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Kurs Coronavirus und chronische Erkrankungen: Lektion 10 von 18

Coronavirus und neurologische Erkrankungen

Das Coronavirus löst derzeit bei vielen Menschen Unsicherheit und Besorgnis aus. Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie Parkinson, Multipler Sklerose oder neuromuskulären Erkrankungen bleiben davon keineswegs unberührt.

Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind MS-Erkrankte und Parkinson-Erkrankte durch die Erkrankung selbst grundsätzlich nicht stärker gefährdet als vergleichbare gesunde Personen. Bei geschwächter Atemmuskulatur und manchen Medikamenten besteht ein erhöhtes Risiko, es wird jedoch davon abgeraten ohne ärztlichen Rat Änderungen an der medikamentösen Therapie vorzunehmen.

Wir haben hier für Sie Fragen und Antworten für Menschen mit neurologischen Erkrankungen aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen zusammengestellt. Diese Fragen werden laufend erweitert. Nachfolgend erfahren Sie, was Sie beachten sollten. Sie auf eine Frage, um mehr zu erfahren.

Da sich der Wissensstand momentan laufend ändert, bitten wir Sie, sich zudem über die Internetpräsenz von offiziellen Stellen in Ihrer Region über die aktuelle Situation zu informieren.

Die Informationen werden empfohlen von:

Besteht bei MS-Erkrankten ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren?

„MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten oder mit Interferon beta (Avonex, Extavia, Betaferon, Plegridy, Rebif) und Glatirameracetat (Copaxone, Clift) behandelt werden, sind grundsätzlich nicht stärker gefährdet als gleichartige gesunde Personen.

Besteht allerdings eine stärkere Behinderung (Rollstuhl, Bettlägerigkeit) ist das Risiko generell für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet zwar nicht, dass das Infektionsrisiko höher ist als bei Gesunden, aber das Risiko, bei einem Kontakt mit dem Corona-Virus schwer zu erkranken, ist höher.

Es gibt bisher aus Asien und Europa nur wenige Einzelfallberichte zu MS-Erkrankten, die von einer Corona-Infektion betroffen sind. Aus diesen kann man keine allgemeinen Rückschlüsse auf einen besonderen Verlauf bei MS-Erkrankten ziehen.

Die momentan bekannte Zahl der in Deutschland infizierten MS-Patienten liegt jedoch deutlich unter dem statistisch erwarteten Wert und unterstützt die Annahme, dass kein primär erhöhtes Risiko aufgrund der MS besteht.
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 27.03.2020

Ist eine Schubtherapie mit Cortison noch anzuraten?

„Eine Cortison-Pulstherapie kann kurzfristig das Infektionsrisiko erhöhen. Bei einem Schub sollte daher sorgfältig besprochen werden wie sich der MS-Erkrankte nach dem Cortisonpuls vor einer möglichen Infektion schützen kann. Hilfreich und sinnvoll ist sicher bei Berufstätigkeit gegebenenfalls eine begrenzte Arbeitsunfähigkeit in Anspruch zu nehmen. Die Notwendigkeit einer Cortison-Pulstherapie sollte bei sehr leichten Schüben abgewogen werden. Mit regelmäßigen in Intervallen verabreichten Cortison-Therapien sollte – nach unserer Einschätzung – zunächst pausiert werden.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 14.04.2020

Besteht unter einer Therapie mit Natalizumab/Tysabri möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Die Behandlung kann – nach bisherigen Einschätzungen – uneingeschränkt weiter fortgeführt werden, da kein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen besteht.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 14.04.2020

Besteht unter einer Therapie mit Dimethylfumarat/Tecfidera möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Bei normalen Lymphocytenzahlen kann davon ausgegangen werden, dass das Infektionsrisiko nicht erhöht ist.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 14.04.2020

Besteht unter einer Therapie mit Teriflunomide/Aubagio möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Bei den Dosierungen in der MS-Therapie ist ein erhöhtes Infektionsrisiko nicht anzunehmen.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 14.04.2020

