest Grippe geimpft sein.

Den Kindergarten muss sie meines Erachtens deshalb nicht meiden. Wenn der Kindergarten jetzt im Lockdown 2 nicht mehr offen hat, dann ergibt sich diese Frage eh von selbst, dass Sie es dann wahrscheinlich zu Hause haben werden. Dass Sie und Ihr Mann deshalb ins Homeoffice müssen, das ist, glaube ich nicht notwendig. Der Infektionsschutz, den Sie ohnehin an den Tag legen sollten, nicht nur wegen Corona, sondern wegen einer Infektproblematik, die für alle Eltern und ihre Kinder relevant ist, das ist vielleicht in der Zeit noch mehr zu fordern, dass also entsprechende Abstände einhalten und sich jetzt im Moment auch besonders schützen. Aber ein Homeoffice, glaube ich, wäre in diesem Fall nicht primär nötig.

Abschluss

Damit danke ich für Ihre Aufmerksamkeit, hoffe, Sie haben ein bisschen was mitnehmen können und ich wünsche Ihnen noch, dass Sie gesund bleiben und diese Informationen nicht für sich selbst und Ihre Familie benötigen, die Sie jetzt von mir bekommen haben.

Auf Wiederschauen.

 

Aktuelles zu Coronavirus und Herz-Kreislauferkrankungen

22.11.2020 | 14.00 – 14.30 Uhr

Die letzten Monate haben einige neue Erkenntnisse über Covid-19 und Herz-Kreislauferkrankungen gebracht. Univ.-Prof. Dr. Robert Zweiker wird in seinem Vortrag darauf eingehen und spricht unter anderem darüber, welche besonderen Vorkehrungen PatientInnen mit Herz-Kreislauferkrankungen treffen sollten, wie man bei einem Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall vorgehen soll und wann Herz-Kreislauf-PatientInnen ins Krankenhaus gehen bzw. eine Ärztin/ einen Arzt aufsuchen sollten.

Vortragender

Univ.-Prof. Dr. Zweiker

Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie
Univ.-Prof. Dr. Robert Zweiker

Univ.-Prof. Dr. med. Robert Zweiker lehrt an der Medizinischen Universität Graz, wo er auch als Kardiologe an der Universitätsklinik für Innere Medizin tätig ist. Er ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und erhielt im Jahr 2000 erhielt er den Otto-Loewi-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie. Prof. Zweiker ist wissenschaftlicher Leiter des Projektes “herz.leben” zur Prävention von Herz-Kreislaufereignissen bei PatientInnen mit erhöhtem Blutdruck.

Mit freundlicher Unterstützung von:

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