Transkript

Sehr geehrte Damen und Herren, ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und darf Ihnen nun ein bisschen etwas erzählen über Brustkrebsfrüherkennung in Zeiten von Corona.

Wie Sie wissen, befinden wir uns nun im zweiten Lockdown und haben Erfahrungen im Frühjahr schon mit dem ersten Lockdown sammeln können, und ich möchte Ihnen berichten, was diese Zeit für die Brustkrebsfrüherkennung in Österreich bedeutet hat.

Mamma-Screening

Worum geht es hier überhaupt?

  • Brustkrebs ist die häufigste krebsbedingte Todesursache bei der Frau.
  • Und wir haben in der Europäischen Union 130.000 Brustkrebs Todesfälle pro Jahr,
  • in Österreich immerhin 1.600 Fälle pro Jahr.

Nun, Krebs verursacht Angst. Und wir haben die berechtigte Annahme, dass man früh erkannten Krebs besser heilen kann als zu spät erkannten. Und aus diesem Grund hat man sich entschieden, gerade für die Brustkrebserkrankung Screening-Untersuchungen, kurz genannt Mama Screening einzuführen. Und in Österreich gibt es das seit2014, und in Deutschland schon ein paar Jahre länger.

In manchen skandinavischen Ländern, und von denen möchte ich Ihnen auch berichten, wurde das Brustkrebs-Screening überhaupt schon in den siebziger und achtziger Jahren eingeführt.

Randomized control trials

Worum geht’s? Kurz das hier: Sie sehen hier einen klinisch erkannten, das heißt einen bereits symptomatischen Brustkrebs. Das würde in der Mammographie so aussehen.

Und ein mammographisch erkennbarer, noch nicht tastbarer Brustkrebs sieht so aus.

Das heißt: Die Brustkrebs-Früherkennung will bewirken, dass man die Mehrzahl der Karzinome bereits in diesem Stadium bekommt und findet und nicht erst wartet, bis das Ganze so groß ist.

Wie Sie sich vorstellen können, ist das natürlich eine bessere Voraussetzung, sowohl für die Operation als auch für die Heilung insgesamt.

Early detection and treatment

Und was uns jetzt dabei interessiert: Wie lang dauert das denn? Das ist auch wichtig für unser heutiges Thema.

  • Es gibt Vorstufen, dass in situ-Karzinom.
  • Danach wächst das, wird immer größer. Man erkennt es daran, dass es eben so unscharf begrenzt ist,
  • bis es eben nach einiger Zeit in diesem großen Stadium auch klinisch erkennbar wird. Sie sehen hier eine Hereinziehung, und es ist auch als Knoten tastbar.

Das heißt, das ist der Weg, den ein kleiner Brustkrebs nimmt, bis er zu einem großen Brustkrebs wird.

20-year-cumulative survival of women

Und was bedeutet das jetzt für die spätere Zeit? Und hier sehen Sie die Überlebenskurven, hier von dem Frühstadium, von der Vorstufe bis zu einem 10 bis 14 Millimeter großen Tumor, ein 15 bis 19 Millimeter großer Tumor.

20-year-cumulative survival of women II

Das Ganze hier aufgetragen mit den Bildern. Das heißt eine Vorstufe, ein kleiner Tumor bis zum großen Tumor, was das bedeutet.

  • Und wie man sieht, haben die Vorstufen eine fast hundertprozentige Überlebenschance.
  • Die kleineren bis zu zwei Zentimeter immerhin noch etwa 90. Und das Ganze lässt sich auch noch nach 20 Jahren nachweisen.
  • Während hingegen bei den vier großen Tumoren, also diesem Stadium III und IV nach etwa zehn Jahren nicht einmal mehr die Hälfte der Patientinnen leben.

Aus diesen Zahlen, die man aus erhaltenen Daten herausfinden kann, hat sich eben die Überlegung ergeben: Wir müssen die Mammographie einsetzen, um Brustkrebs in diesem kleinen noch gut behandelbaren Stadium zu finden.

Und das hat eben zur Ausrollung von Brustkrebs-Programmen geführt, die eben die ganze Bevölkerung, die ganze weibliche Bevölkerung untersuchen will.