Besteht unter einer Therapie mit Modulatoren Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptoren (Fingolimod/Gilenya und Siponimod/Mayzent) möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Unter diesen Therapien besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko, insbesondere von Atemwegserkrankungen. MS-Erkrankte, die auf diese Therapien eingestellt sind, sollten sie trotzdem fortführen, da bei Absetzen das Risiko einer Krankheitsaktivierung besteht. Therapeutische Neueinstellungen sollten zum jetzigen Zeitpunkt sorgfältig überlegt werden. Dieser Hinweis ist auch auf den Wirkstoff Ozanimod anzuwenden (aktualisiert am 03.04.2020). Ozanimod könnte nach Fingolimod und Siponimod der dritte S1P-Rezeptor-Modulator zur Behandlung der MS werden.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 14.04.2020

Besteht unter einer Therapie mit sogenannte depletierende Immuntherapien (Ocrelizumab/Ocrevus, off-label Rituximab/Mabthera, Cladribin/Mavenclad, Alemtuzumab/Lemtrada, Mitoxantron) möglicherweise ein erhöhtes Infektionsrisiko mit dem Corona-Virus?

„Diese Therapien erhöhen das Infektionsrisiko insbesondere unmittelbar nach der Infusionsbehandlung. Da es sich bei Ocrelizumab und Rituximab um Intervalltherapien handelt, ist auch eine Verlängerung des Intervalls individuell zu diskutieren, ohne dass die Gefahr einer Aktivierung der MS besteht.

Die therapeutische Wirkung von Cladribin beruht auf einer erwünschten Verminderung der weißen Blutzellen. Dieser Effekt ist unmittelbar nach der jährlichen Gabe (jeweils zwei Behandlungswochen im Abstand von vier Wochen) in Jahr 1 und Jahr 2 am stärksten und geht auch mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Die Effekte auf die weißen Blutkörperchen halten individuell unterschiedlich lange an, damit ist auch das Infektionsrisiko von MS-Erkrankten mit einer Cladribin-Therapie individuell einzuschätzen. MS-Erkrankte, bei denen der zweite Therapie-Zyklus nach einem Jahr ansteht, sollten diesen hinausschieben oder gegebenenfalls Vorkehrungen treffen, um die Infektionsgefahr herabzusetzen. Das Infektionsrisiko ist in den ersten vier Wochen nach der letzten Gabe am höchsten. Besondere hygienische Maßnahmen, auch bezüglich der Außenkontakte, sollten ohnehin eingehalten werden.

Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Alemtuzumab. Auch bei dieser Immuntherapie kommt es bei der jährlichen Gabe (in der Regel Jahr 1 und Jahr 2) zu einer langanhaltenden erwünschten Veränderung der weißen Blutzellen, wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Auch hier ist eine Wiederholung der Therapie sorgfältig zu prüfen. Neueinstellungen sind zum jetzigen Zeitpunkt unter Berücksichtigung der Zulassungsänderung nur bei hochaktiver MS und dem Fehlen anderer therapeutischer Möglichkeiten zu erwägen.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 14.04.2020

Sollten TeilnehmerInnen klinischer Studien etwas Bestimmtes beachten?

„Patienten, die an Therapiestudien mit Immuntherapeutika teilnehmen, werden über die Sicherheitsgremien (Safety boards) gegebenenfalls über das weitere Vorgehen mit der Studienmedikation informiert.“
Quelle: https://www.dmsg.de/multiple-sklerose-news/ms-therapien/empfehlungen-fuer-multiple-sklerose-erkrankte-zum-thema-corona-virus | Stand 14.04.2020

Wie wirken sich Medikamente zur Behandlung der MS auf die Abwehrkraft aus?

„Bislang ist nicht bekannt, wie sich dieses neue Corona-Virus auf MS-Betroffene auswirkt.
Im Rahmen der MS-Behandlung kommen Medikamente mit immunmodulierendem Wirkmechanismus und Immunsuppressiva zum Einsatz. Erstere, dazu gehören in erster Linie die Interferon-beta Präparate und Copaxone®, führen nicht zu einer nennenswerten Unterdrückung des Immunsystems, und es besteht daher auch – nach derzeitigem Stand – kein erhöhtes Risiko.

