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Kurs Coronavirus und chronische Erkrankungen: Lektion 6 von 17

Coronavirus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Das Coronavirus löst derzeit bei vielen Menschen Unsicherheit und Besorgnis aus. Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, wie etwa Angina Pectoris, Bluthochdruck und Herzinsuffizienz, bleiben davon keineswegs unberührt, zählen sie doch zu denen, die ein höheres Risiko haben.

Ihre laufende Therapie mit Herzmedikamenten sollten Sie jedoch keinesfalls ohne Rücksprache mit der behandelnden Ärztin / dem behandelnden Arzt absetzen.

Wir haben hier für Sie Fragen und Antworten für Menschen mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen zusammengestellt. Diese Fragen werden laufend erweitert. Nachfolgend erfahren Sie, was Sie beachten sollten. Klicken Sie auf eine Frage um mehr zu erfahren.

Da sich der Wissensstand momentan laufend ändert, bitten wir Sie, sich zudem über die Internetpräsenz von offiziellen Stellen in Ihrer Region über die aktuelle Situation zu informieren.

Die Informationen werden empfohlen von:

Sind Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen RisikopatientInnen?

„Ein erhöhtes Risiko bei einer COVID-19-Erkrankung haben Menschen, die älter als 60 Jahre sind und neben Lungenerkrankungen auch an anderen chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. […]

Das neuartige Coronavirus scheint nach Einschätzung der Amerikanischen Kardiologie-Gesellschaft (ACC) auf Basis von Fallberichten aus China gerade für Menschen mit Grunderkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einem höheren Sterblichkeits- und Komplikationsrisiko verbunden zu sein. Mögliche Parallelen aus früheren Coronavirus-Epidemien (SARS/MERS) lassen laut ACC darauf schließen, dass bei Infektion mit COVID-19 möglicherweise auch eine Herzbeteiligung auftreten kann. Generell stellen bakterielle oder virale Infektionen eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. Diese Zusatzarbeit kann ein durch Erkrankung geschwächtes Herz überfordern. Vielen älteren Menschen fehlen außerdem die Kraftreserven, um dieser enormen Belastung entgegenzuwirken.

Wie riskant eine COVID-19-Ansteckung bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung werden kann, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Ein erhöhtes Risiko dürfte – unter Betrachtung des Gefährdungspotenzials bei anderen Virusinfektionen – insbesondere gelten für:

  • Patienten mit einer eigenständigen Erkrankung der Atemwege (z. B. Lungenentzündung, Lungenemphysem, Asthma, COPD, Hochdruck im Lungenkreislauf)
  • Patienten, die als Folge einer Herzerkrankung eine Funktionseinschränkung der Atemwege haben (z. B. Blutstauung im Lungenkreislauf als Folge der Herzschwäche)
  • Patienten, die eine voneinander unabhängig bestehende Atemwegs- und Herzerkrankung haben (z. B. COPD und koronare Herzkrankheit)
  • Patienten, die immunsupprimierende Medikamente einnehmen (z. B. nach Herztransplantation oder Verpflanzung eines anderen Organs)”

Quelle: https://www.herzstiftung.de/pressemeldungen_artikel.php?articles_ID=956 | Stand 13.03.2020

Können Herzmedikamente eine bestehende Infektion mit Coronavirus verschlimmern?

„Bei gewissen Herzmedikamenten wurden Bedenken geäussert, sie könnten eine bestehende Infektion mit dem Coronavirus verschlimmern. Dazu zählen ACE-Hemmer, Sartane und Mineralcorticoid-Rezeptor-Antagonisten. Sie werden insbesondere bei Bluthochdruck und Diabetes eingesetzt, aber auch bei anderen kardialen Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz. Aktuell gibt es keine gesicherten Daten, die diese Bedenken bestätigen. Im Gegenteil gibt es solche, die darauf hindeuten, dass diese Medikamente den Krankheitsverlauf sogar positiv beeinflussen. Die derzeitige Empfehlung der Fachgesellschaft für Kardiologie lautet entsprechend, die Therapie mit diesen Medikamenten unbedingt weiterzuführen. Im Zweifelsfall soll der behandelnde Arzt kontaktiert werden.“ Quelle: https://www.swissheart.ch/nc/de/news-anlaesse/news/news-detail/news/coronavirus-aktuelle-informationen.html | Stand 13.03.2020

Ich oder mein Kind leiden an einer Herz-Kreislauferkrankung. Was muss ich beachten?