The Lancet, Saturday 13 April 1985

Das ist eine der ersten Publikationen. Und alle Bilder, die ich bis jetzt gezeigt habe, verdanke ich Herrn Professor Tabár, der eben bereits 1885 publizieren konnte im Lancet, eine sehr berühmte  wissenschaftliche Zeitung, dass es durch die Mammographie alleine, da rede ich jetzt noch nicht von einer verbesserten Therapie, die es mittlerweile auch gibt, sondern nur durch die starke Mammographie alleine bereits

  • zu einer 31-prozentigen Reduktion der Sterblichkeit an Brustkrebs kommt
  • und dass es zu einer 25-prozentigen Reduktion kommt von fortgeschrittenem Brustkrebs

im Vergleich zu einer Population und Frauen, die nicht zum Screening gehen.

Das ist sehr ermutigend. Das war eine schwedische Studie. Und ausgehend von diesen Daten aus Skandinavien und aus Schweden haben eben auch alle anderen Länder in Europa mittlerweile ein Screening-Programm eingeführt.

Herausforderungen und Strategien I

Das österreichische Screening-Programm umfasst Frauen von 45 bis 69. Es können sich allerdings auch Frauen von 40 bis 45 freiwillig hinein optieren, ebenso alle Frauen ab 70. Und das österreichische Programm ist offen für alle Frauen unabhängig vom Alter. Ab 70 eben auf freiwilliger Basis. Man kann optieren und dann unbegrenzt weiter teilnehmen.

Wie schaut das jetzt aus? Wie man hier sieht, tatsächlich die Mehrzahl der Teilnehmerinnen kommt aus der Altersgruppe 45 bis 69, und dies Opt In, das hier, sind die Frauen unter 45 und hier die Frauen über 70 nehmen nur in geringerem Maße tatsächlich am Screening teil.

Zweiter Evaluationsbericht

Das sind die Daten für 2014/15  und 16/17 aus dem zweiten Evaluationsbericht. Wir sehen, dass leider die Teilnahme nicht so gut ist, wie wir uns das wünschen würden. Es waren im ersten Durchgang überhaupt nur 37 Prozent, die teilgenommen haben, und dies konnte gering gesteigert werden, sodass wir jetzt auf 41 Prozent gekommen sind, die auf Einladung kommen. Und dazu kommen noch eine Anzahl von Frauen, die nicht im Screening-Programm sind und trotzdem regelmäßig zur Mammographie gehen, sodass insgesamt an der österreichischen Bevölkerung zirka die Hälfte, ca. 50 Prozent regelmäßige Teilnehmerinnen am Mamma-Screening sind.

In Deutschland sind die Zahlen etwas besser, aber an die skandinavischen Zahlen mit 70-80 Prozent Teilnehmerraten kommen wir leider nicht heran.

Erster Evaluationsbericht

Was sehen wir noch? Wenn man sich das genau aufschlüsselt, dann sieht man, dass die Zielgruppe von 50 bis 70, wenn man das jetzt nimmt, in der zweiten Dekade, das heißt Patienten, die dann von 60 bis 69 oder Frauen zwischen 60 und 69 Jahren weniger am Screening teilnehmen als die von 50 bis 59. Und das hängt damit zusammen, dass natürlich in der früheren Dekade mehr Frauen sind, die sich im Wechsel befinden, die Beschwerden haben und die daher öfter beunruhigt sind und auch zum Arzt gehen. Danach ist das weniger häufig der Fall.

Und es dürfte auch ein gewisser Irrtum vorliegen, auch durch die Medien und ihre Berichterstattung, dass Brustkrebs möglicherweise eher bei jüngeren Frauen auftritt. Das ist ja so nicht der Fall, sondern ganz im Gegenteil.

Altersspezifische Inzidenz Neuerkrankungen

Wenn man sich die Brustkrebs-Verteilung ansieht, dann sieht man eben, dass es tatsächlich, also bezogen auf die österreiche Zielgruppe 45, stark ansteigt, aber eben eine kontinuierliche Plateau-Phase. Es ist nicht so, dass es nach 60 zu einem Abfall kommt, sondern es bleibt kontinuierlich hoch .

Zweiter Evaluationsbericht Bewertung

Und dazu als Information: Das Durchschnittsalter der neu aufgetretenen Brustkrebs in Österreich beträgt 62 Jahre.