Menschen mit MS, die Medikamente erhalten, die das Immunsystem teilweise unterdrücken, können ein gering erhöhtes Risiko für Komplikation im Rahmen von Viruserkrankungen haben. Dieses liegt jedoch im einstelligen Bereich.“

– Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Barbara Kornek, Präsidentin der MS-Gesellschaft Wien

Quelle: https://www.msges.at/2020/03/neuartiges-coronavirus-und-multiple-sklerose | Stand 13.03.2020

Habe ich mit Parkinson ein erhöhtes Risiko?

„Für Parkinsonbetroffene besteht kein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Für gewisse Betroffene besteht aber ein höheres Risiko eines schwereren Verlaufs.

Bei fortgeschrittener Parkinsonkrankheit besteht nach der Ansteckung mit dem Coronavirus – wie bei anderen Virusinfektionen – ein leicht erhöhtes Risiko für Komplikationen.“

Quelle: https://www.parkinson.ch/index.php?id=142&tx_ttnews%5Btt_news%5D=829&cHash=86b2186be292627ec862003e7bbf7245 | Stand 01.04.2020


„Nein. Es besteht kein erhöhtes Risiko, sich aufgrund einer Parkinson-Erkrankung mit dem Virus anzustecken. Bei einem fortgeschrittenen Stadium von Parkinson steigt jedoch wie bei jeder anderen Viruserkrankung auch das Risiko für Komplikationen leicht an.“

Quelle: https://www.parkinson.lu/de/news/coronavirus-information?fbclid=IwAR19X6vnZKRGdqhWLHV3WLgEGrYvluJZNsj2QGtztoOHx-AqOxymDrGYGbg | Stand 20.03.2020

Wie soll ich mit meinen anstehenden Terminen bei meinem Arzt verfahren?

“Wenn von Ihrer Seite aus keine unmittelbare Notwendigkeit für den Termin besteht, sollte dieser verschoben werden. Rezepte für Ihre Medikamente können nach telefonischer Anfrage von Ihrem Arzt ausgestellt und Ihnen per Post übersandt werden. Wenn Sie gesundheitliche Bedenken haben, rufen Sie Ihren behandelnden Arzt an, bevor Sie die Praxis aufsuchen.”

Quelle: https://www.parkinson.lu/de/news/coronavirus-information?fbclid=IwAR19X6vnZKRGdqhWLHV3WLgEGrYvluJZNsj2QGtztoOHx-AqOxymDrGYGbg | Stand 15.04.2020

Soll ich als Parkinson-Erkrankter meine Termine für die Physiotherapie/Logopädie/etc. wahrnehmen?

„Nein. Besprechen Sie mit ihren Therapeuten telefonisch und lassen sich beraten, welche Übungen Sie stattdessen zu Hause absolvieren können. […] Bitte beachten Sie jedoch, dass diese Übungen nicht ihre regulären Physiotherapie-Sitzungen ersetzen können. Bitte absolvieren Sie außerdem nur jene Übungen, die Sie sich zutrauen.“

Quelle: https://www.parkinson.lu/de/news/coronavirus-information?fbclid=IwAR19X6vnZKRGdqhWLHV3WLgEGrYvluJZNsj2QGtztoOHx-AqOxymDrGYGbg | Stand 15.04.2020

Sollte ich meinen Physio- oder sonstige Therapeuten statt dessen um Hausbesuche bitten?

“Alle physischen Kontakte zu anderen Menschen sollten vermieden werden. Daher raten wir davon ab, Hausbesuche zu vereinbaren. Bitte ziehen Sie statt dessen in Erwägung, selbst einige Übungen durchzuführen (Physiotherapie, Ergotherapie, Orthophonie).”

Quelle: https://www.parkinson.lu/de/news/coronavirus-information?fbclid=IwAR19X6vnZKRGdqhWLHV3WLgEGrYvluJZNsj2QGtztoOHx-AqOxymDrGYGbg | Stand 15.04.2020

Muss ich mir Sorgen machen, nicht genügend Medikamente zu haben?