„Menschen, die älter als 60 Jahre sind und an chronischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, haben bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus ein erhöhtes Risko für einen schweren Krankheitsverlauf.
Besonders Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten den üblichen Impfempfehlungen (Grippe- und Pneumokokkenimpfung) folgen, um etwa eine Doppelinfektion von Influenza (Grippe) und Covid-19 oder einer anderen Lungenkrankheit zu vermeiden. Achtung: Besteht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung am Coronavirus, sollte man sich nicht impfen lassen.
Für Kinder mit angeborenen Herzfehlern gelten die hier geschilderten Verhaltensregeln zum Schutz vor Ansteckung und beim Vorliegen eines Verdachts. Sie sollten besonders sorgfältig befolgt werden. Ein Anlass zu besonderer Sorge besteht aber nicht.“ Quelle: https://www.dhzb.de/de/presse/corona/ | Stand 13.03.2020

Wie kann man sich vor dem Coronavirus schützen?

„Wichtige Hygiene-Regeln:

  • Bei Verdacht auf COVID-19-Erkrankung nicht unangemeldet in eine Arztpraxis gehen, sondern sich vorher telefonisch beim örtlichen Gesundheitsamt oder beim ärztlichen Notdienst oder beim Hausarzt melden.
  • In der aktuellen Coronavirus-Epidemie ist die Telemedizin eine Alternative zum Besuch einer Arztpraxis: eine Beratungs- und Behandlungsoption in den eigenen vier Wänden ohne zusätzliches Ansteckungsrisiko. Außerdem werden die Arztpraxen vor Ort entlastet. Verdachtsfälle und Patienten (z. B. Herz-Kreislauf-Patienten) mit Beratungsbedarf sollten daher telemedizinische Sprechstundenangebote nutzen.
  • Wegdrehen beim Niesen oder Husten. Zwischen sich selbst und der anderen Person mindestens einen Meter Abstand halten.
  • Beim Husten und Niesen die Armbeuge vor Mund und Nase halten. Papiertaschentücher nur einmal benutzen und umgehend in einem Mülleiner mit Deckel entsorgen.
  • Wichtig: Gründliches Händewaschen (mindestens 20 Sekunden) nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten – mit einem Desinfektionsmittel auf Alkoholbasis oder mit Wasser und Seife.
  • Desinfektionsmittel benutzen, gerade nach Kontakt mit Gegenständen, die von vielen anderen auch berührt wurden (z. B. Türgriffe, Haltegriffe in öffentlichen Verkehrsmitteln, Einkaufswagen, Geländer, Tasten im Aufzug, …).
  • Große Menschenansammlungen und Reisen in betroffene Länder eher meiden oder sich zuvor über die Lage vor Ort genau erkundigen.
  • Besondere Risikopatienten (s. o.), die sich noch nicht durch eigenverantwortliches Handeln schützen können, durch besondere Aufmerksamkeit und Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen (siehe hier vor allem die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts) vor einer Ansteckung bewahren.
  • Als Verdachtsfall zählt dem RKI zufolge bisher derjenige, der sich in den vergangenen 14 Tagen in einem der internationalen Risikogebiete oder einem besonders betroffenen Gebiet in Deutschland aufgehalten hat oder Kontakt zu einem Infizierten hatte.
  • Auf mögliche Engpässe und Einschränkungen während einer intensiven Übertragungswelle vorbereiten, durch – eine ausreichende Monatsmenge an notwendigen verschreibungspflichtigen Medikamenten, – Sicherstellung der Betreuung von a) chronisch herzkranken und damit besonders gefährdeten Familienmitgliedern sowie von b) bereits Infizierten durch Isolierung.“

Quelle: https://www.herzstiftung.de/pressemeldungen_artikel.php?articles_ID=956 | Stand 13.03.2020

Welche besonderen Vorkehrungen gelten für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und angeborenem Herzfehler?

  • “Besonders hellhörig werden sollten ältere, Menschen, die Husten und Fieber haben. Bei Ihnen muss das Vorliegen einer COVID-19 Infektion bedacht werden.
  • In einer solchen Situation ist die konsequente Einnahme der ärztlich verordneten Medikamente ganz besonders wichtig.
  • Grippeschutzimpfung: Besonders Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten den üblichen Impfempfehlungen (Influenza- und Pneumokokkenimpfung) folgen, um etwa eine Doppelinfektion von Influenza und Covid-19 oder einer anderen Lungenkrankheit zu vermeiden. Achtung: Besteht jedoch – beispielsweise aufgrund von Erkrankungsfällen im eigenen Umfeld – die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung am Coronavirus, sollte man sich nicht impfen lassen.

Quelle: https://www.herzstiftung.de/pressemeldungen_artikel.php?articles_ID=956 | Stand 13.03.2020

Sind Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinnvoll?

