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Kurs Coronavirus und chronische Erkrankungen: Lektion 6 von 18

Coronavirus bei Rheuma und anderen Autoimmunerkrankungen

Das Coronavirus löst derzeit bei vielen Menschen Unsicherheit und Besorgnis aus. Menschen mit einer rheumatoiden Arthritis, Schuppenflechte (Psoriasis), Lupus erythematodes oder einer anderen Autoimmunerkrankung bleiben davon keineswegs unberührt, zählen sie doch zu denen, die ein höheres Risiko haben.

PatientInnen mit einer Autoimmunerkrankung sind durch die Grunderkrankung an sich, aber auch durch die eingenommene Medikation einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Eine Therapie mit Immunsuppressiva sollte jedoch keinesfalls ohne Rücksprache mit der behandelnden Ärztin / dem behandelnden Arzt abgesetzt werden.

Wir haben hier für Sie Fragen und Antworten für Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen zusammengestellt. Diese Fragen werden laufend erweitert. Nachfolgend erfahren Sie, was Sie beachten sollten. Klicken Sie auf eine Frage um mehr zu erfahren.

Die Informationen werden empfohlen von:

Bin ich mit einer Autoimmunerkrankung besonders gefährdet?

„Als Risikogruppe gelten Menschen ab dem 60. Lebensjahr, aber auch Patienten mit Immunsuppression. Dies betrifft damit auch Betroffene mit einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung wie rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew, Lupus erythematodes oder Vaskulitis. Medikamente wie Cortison, Methotrexat, JAK-Inhibitoren oder die Biologika regeln das Immunsystem herunter und führen somit zur Infektanfälligkeit. Diese Medikamente sollten trotzdem keinesfalls ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden, da die aktive, entzündliche Rheumaerkrankung selbst ist in der Regel für eine Ansteckung durch Virusinfektionen gefährlicher als die Therapie dieser Erkrankung mit den genannten Medikamenten.“ Quelle: https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/rki-empfiehlt-corona-test-fuer-risikopatienten-mit-symptomen | Stand 26.03.2020


„Bisherige Studien zum Infektionsrisiko bei autoimmunen Erkrankungen belegen ein bis zweifach erhöhtes Risiko für Infektionskrankheiten, z.B. Infektionen der Atemwege, aber auch die Schwere und der Verlauf der Erkrankung sind massiver.“

– Dr. med. Johannes Fröhlich, Oberarzt an der Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie am Inselspital in Bern

Quelle: https://www.rheumaliga.ch/blog/2020/infektionen-immunsuppression-impfungen | Stand: 24.2.2020

Als Grund für eine erhöhte Infektionsanfälligkeit findet man überall zwei Faktoren genannt: 1. die Krankheit selber und 2. die medikamentöse Unterdrückung des Immunsystems. Wie sind diese zwei Faktoren zu gewichten?

„Bei einer autoimmunen Erkrankung kommt es infolge einer Fehlsteuerung des Immunsystems zu einer Bekämpfung körpereigener Strukturen. Dadurch können Krankheitserreger deutlich später erkannt und weniger effizient bekämpft werden. Eine effiziente Abwehr setzt das harmonische Zusammenspiel unterschiedlicher Zellen und Botenstoffe des Immunsystems voraus, vergleichbar einem großen Orchester. Dieses Zusammenspiel ist bei autoimmunen Erkrankungen gestört.

Andererseits unterdrücken Medikamente, welche zur Behandlung autoimmuner Erkrankungen eingesetzt werden, absichtlich das Immunsystem, um die überschießende Fehlsteuerung zu korrigieren oder zumindest zu dämpfen. Dabei ist ein erhöhtes Infektionsrisiko in Kauf zu nehmen.