In der Gruppe der 60- bis 70-jährigen Frauen, die hat ein besonders hohes Erkrankungsrisiko, wie gesagt: Durchschnittsalter in Österreich 62 an neu aufgetretenen Brustkrebs, ist die Teilnehmerrate leider besonders niedrig.

Mein Vortrag heißt eben: „Probleme bei Corona“, da sieht man, dass das auch genau die Risikogruppe ist, die Corona-bedingt ein erhöhtes Risiko hat, vulnerabel ist, sodass die Gefahr besteht, dass die Teilnehmerrate in dieser Gruppe noch weiter absinkt, wenn diese Frauen sich jetzt in Zukunft nicht mehr zum Screening trauen.

Herausforderungen und Strategien II

Das wäre sehr schlecht, weil das haben wir bisher schon gesehen. Eine Studie der Universität Innsbruck durch die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie am 18. Österreichischen Zentrum hat gezeigt,

  • dass im Lockdown von März bis Mai 2020 um 40 Prozent weniger Mamma-Karzinome neu diagnostiziert wurden als im Vergleich zum selben Zeitraum des Jahres 2019.
  • Die Mammographie-Frequenz in dieser Zeit noch stärker um 70 bis 80 Prozent zurückgegangen, da keine Einladungen aus dem BKFP erfolgten.
  • Diese wurden zwischenzeitlich nachgeholt. Wir haben sehr viel aufholen können über den Sommer. Die Gesamtzahl der Untersucher liegt zumindest in den von mir überschaubaren Einrichtungen noch immer zirka 5 bis 10 Prozent unter denen des Vorjahres.

Und wir wissen noch nicht, wie viele Frauen jetzt ihre Untersuchungen nicht wahrnehmen werden, wo wir jetzt einen zweiten Lockdown haben und überdies wenig Sozialkontakte haben sollen.

Herausforderungen und Strategien III

Wir können auf Grund dieser Daten einmal annehmen, dass Frauen trotz Lockdown dann zur Untersuchung gehen, wenn sie mehr beunruhigt sind. Das sind vor allem Frauen, die irgendwelche Symptome haben. Auch die wurden auch damals schon immer untersucht, von den Radiologischen Institut eher angenommen. Daher können wir vernünftigerweise annehmen, dass es sich bei den 40 Prozent weniger diagnostizierten Fällen in erster Linie um sogenannte „Screen detected cancer“-Fälle handelt, also Frühstadien von asymptomatischen Frauen.

Mean Sojourn Time

Das heißt, wenn wir das jetzt überlegen, dann haben wir diese Stadien in dieser Zeit wahrscheinlich eher nicht gefunden, die Großen wurden trotzdem gefunden.

Und die bedeutendste Frage ist: Hat das eine Bedeutung? Ist das wichtig? Hat uns das jetzt sehr geschadet, der erste Lockdown.

Dann muss man sich mal anschauen: Wie lange dauert denn das? Wie lang ist die Zeit von hier bis hier?

Und das ist jetzt sehr unterschiedlich. Das hängt im Wesentlichen vom Tumortyp ab und auch von Alter der Frau.

Grundsätzlich kann man sagen:

  • Jüngere Frauen haben vermehrt aggressivere Karzinome. Dann geht das eher schneller.
  • Und bei älteren gibt’s einen größeren Anteil an weniger aggressiven Tumoren, sodass das Wachstum langsamer vor sich geht.

Wir sehen hier aufgetragen an verschiedenen Zelltypen, dass es eben zwischen ein und fünf Jahren dauert, bis ein klinisch unauffälliger Tumor zu einem klinisch auffälligen, das heißt zu einem tatsächlich symptomatischen tastbaren Tumor wird. Also etwa eineinhalb bis im besten Fall 4 Jahre, 5 Jahre.

Diagnose-/Therapieverzögerung und Prognose I

Was können wir noch sagen? Was bedeutet das? Im Prinzip reden wir über Therapieverzögerungen. Was bedeutet das für die Prognose?

  • Es gibt eindeutig sehr, sehr viele Studien, also 87 Studien weltweit wurden hier untersucht, bis dann 1996 mit über 100.000 Patientinnen, die eine signifikante inverse Beziehung gezeigt haben.
  • Eine zweite Studie hat 38 Studien, eine Metaanalyse hat 38 Studien durchgeführt, 53.000 Patientinnen.