“Nein, dazu besteht kein Grund. Wenn Ihre Parkinson-Medikamente zur Neige gehen, sollte Sie ihren Hausarzt oder Neurologen telefonisch kontaktieren, um ein neues Rezept zu erhalten. Anschließend können Sie Menschen in Ihrem Umfeld bitten, das Rezept bei der Apotheke einzulösen. Es gibt derzeit einige Initiativen und Vereine […], die Menschen mit ihren Besorgungen helfen, wenn dieses das Haus nicht verlassen können oder sollten.”

Quelle: https://www.parkinson.lu/de/news/coronavirus-information?fbclid=IwAR19X6vnZKRGdqhWLHV3WLgEGrYvluJZNsj2QGtztoOHx-AqOxymDrGYGbg | Stand 15.04.2020

Sind Personen mit einer neuromuskulären Erkrankung Risikopatienten?

“Nationale Fachverbände und internationale neuromuskuläre Netzwerke (DGM, EURO-NMD, u.a.) haben Empfehlungen zur Auswirkung von Coronavirus SARS-CoV2 Infektion und der Lungenerkrankung Covid-19 auf neurologische Erkrankungen und ihre Behandlung zusammengestellt.

Diese Dokumente ordnen das Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19 Erkrankung aktuell für neuromuskuläre Erkrankungen als hoch bis moderat für alle milden Formen ein.

Folgende Symptome kennzeichnen ein hohes bis sehr hohes Risiko für einen schweren COVID-19 Erkrankungsverlauf, z.B.:

  • Muskuläre Schwäche der Atemhilfsmuskulatur oder des Zwerchfells mit daraus resultierender Abnahme des respiratorischen Volumens unter 60% des vorhergesagten Volumens (FVC kleiner 60%), speziell bei Patienten mit Kyphoskoliose
  • Nutzung eine Beatmung mittels Maske oder Tracheostoma
  • Schwacher Hustenstoss und schlechte Atemwegsreinigung durch oropharyngeale Schwäche
  • Vorhandenes Tracheostoma
  • Kardiale Erkrankung (ohne / mit Medikation)
  • Risiko der Verschlechterung durch Fieber, Fasten, Infektion
  • Risiko der Rhabdomyolyse
  • Zusätzlicher Diabetes mellitus und Übergewicht
  • Patienten unter Kortikoidtherapie und / oder andere Immunsuppression”

Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/coronavirus-sars-cov2-infektion-covid-19-erkrankung-und-menschen-mit-neuromuskulaeren-erkrankungen | Stand 01.04.2020


„Alle PatientInnen mit Muskeldystrophie, genetisch-bedingter Myopathie, spinaler Muskelatrophie und amyotropher Lateralsklerose (ALS) sind Risikopatienten, da potentiell alle diese Krankheiten die Atemmuskulatur beeinträchtigen können.

PatientInnen mit entzündlichen und autoimmunen Muskelerkrankungen (Myositis, Myasthenia Gravis), die immunsuppressive Medikamente nehmen, sind ebenfalls RisikopatientInnen“

Quelle: https://www.dgm.org/aktuelles/aktuelles-meldungen/meldungen/coronavirus-hinweise-covid-19-virus-patientinnen-patienten | Stand: 10.3.2020

Sind Personen mit einer neuromuskulären Erkrankung Risikopatienten?

“Nationale Fachverbände und internationale neuromuskuläre Netzwerke (DGM, EURO-NMD, u.a.) haben Empfehlungen zur Auswirkung von Coronavirus SARS-CoV2 Infektion und der Lungenerkrankung Covid-19 auf neurologische Erkrankungen und ihre Behandlung zusammengestellt.

Diese Dokumente ordnen das Risiko für einen schweren Verlauf der COVID-19 Erkrankung aktuell für neuromuskuläre Erkrankungen als hoch bis moderat für alle milden Formen ein.