„Besonders Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten den üblichen Impfempfehlungen (Grippe- und Pneumokokkenimpfung) folgen, um etwa eine Doppelinfektion von Influenza (Grippe) und Covid-19 oder einer anderen Lungenkrankheit zu vermeiden. Achtung: Besteht die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung am Coronavirus, sollte man sich nicht impfen lassen.“ Quelle: https://www.dhzb.de/de/presse/corona/ | Stand 13.03.2020

Sollten Blutdrucksenker aufgrund der Corona-Pandemie abgesetzt werden?

“Aktuelle Spekulationen verunsichern viele Patienten: Blutdrucksenker könnten anfälliger für Coronavirus-Infektionen machen. Daraus den Schluss zu ziehen, Medikamente abzusetzen, ist nach aktuellem Kenntnisstand unbegründet.

Zum einen gibt es Daten, denen zufolge genau diese Medikamente sogar vor einem Lungenversagen schützen könnten, zum anderen dürfe nicht unterschätzt werden, dass das Absetzen von Blutdrucksenkern zu hohen Gesundheitsrisiken führt. Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) rät Patientinnen und Patienten zur Besonnenheit. „Die derzeitige Datenlage rechtfertigt kein Absetzen der Medikamente“, so Professor Florian Limbourg, Hannover, Vorstandsmitglied der Deutschen Hochdruckliga DHL®. […]

„Der mögliche schädliche Einfluss von Blutdrucksenkern auf Virus-Infektanfälligkeit ist äußerst spekulativ. Hingegen könnten Blutdrucksenker bei schweren Verläufen Leben retten“, erklärt der MHH-Experte. „Der jetzige Kenntnisstand rechtfertigt also keinesfalls, Blutdrucksenker abzusetzen.“

Insbesondere warnt der Experte vor dem Absetzen oder der Reduktion der Dosis ohne vorherige Abstimmung mit dem Arzt. Insbesondere bei kardiovaskulären Hochrisikopatienten kann es in der Folge zu schweren Erkrankungen wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen kommen. „Damit würde man das Kind mit dem Bade ausschütten“.”
Quelle: https://www.hochdruckliga.de/pressemeldung/items/nicht-aus-angst-vor-corona-leichtfertig-die-blutdruckmedikation-absetzen.html | Stand 13.03.2020

Warum gibt es überhaupt Spekulationen, dass Blutdrucksenker anfälliger für Coronavirus-Infektionen machen könnten?

“Das SARS-CoV2 Virus nutzt zum Eintritt in die Zellen das Enzym ACE2. Dieses wird von Zellen der Lunge produziert, wo es auf der Zell-Oberfläche präsentiert wird und als Eintrittspforte für das Virus dienen kann. ACE2 wird aber auch in löslicher Form produziert und schwimmt dann quasi als Köder im Blut, was die Virusinfektion von Zellen deutlich unterdrückt. Mehr ACE2 könnte also positive oder negative Effekte im Rahmen einer Virusinfektion haben.

Wie kommen die Blutdruckmedikamente ins Spiel? ACE2 baut Blutdruckhormone des Renin-Angiotensin-Systems ab, welche von dem verwandten Enzym ACE gebildet werden. Gängige Blutdrucksenker, wie ACE-Hemmer und die so genannten Sartane, blockieren die Blutdruckhormonbildung oder -effekte, was in Studien an Ratten und einer Studie am Menschen zu einer leichten Erhöhung des ACE2 geführt hat.

Während die Bedeutung für die potentielle Infektanfälligkeit für SARS-CoV2 also völlig unklar ist, gibt es hingegen sehr überzeugende Daten für einen schützenden Effekt durch Blockade des Renin-Angiotensin-Systems bei schwerem Lungenversagen, dem so genannten ARDS („acute respiratory distress syndrome“). So zeigten mehrere Arbeiten, die im hochrenommierten Journal „Nature“ publiziert wurden, sehr klar, dass sowohl eine Erhöhung von ACE2, aber auch die Blockade von ACE, wie sie z. B. durch Blutdrucksenker erreicht wird, den Verlauf des ARDS günstig beeinflussen. Im Rahmen einer Lungenentzündung entwickelt die Hemmung des Renin-Angiotensin-Systems also vorteilhafte Effekte.”

Quelle: https://www.hochdruckliga.de/pressemeldung/items/nicht-aus-angst-vor-corona-leichtfertig-die-blutdruckmedikation-absetzen.html | Stand 13.03.2020

Zusammengestellt von Dr. med. Iris Herscovici: Stand ist bei der jeweiligen Frage ersichtlich

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