All diese, bei 153.000 Patientinnen hat sich gezeigt insgesamt,

  • dass eine Verzögerung von drei bis sechs Monaten sich im 5-Jahres-Überleben niederschlägt und zu einer Verschlechterung des 5-Jahres-Überlebens von etwa 7 Prozent führt,
  • mehr als 6 Monate sogar zu einer Verschlechterung des 5-Jahres-Überleben um 12 Prozent.

Diagnose-/Therapieverzögerung und Prognose II

Das waren allerdings alles bereits große tastbare Tumoren gewesen.

Wir wissen nicht so genau, wie sich das auswirkt auf den sogenannten Screen detected Tumor, das heißt ein Tumor, der noch nicht wirklich tastbar ist.

Das können Sie sich auch gut vorstellen, weil grundsätzlich ist die Tumorverdopplungszeit ja dieselbe, ob jetzt eine Zelle zu zwei Zellen oder eine Million Zellen zu zwei Millionen Zellen werden. Das heißt, je größer ein Tumor ist, umso rapider geht die Vergrößerung. Und da kann man sich dann auch vorstellen, dass da natürlich die Prognose noch wesentlich schlechter wird.

Bei einem reinen Screen Detect Tumor, das heißt es bleibt weiterhin auch beim zweiten Mal, wo man das sieht, noch immer ein nicht symptomatischer Tumor, dann ist die genaue Bedeutung für die Prognose nicht so klar, vor allem, wenn er sich nur um eine Vergrößerung im Bereich desselben Stadiums handelt. Das heißt, der Tumor wird zwar optisch größer, wir wissen aber nicht so genau, was das heißt, weil wir innerhalb derselben Stadien nicht so genau unterscheiden.

Screening-Vergleich

Das heißt von diesem, in dem Fall weiß man das, das war eine Screening Runde etwa eineinhalb Jahre Zeitraum, hat sich dieser Tumor natürlich, hier sehr wesentlich deutlicher zuerkennen als hier. Hier wurde er übersehen. Das kann eben, wenn Sie sich diese Mammographie anschauen, passieren. Das sind sehr viele Flecken. Das wurde eben aus irgendwelchen Gründen übersehen.

Und das war eine Screening-Runde später. Das ist aber immer noch ein Stadium T1 N0, immer noch ein Stadium I.

Und zwischen diesen beiden Stadien gibt’s halt eigentlich wenig Differenzierungsmöglichkeit. Ob da hier eine Prognoseverschlechterung überhaupt eingetreten ist, kann man nicht sagen. Aber der Zeitraum war hier eben eineinhalb Jahre.

Diagnose-/Therapieverzögerung und Prognose III

Es gibt aber auch andere Daten. Und diese Daten, hier z.B. Yorkshire, wir wissen, dass es im Vereinigten Königreich manchmal zu sehr langen Wartezeiten gekommen ist, wurden 36.000 Patientinnen untersucht. Und da fand sich kein Hinweis, dass eine untersucherbedingte Therapieverzögerung von bis zu 90 Tagen mit einer verschlechterten Prognose korreliert.

Herausforderungen und Strategien IV

Das heißt, wenn man das mit den anderen Daten zusammen ergibt, dass eine Phase von bis zu drei Monaten vermutlich noch keine größere Bedeutung und Verschlechterung zur Folge haben wird.

Die Frauen mit Symptomen werden ganz sicher auf jeden Fall trotzdem zu Untersuchungen kommen.

Und wir werden, wie schon vorher ausgeführt, eher die Frühstadien verloren haben.

Aus all dem Gesagten ergibt sich, aus den Folgen des ersten Lockdowns, also lediglich acht Wochen, sind vermutlich nicht als dramatisch einzustufen.

Herausforderungen und Strategien V

Anders verhält es sich jedoch, wenn sich das Verhalten verfestigt und man eben dauerhaft nicht zu den Mammographien geht, weil dann natürlich die Zeit voranschreitet und, wie ich zeigen konnte, nach ein bis zwei Jahren doch schon auch ein Stadien-Shift erfolgen kann.

Das heißt, dass es vom Stadium I auf ein Stadium II geht, und dann sind sehr wohl eher Verschlechterungen und auch eine Zunahme der Mortalität zu erwarten.