Die Erhöhung des Infektionsrisikos ist abhängig vom gewählten Arzneimittel, der Art und der Intensität der Erkrankung, aber auch von Begleiterkrankungen, welche das Risiko ebenfalls beeinflussen können. Manche Medikamente erhöhen das Infektionsrisiko kaum bis gar nicht, andere gehen deutlich mit einem höheren Risiko einher. Einige Medikamente sind dafür bekannt, ein höheres Risiko nur für ganz bestimmte Infektionskrankheiten zu haben. Über alle diese Zusammenhänge muss die Patientin oder der Patient informiert werden, damit im Ernstfall frühzeitig behandelt werden kann.“

– Dr. med. Johannes Fröhlich, Oberarzt an der Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie am Inselspital in Bern

Quelle: https://www.rheumaliga.ch/blog/2020/infektionen-immunsuppression-impfungen | Stand: 24.2.2020

Haben Personen mit Autoimmunerkrankungen, die Immunsuppressiva einnehmen, bei einer Infektion mit dem Coronavirus ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf?

„Patienten mit Autoimmunerkrankungen, zum Beispiel entzündlichem Rheuma, haben oftmals ein geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr schwächen, wie Cortison) und unterliegen daher einem erhöhten Risiko für schwere Verläufe.“ Quelle: https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/coronavirus-infos-fuer-menschen-mit-rheuma | Stand 03.04.2020

Kann ich meine Immunsuppressiva absetzen, um mich zu schützen?

„Immunsuppressiva (z.B. Kortison, Methotrexat, Biologika, JAK-Inhibitoren) sollten keinesfalls ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden! Eine aktive, unbehandelte entzündliche Rheumaerkrankung ist in der Regel gefährlicher für eine Ansteckung mit einer Viruserkrankung als ein mit immunsupressiven Medikamenten gut eingestelltes entzündliches Rheuma.​“ Quelle: https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/coronavirus-infos-fuer-menschen-mit-rheuma | Stand 03.04.2020


„Generell wird empfohlen, Therapien mit Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken, trotz der Coronavirus-Pandemie fortzuführen. Auch bei immunsupprimierten Patienten scheint die Infektion mehrheitlich milde zu verlaufen.

Im Einzelfall mag der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin die Lage anders einschätzen und immunsupprimierende Medikamente vorsorglich für eine Weile absetzen. Entscheiden Sie das aber nicht auf eigene Faust! Nehmen Sie Rücksprache und folgen Sie den ärztlichen Anweisungen.“ Quelle: https://www.rheumaliga.ch/blog/2020/coronavirus-haeufig-gestellte-fragen | Stand 10.04.2020


Immunsuppressiva sind hilfreich um einer Verschlechterung Ihrer rheumatischen oder Muskel-Skelett-Erkrankung vorzubeugen. Wenn Sie diese Medikamente ab.setzen, kommt es möglicherweise zu einem Krankheitsschub. Über die Auswirkung dieser Medikamente auf eine mögliche Corona-Infektion wissen wir derzeit noch nicht genug, um Ihnen in dieser Hinsicht offizielle Empfehlungen anbieten zu können. Deshalb raten wir Ihnen, Ihre Medikation zu diesem Zeitpunkt nicht auszusetzen oder zu reduzieren, außer Sie erhalten von Ihre Ärztin / Ihr Arzt aus einem bestimmten Grund andere Anweisungen. Übersetzt aus dem Englischen | Quelle: https://www.eular.org/eular_guidance_for_patients_covid19_outbreak.cfm | Stand 17.03.2020

Können Heilmittel-Therapien wegen der Coronavirus-Pandemie derzeit für einen längeren Zeitraum als gewöhnlich unterbrochen werden?

für Deutschland gilt:

„Heilmittel wie Physio- und Ergotherapie sind ein wichtiger Bestandteil der Therapie bei Menschen mit Rheuma. Wegen der Coronavirus-Pandemie können Heilmittel-Therapien derzeit für einen längeren Zeitraum als gewöhnlich unterbrochen werden.
Bislang durften vom Arzt verordnete Therapien maximal 14 Tage unterbrochen werden und zwischen Verordnung und Therapiebeginn maximal 14 Tage liegen. Diese Fristen sollen derzeit nicht mehr geprüft werden, empfehlen die Krankenkassenverbände auf Bundesebene. Die Empfehlung gilt vorerst bis zum 30. April 2020.