Folgende Symptome kennzeichnen ein hohes bis sehr hohes Risiko für einen schweren COVID-19 Erkrankungsverlauf, z.B.:

  • Muskuläre Schwäche der Atemhilfsmuskulatur oder des Zwerchfells mit daraus resultierender Abnahme des respiratorischen Volumens unter 60% des vorhergesagten Volumens (FVC kleiner 60%), speziell bei Patienten mit Kyphoskoliose
  • Nutzung eine Beatmung mittels Maske oder Tracheostoma
  • Schwacher Hustenstoss und schlechte Atemwegsreinigung durch oropharyngeale Schwäche
  • Vorhandenes Tracheostoma
  • Kardiale Erkrankung (ohne / mit Medikation)
  • Risiko der Verschlechterung durch Fieber, Fasten, Infektion
  • Risiko der Rhabdomyolyse
  • Zusätzlicher Diabetes mellitus und Übergewicht
  • Patienten unter Kortikoidtherapie und / oder andere Immunsuppression”

Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/coronavirus-sars-cov2-infektion-covid-19-erkrankung-und-menschen-mit-neuromuskulaeren-erkrankungen | Stand 01.04.2020


„Alle PatientInnen mit Muskeldystrophie, genetisch-bedingter Myopathie, spinaler Muskelatrophie und amyotropher Lateralsklerose (ALS) sind Risikopatienten, da potentiell alle diese Krankheiten die Atemmuskulatur beeinträchtigen können.

PatientInnen mit entzündlichen und autoimmunen Muskelerkrankungen (Myositis, Myasthenia Gravis), die immunsuppressive Medikamente nehmen, sind ebenfalls RisikopatientInnen“

Quelle: https://www.dgm.org/aktuelles/aktuelles-meldungen/meldungen/coronavirus-hinweise-covid-19-virus-patientinnen-patienten | Stand: 10.3.2020

Wie können sich Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen vor einer Infektion schützen?

“Das neue Coronavirus SARS-CoV2 und die damit verbundenen Lungenerkrankung COVID-19 wird durch eine Tröpfcheninfektion übertragen, wenn eine infizierte Person hustet, niest oder spricht. Möglicherweise ist die Tröpfcheninfektion auch über Oberflächen durch Berührung übertragbar. Patienten mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19 Erkrankung sollten folgende Vorsorgemaßnahmen treffen:

  • Soziale Distanzierung von mindestens 2 Metern Abstand. Für Hochrisiko-Patienten wird eine Selbstisolation / häusliche Quarantäne empfohlen.
  • Patienten sollten, wenn möglich, von zuhause arbeiten.
  • Vermeiden Sie größere Menschenansammlungen und den öffentlichen Nahverkehr. Patienten sollten nur zwingend notwendige Besuche erhalten.
  • Häufiges Handwaschen (20 Sekunden mit Seife und warmen Wasser), Nutzung von 60% alkoholbasierter Händedesinfektion und Oberflächendesinfektion sind wichtig.
  • Haushaltsangehörige und Pflegende sollten in derselben Hausgemeinschaft leben. Notwendige außerhäusliche Pflegende (z.B. für die Heimbeatmung) sollten eine Schutzmaske (FPP2-Standard) tragen, um eine Verbreitung des Corona-Virus zu vermeiden.
  • Häusliche Physiotherapie sollte unterbleiben, aber Physiotherapeuten sollten per Telefon/Videolink die Therapie bestmöglich fortführen.
  • Sie sollten auf alle Eventualitäten vorbereitet sein, wenn z.B. die Assistenz durch Krankheit/Quarantäne abwesend ist. Die Person, die die häusliche Pflege organisiert, sollte jederzeit einen Überblick über die Personalsituation haben. Ein Notfallplan für den Einzelnen sollte vorliegen, um eine Krankenhauseinweisung bestmöglich zu vermeiden.

Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/coronavirus-sars-cov2-infektion-covid-19-erkrankung-und-menschen-mit-neuromuskulaeren-erkrankungen | Stand 01.04.2020

Welche Behandlungskonsequenzen hat das Risiko einer Coronavirus SARS-CoV2 Infektion für Patienten mit einer neuromuskulären Erkrankung?