Wir haben aus dem ersten Lockdown gelernt: Wir wussten damals nicht genau, wie die Übertragungswege sind. Wir wussten nicht genau, wie wir uns schützen können, und aus diesem Grund wurden auch fast alle nicht wirklich notwendigen Untersuchungen zurückgestellt.

Das ist jetzt im Lockdown 2.0 nicht mehr so. Es sind alle Arztpraxen geöffnet. Wir versuchen alle Maßnahmen zu ergreifen, die wir kennen, sowohl auf Patientenseite als auch selbstverständlich auf unserer Seite, wir tragen FFP2-Masken, wir desinfizieren, und ich denke, das spiegelt sich darin wider, dass wir das sehr wenige Ansteckungen im Gesundheitsbereich gesehen haben, unter ein Prozent aller Untersucher einer Ansteckung waren wirklich im medizinischen Bereich an den Mitarbeitern selbst. Und es ist daher sehr wichtig, das Vertrauen der Frauen in das österreichische Gesundheitswesen zu bestärken.

Die radiologischen Institute sind sehr gut ausgerüstet. Und die Brustkrebs-Untersuchungen können gefahrlos regelmäßig durchgeführt werden.

Und ich appelliere an alle Frauen, ihre Untersuchungen nicht zu lange zu verschieben, da ein paar einzelne Wochen sicherlich keine Rolle spielen. Aber wenn es sich dann summiert und jahrelang keine Untersuchungen erfolgen, dann kann das sicher eine Bedeutung sowohl für die einzelne Frau als auch für die Gesamtbevölkerung bedeuten, weil dann eben die Spätstadien und dann in weiterer Folge auch die Todesfälle wieder zunehmen können.

Brustkrebsfrüherkennung in Zeiten von Corona

Danke vielmals.

Fragen

Ich habe jetzt auch einige Fragen von Patientinnen bekommen, und die würde ich jetzt gerne beantworten.

Frage 1

Da habe ich als erste Frage: Sollen Patientinnen die Brustkrebsvorsorge in Zeiten von Corona besser verschieben?

Ich glaube, das hat sich schon durch den Vortrag beantwortet: Wenn es sich um eine Zeit von ganz kurzen akuten Phasen führt, dann sicher ist das kein Problem. Allerdings nicht dauerhaft. Und ich denke, dass man nicht zu lange warten sollte.

Frage 2

Gleich die nächste Frage: Kommt es zur Corona-Pandemie zu Terminproblemen bzw. Wartezeiten bei der Brustkrebsvorsorge?

Nein, es sind derzeit alle in Österreich am Brustkrebs-Früherkennungsprogramm teilnehmende Stellen geöffnet. Und da ja naturgemäß ein bisschen weniger Patientenaufkommen ist, wir versuchen auch Wartezeiten sehr zu vermindern, ist das kein Problem. Wir haben ausreichend Termine, und auch Wartezeiten sind nicht zu befürchten, da wir insbesondere infolge der Corona-Pandemie auch sehr bestrebt sind, an den Standorten keinerlei größere Patientengruppen beisammen stehen zu lassen, sondern dass wir das sehr gut und sehr viel schneller als vorher abhandeln und versuchen, eben auch da mitzuwirken.

Frage 3

Wirkt sich die Corona Pandemie auf die Kapazitäten von Diagnose-Labors aus, auch für Mammografie?

Nein, wir können alle Untersuchungen wie auch immer durchführen, weil wir ausreichend Kapazität haben. In Österreich haben wir ein dezentrales System. Das heißt, wir haben viele, viele Einheiten, und die sind bei weitem nicht ausgelastet und können alle Untersuchungen wie gewohnt mit größter Sicherheit durchführen.

Frage 4

Sind Programme wie Früherkennung, z.B. für Brustkrebs durch die Überlastung des Gesundheitssystems gefährdet?

Nein, auch in den Abläufen hat sich nichts geändert, und wir können alle Untersuchungen wie immer durchführen.

Frage 5

Wie sollen sich Patientinnen verhalten, wenn sie bei Ärztinnen keinen Termin bekommen?

In Deutschland ist das anders, weil das ein zentrales System ist, wo die Patientinnen, die Frauen einen Termin bei einem fixen Institut bekommen. In Österreich gibt es eine freie Arztwahl. Ich würde einfach anrufen. Und man sollte, wenn möglich immer zu seinem Stamminstitut gehen, weil dort die Vorbilder auch sich befinden. Wenn absolut kein Termin zu haben ist, kann man auch auf ein anderes Institut wechseln. Aber im Allgemeinen sollte ein Termin kein Problem sein.

Frage 6

Kann es im Fall einer Brustkrebsdiagnose durch die Pandemie zu Behandlungsverzögerungen kommen?

Nein, das ist eigentlich auch nicht anzunehmen. Schon im ersten Lockdown haben wir alle Frauen, die mit Verdacht auf Brustkrebs gekommen sind, auch tatsächlich behandeln können. Und wir haben auch hierbei Erfahrungen gemacht. Am Anfang im ersten Lockdown waren wir insbesondere bei Chemotherapien etwas zurückhaltender, weil wir noch nicht gewusst haben, wie sich die Therapie auswirkt, falls eine Patientin tatsächlich auch Corona bekommen sollte. Das wissen wir mittlerweile und haben auch die Therapien adaptiert, dass sie auch während der Pandemie durchgeführt werden können.

Das heißt: Sollten Sie Symptome haben, bitte lassen Sie die abklären. Bitte warten Sie nicht. Es ist überhaupt nicht zu erwarten, dass es zu Behandlungsverzögerungen bei Krebserkrankungen kommt.

Frage 7

Sollen Patienten im Fall einer Brustkrebsdiagnose aus Corona-Sicherheitsgründen mit einer Therapie zuwarten?

Nochmals: Nein. Sie sollten Ihre Vorsorgeuntersuchungen machen lassen. Wenn sich der Verdacht auf Brustkrebs ergibt, muss man das abklären, sollte es auch gleich machen und in Brustgesundheitszentren wird dann alles weitere veranlasst. Und es sollte die Therapie gefahrlos möglich sein.

Frage 8

Die nächste Frage: Guten Tag, Frau Dr. Resch, ist es ist schlimm, wenn ich meinen Vorsorgetermin ein halbes Jahr nach hinten verlege? Ich hatte vorher noch nie einen auffälligen Befund, mache mir aber Sorgen, dass etwas nicht frühzeitig erkannt wird.

Ja, noch einmal: Ich würde kein halbes Jahr warten. Ich denke, dass es durchaus möglich ist, jetzt einen Vorsorgetermin wahrzunehmen, und ich denke, dass österreichische Institutionen sehr sicher sind und Infektionen vermeiden können.

Frage 9

Wie gehe ich damit um, wenn ich als Corona-Patient meine Vorsorge wahrnehmen muss?

Für Corona-Risikopatienten denke ich dasselbe. Ich denke, dass auch Sie Ihre Vorsorgeuntersuchungen wie gewohnt wahrnehmen können.

Frage 10

Muss ich vorher der Praxis speziell etwas mitteilen?

Ich denke, es kann nicht schaden, wenn man das der Institution mitteilt, dass die vielleicht bei der Terminisierung noch besonders Rücksicht nehmen auf Randtermine oder dass Sie möglichst wenig andere Sozialkontakte während der Vorsorgeuntersuchung haben.

Frage 11

Meine Frauenärztin, mein Frauenarzt macht keine Termine für Vorsorge, und ich möchte doch unbedingt die Untersuchung haben. Kann ich darauf bestehen? Und welche Alternative habe ich?

Das ist in Österreich auch kein Problem. Es kann die Brustkrebs-Früherkennung direkt freigeschaltet werden beim Radiologischen Institut. Das heißt, wenn Sie eine Vorsorgeuntersuchung haben möchten, können Sie auch direkt zum Radiologen Ihres Vertrauens gehen und die dort durchführen lassen. Wenn Sie schon freigeschaltet sind, das heißt, es sind alle Frauen von 45 bis 69 Jahren alle zwei Jahre zu einer Vorsorge-Mammographie freigeschaltet. Wenn dies der Fall ist, kann diese gleich auch ohne Zuweisung durchgeführt werden.

Sollte sich in der Untersuchung etwas ergeben, so kann der Radiologe die weitere Abklärung veranlassen und Sie auch gleich in ein Brustgesundheitszentrum weiter überweisen.