  • “Patienten sollten sich versichern, eine ausreichende Menge an Medikamenten und Hilfsmitteln (speziell für die Heimbeatmung) für eine Quarantänephase bis zu einem Monat zuhause zu haben.
  • Patienten und Pflegende sollten online oder telefonisch bei der Apotheke und dem Hilfsmittellieferanten bestellen.
  • Patienten und Pflegende sollten mit Notfallmaßnahmen für den Zustand, die Gerätschaften und die Erkrankung vertraut sein.
  • Patienten mit Duchenne Muskeldystrophie unter Kortisontherapie sollten ihre Medikation fortsetzen. Eine Kortisontherapie sollte nicht plötzlich beendet werden. Es kann sein, dass der neuromuskuläre Spezialist die Dosierung anpassen und / oder erhöhen muss.
  • Eine Immunsuppression bei Myositis, Myasthenia gravis und Polyneuropathien sollte nicht unterbrochen werden, außer es liegen spezifische Umstände vor und das Absetzen erfolgt in Rücksprache und auf Empfehlung eines neuromuskulären Spezialisten.
  • Isolation/Quarantäne kann Einfluss auf eine spezifische Behandlung haben (z.B. Gabe von Spinraza, Myozyme, IVIg und Rituximab Infusionen oder Behandlungen im Rahmen von klinischen Studien). Diese Behandlungen sollten nur nach Rücksprache mit den behandelnden Zentren gestoppt werden. Wenn möglich, sollte ggf. vorübergehend eine ambulante Fortführung diskutiert werden. IVIg kann ggf. auf ein subkutanes Immunoglobulin umgesetzt werden.”

Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/coronavirus-sars-cov2-infektion-covid-19-erkrankung-und-menschen-mit-neuromuskulaeren-erkrankungen | Stand 01.04.2020

Was wird zur Aufrechterhaltung einer Heimbeatmung bei Quarantäne benötigt?

  • “Notfall-Telefonnummer und Email des zuständigen Neuromuskulären Zentrums
  • Patienten sollten einen aktuellen Arztbrief haben
  • Beatmete Patienten sollten vom Neuromuskulären Zentrum ggf. aktiv kontaktiert werden, um Hilfestellungen für Beatmung /Beatmungszubehör leisten zu können”

Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/coronavirus-sars-cov2-infektion-covid-19-erkrankung-und-menschen-mit-neuromuskulaeren-erkrankungen | Stand 01.04.2020

Wann sollten Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen um stationäre Aufnahme in einem Krankenhaus bitten, wenn sie Infektionszeichen entwickeln?

“Eine ambulante Vorstellung sollte, wenn immer möglich, vermieden werden. Das kann eine schwierige Entscheidung sein. Patienten mit einer neuromuskulären Erkrankung sollten sich bewusst sein, dass:

  • Der Notfalldienst und die Notaufnahme unter großem Druck stehen können
  • Die Bundesländer und Krankenhäuser haben unterschiedliche Vorgehensweisen und Aufnahmekriterien. Das betrifft besonders die mögliche Aufnahme auf eine Intensivstation. Das medizinische Personal kann am Anfang eine Krankheitseinschätzung „unbehandelbar“ mit „nicht therapierbar“ verwechseln. Neuromuskuläre Erkrankungen sind zwar oft noch unbehandelbar, aber sie sind definitiv symptom-orientiert therapierbar, was für eine Entscheidungsfindung sehr wichtig ist.
  • Die Nutzung der eigenen Heimbeatmungsmaschine kann aus hygienisch-infektiologischen Gründen im Krankenhaus verboten sein.”

Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/coronavirus-sars-cov2-infektion-covid-19-erkrankung-und-menschen-mit-neuromuskulaeren-erkrankungen | Stand 01.04.2020

Kann die Behandlung des Coronavirus SARS-CoV2 und der Covid-19 Erkrankung Einfluss auf eine neuromuskuläre Erkrankung haben?

  • “Zahlreiche spezifische Behandlungsmöglichkeiten für Covid-19 werden aktuell untersucht. Einige davon werden neuromuskuläre Funktionen signifikant beeinflussen: z.B. Chloroquin und Azithromyzin sind für Patienten mit einer Myasthenia gravis kontraindiziert, es sei denn eine Beatmungsmöglichkeit ist vorhanden.
  • Andere Behandlungen können spezifisch neuromuskuläre Erkrankungen beeinträchtigen: besonders gefährdet sind metabolische, mitochondriale, myotone Erkrankungen und Erkrankungen der neuromuskuläre Endplatte wie die Myasthenia gravis. Ebenso können anatomische Besonderheiten Einfluss auf die Therapie haben, z.B. zu längeren
    Beatmungszeiten führen.
  • Experimentelle Therapien für Covid-19 können als sog. individueller Heilversuch angeboten werden. Dies erfolgt in der Regel außerhalb klinischer Studien. Diese individuellen Heilversuche sollten nur nach Rücksprache mit einem neuromuskulären Spezialisten erfolgen.”

Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/coronavirus-sars-cov2-infektion-covid-19-erkrankung-und-menschen-mit-neuromuskulaeren-erkrankungen | Stand 01.04.2020

Sollte die immunsuppressive Therapie bei Myasthenie- oder LEMS-Patienten vorsichtshalber abgesetzt oder reduziert werden?

“Immunsuppressive Medikamente sind ein wichtiger Teil der effektiven Therapie von Autoimmunerkrankungen. Bei der Behandlung der Myasthenia gravis und des Lambert-Eaton-Myasthenen Syndroms werden zur Immunsuppression Steroide (Prednison, Prednisolon, Methylprednisolon), Azathioprin, Mycophenolat Mofetil, Methotrexat, Ciclosporin A, Eculizumab und Rituximab eingesetzt. Grundsätzlich können alle suppressiv wirkenden Medikamente die Anfälligkeit gegenüber Infektionen mit den verschiedensten Erregern erhöhen, bei einer regelrecht durchgeführten Therapie allerdings nur minimal. Im Gegensatz dazu führt eine Reduktion oder gar das Absetzen einer bestehenden wirkungsvollen immunsuppressiven Therapie nicht selten zu einer erheblichen Verschlechterung der myasthenen Beschwerden und damit auch zu lebensbedrohlichen Situationen. Um diese zu beherrschen müssen erneut immunsuppressive Therapieverfahren, zumeist im Rahmen von Aufenthalten im Krankenhaus und ggf. auf Intensivstation, eingesetzt werden, die letztlich mit einer stärkeren Schwächung des Immunsystems verbunden sind. Zusammenfassend wird daher das mit einer Reduktion bzw. einem Absetzen immunsuppressiver Medikamente verbundene Risiko für die Verschlechterung der Myasthenia gravis/LEMS deutlich höher eingeschätzt als das Risiko, aufgrund der bestehenden immunsuppressiven Therapie eine Verschlechterung einer Covid-19-Erkrankung (durch das neue Corona-Virus SARS-CoV-2) zu erleiden. Die bestehende immunsuppressive Therapie hat – nach allem was wir wissen – keinen Einfluss auf das Risiko sich mit SARS-CoV-2 anzustecken oder selber ansteckend zu sein. Insgesamt wird daher dringend davon abgeraten, die immunsuppressiven Medikamente eigenständig abzusetzen.”
Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/stellungnahme-zur-aktuellen-corona-virus-sars-cov-2-pandemie | Stand 02.03.2020

Wie kann ich mich als Myasthenie- oder Lambert-Eaton-Patient vor einer Ansteckung schützen?

“Es gelten die gleichen Regeln wie bei anderen Erkältungskrankheiten und der Grippeinfektion. Zu Menschen in der Umgebung, die husten oder niesen sollte mindestens ein Meter Abstand gehalten werden. Grundsätzlich sollte man am besten in ein Einwegtaschentuch oder in die Armbeuge husten oder niesen, jedoch nicht in die Hände, um eine Verbreitung der Erreger über die Hände zu vermeiden. Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit nachfolgendem Abtrocken der Hände senkt das Erkrankungsrisiko deutlich. Auf Händeschütteln sollte ebenso wie zur „Grippezeit“ verzichtet werden, um die Übertragung der Viren zu verhindern. Erreger können auch an Oberflächen wie Türklinken haften bleiben. Diese können über die Berührung mit den Händen dann durch Berührungen im Mund-, Nase- oder Augenbereich über die Schleimhäute in den Körper gelangen. Um Ansteckungen zu vermeiden, sollten daher Berührungen im Gesicht mit ungewaschenen Händen vermieden werden. In Gebieten, in denen das Virus nachgewiesen wurde, sollten Menschenansammlungen vermieden werden. Das Tragen von Schutzmasken (Mund- und Nasenschutz) wird nur Personen mit direktem Kontakt zu infizierten Patienten empfohlen, insbesondere medizinischem Personal und Angehörigen von Infizierten. Ebenso sollten Erkrankte Schutzmasken tragen, um das Risiko der Virus-Übertragung auf andere Mitmenschen zu reduzieren. Das Robert-Koch-Institut weist darauf hin, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass “das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert.” Im Gegenteil, damit kann ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugt und wirksame Hygienemaßnamen vernachlässigt werden.”
Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/stellungnahme-zur-aktuellen-corona-virus-sars-cov-2-pandemie | Stand 02.03.2020