Frage 12

Ich hatte bereits Brustkrebs und muss zu meiner Nachsorgeuntersuchen. Ich habe Angst mich im Wartezimmer der Klinik anzustecken und will die Untersuchung lieber absagen. Ist das sinnvoll?

Das ist eine schwierige Frage. Grundsätzlich gilt da dasselbe. Ich denke aber, es hängt von mehreren Faktoren ab. Ich würde versuchen, mit Ihrer betreuenden Ärztin oder dem betreuenden Zentrum Kontakt aufzunehmen, wie die das derzeit handhaben. Es gibt die Möglichkeit, wenn Sie jetzt keine Symptome haben und das eine normale Nachsorgeuntersuchung ist, dann wird viel auch bereits virtuell und online besprochen.

Und fragen Sie Ihren behandelnden Arzt, und ich denke, der kann das besser beurteilen im Einzelfall, ob das vertretbar ist, die Nachsorgeuntersuchung ein wenig zu verschieben.

Bei Frauen, die vor vielen Jahren behandelt worden sind, ist es sicherlich leicht möglich. Bei anderen ist es vielleicht wichtig, dass sie zur Untersuchung kommen.

Das ist eine individuelle Entscheidung und ich denke, Sie sollten Ihren behandelnden Arzt dazu befragen.

Frage 13

Ich möchte aufgrund der aktuellen Umstände nicht zur Vorsorge gehen. Wie kann ich daheim mögliche Anzeichen von Brustkrebs erkennen?

Ja, das ist schwierig, weil wie vorhin ja bereits ausgeführt, wollen wir ja genau diese Brustkrebsfälle finden, die man nicht zu Hause erkennen kann. Es ist auf jeden Fall mal gut, sich selbst zu beobachten und eine Tastuntersuchung durchzuführen, die Haut zu beobachten, die Brustwarze, ob es irgendwelche Veränderungen gibt. Das kann schon mal etwas helfen. Aber Vorstufen und besonders kleine Karzinome kann man eben zu Hause nicht erkennen. Und das ist ja genau der Sinn der Vorsorge und Früherkennungs-Mammografie.

Frage 14

Wie lange nach einer Corona-Infektion soll ich warten, bis ich wieder zum Frauenarzt gehen kann?

Ich würde also zumindest die offizielle Quarantäne-Zeit abwarten. Wenn man einen neuerlichen Test macht, dann gibt es jetzt schon Möglichkeiten zu erkennen, ob man noch infektiös ist. Es sollte also ein Ct-Wert von über 30 vorliegen. Im Prinzip, wenn das keine akute Indikation ist, dann würde ich schon einige Wochen nach einer Corona-Infektion warten, bis man wieder einen Arzt aufsucht, da man ja im Wartezimmer unter Umständen ja auch Risikopopulation treffen kann.

So, wenn ich jetzt keine weiteren Fragen habe, und so schaut es aus, dann darf ich mich bedanken für das Interesse und wünsche Ihnen noch viel Freude an den folgenden Vorträgen und einen schönen Sonntag.

Danke!

Brustkrebsfrüherkennung in Zeiten von Corona

22.11.2020 | 10.05 – 10.35 Uhr

Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Resch, Fachärztin für Radiologie, informiert in ihrem Vortrag darüber, wie sich die Corona-Pandemie auf die Brustkrebsfrüherkennung auswirkt. Soll man als Patientin nun besser auf Vorsorgeuntersuchungen verzichten? Beeinträchtigt die Pandemie die routinemäßigen Abläufe? Ist es überhaupt möglich, Termine zur Brustkrebsfrüherkennung zu bekommen, und wie sollen sich Patientinnen verhalten, wenn sie auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet werden?

Hinweis: In diesem Beitrag sind Fotos von medizinischen Eingriffen zu sehen.

Vortragende

Univ.-Prof. Dr. Alexandra Resch

Fachärztin für Radiologie
Univ.-Prof. Mag. Dr. Alexandra Resch

Univ. Prof. Dr. Alexandra Resch ist Radiologin und Radioonkologin mit Schwerpunkt Brustkrebs. Sie ist Leiterin des Röntgeninstituts im Franziskusspital Margareten, affiiliertes Zentrum zum Brustgesundheitszentrum WIEN (am AKH der MeduniWien).

Mit freundlicher Unterstützung von:

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