Sollte ich mich als PatientIn mit Myasthenia gravis oder Lambert-Eaton-Syndrom gegen Infektionserkrankungen impfen lassen?

“Impfen kann gegen zahlreiche Infektionskrankheiten effektiv schützen. Impfungen sind auch bei Patienten, die an Myasthenia gravis oder LEMS leiden sinnvoll. Grundsätzlich gilt, dass nur sogenannte Totimpfstoffe in dieser Patientengruppe eingesetzt werden sollten. Dies gilt auch wenn eine immunsuppressive Therapie besteht. Für das neue Corona-Virus Covid-19 gibt es derzeit noch keinen Impfstoff. Für die aktuell auftretende Grippe- sowie Pneumokokken-Infektionen sind Totimpfstoffe verfügbar. Sowohl die Grippe (Influenza) als auch die Pneumokokken-Lungenentzündung kann lebensbedrohlich verlaufen. Das Risiko an Erkrankungen durch diese Erreger zu erkranken ist im Vergleich zum neuen Corona-Virus derzeit deutlich höher.”
Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/stellungnahme-zur-aktuellen-corona-virus-sars-cov-2-pandemie | Stand 02.03.2020

Könnte es zu Engpässen bei den Myasthenie-Medikamenten kommen?

Für Deutschland gilt:

“Unsere Versorgung mit Medikamenten ist gesichert, sodass in diesem Bereich keine Probleme zu erwarten sind (falls wir nicht dazu übergehen, auch diese überflüssigerweise zu hamstern)!”
Quelle: https://dmg-online.de/aktuell/gedanken-unseres-vorsitzenden-zur-sars-cov-2-lage | Stand 16.03.2020

Was muss ich als Patient mit einer neuromuskulären Erkrankung ohne Virusinfektion beachten?

  • “Begeben Sie sich nur im Notfall ins Krankenhaus oder in eine Arztpraxis. Verschieben Sie jährliche Routine-Untersuchungen. Im Krankenhaus oder der Arztpraxis besteht eine erhöhte Gefahr der Ansteckung.
  • Lassen Sie keine elektiven (nicht-notfallmäßigen) Eingriffe im Moment durchführen (Muskelbiopsie, Schlaflabor-Monitoring, Lungenfunktion)
  • Prüfen Sie Ihren Impfstatus für die jährlich empfohlene Influenza-Impfung. Diese ist auch jetzt noch sinnvoll durchzuführen falls kein Impfschutz besteht. Besprechen Sie telefonisch die Möglichkeit, die Impfung zu Hause verabreicht zu bekommen.
  • Auch Keuchhusten- und Pneumokokken-Impfungen sind möglich und ggf. sinnvoll, aber dazu kann auf der Website keine allgemeine Empfehlung abgegeben werden.
  • Folgen Sie darüber hinaus den allgemeinen Anweisungen, die über die Presse verbreitet werden: Vermeidung von Menschenmengen, allgemeine Hygiene, häufiges Händewaschen
  • Bleiben Sie zu Hause”

Quelle: https://www.dgm.org/aktuelles/aktuelles-meldungen/meldungen/coronavirus-hinweise-covid-19-virus-patientinnen-patienten | Stand 12.03.2020

Zusammengestellt von Dr. med. Iris Herscovici: Stand ist bei der jeweiligen Frage ersichtlich

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