Das müssen Rheuma-Betroffene wissen
Dr. Matthias Schmidt-Ohlemann, Vorstandsmitglied der Deutschen Rheuma-Liga, gibt für eine Unterbrechung folgende Hinweise:

  1. Der Therapeut oder der Patient kann die Termine absagen.
  2. Die vorhandene Verordnung kann später weiter genutzt werden, wenn eine Therapie wieder möglich ist.
  3. Aus ärztlicher Sicht sollten Heilmittelbehandlungen in der Regel abgesagt werden, auch wenn sie als Hausbesuch erfolgen, da eine Infektion durch einen Therapeuten auch bei Schutzkleidung und Hygienemaßnahmen nicht sicher auszuschließen ist. Auch kommt es in den Praxen oder auf dem Weg dorthin meist zu Fremdkontakten. Besonders Patienten, die mit Methotrexat, Biologika oder anderen immunsuppressiven Therapien behandelt werden, sollten ihre Heilmittel-Therapien möglichst unterbrechen.
  4. Es gibt Fälle, bei denen eine Unterbrechung der Therapie problematisch ist: Zum Beispiel nach einer Operation oder einer Verletzung, wenn unmittelbar Einsteifungen von Gelenken drohen. In diesen Fällen ist zu empfehlen, das Vorgehen mit dem behandelnden Arzt abzusprechen.
  5. Der behandelnde Arzt kann gegebenenfalls die Schmerzmedikation anpassen.
  6. Alle Patienten mit rheumatischen Erkrankungen sollten in dieser Zeit selbst für die notwendige Bewegung sorgen und selbst unter Beachtung der bisher erfolgten ergo- und physiotherapeutischen Hinweise aktiv sein. Betroffene sollten dabei die Übungen anwenden, die sie in der Therapie, beim Funktionstraining oder während der Reha erlernt haben. Sie sollten sich gegebenenfalls von den Angehörigen oder anderen Bezugspersonen helfen lassen, zum Beispiel bei Übungen zum Treppensteigen.

Per Videobehandlung oder telefonischer Beratung dürfen Therapien aktuell ausnahmsweise durchgeführt werden. Das gilt für die Physiotherapie – zum Beispiel für das orthopädische Turnen – und auch in der Bewegungstherapie für das Beispiel „Atemgymnastik auf neuropysiologischer Grundlage“. Außerdem darf online therapiert werden bei der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Ernährungstherapie. Zuvor müssen jedoch der Betroffene und der Therapeut zustimmen.​“ Quelle: https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/coronavirus-und-rheuma-unterbrechung-der-heilmittel-therapie | Stand 25.03.2020

Ich hätte demnächst eine Rheuma-Routineuntersuchung, soll ich diese absagen?

Falls Sie eine Rheuma-Routineuntersuchung vereinbart haben, wäre es sinnvoll, Ihre Ärztin / Ihren Arzt oder Ihre Rheumatologin / Ihren Rheumatologen zu fragen, ob dieser Termin unbedingt erforderlich ist, ob er ohne Bedenken verschoben werden kann, oder ob der Termin über das Telefon oder ein anderes Remote-Gerät durchgeführt werden kann. Die Verfügbarkeit solcher Einrichtungen variiert möglicherweise in verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung.Übersetzt aus dem Englischen | Quelle: https://www.eular.org/eular_guidance_for_patients_covid19_outbreak.cfm | Stand 17.03.2020

Sind Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken sinnvoll?

„Grundsätzlich ist für Betroffene von Autoimmunerkrankungen ein umfassender Impfschutz von hoher Bedeutung, um beispielsweise das Risiko für Influenza- und Pneumokokken-Infektionen (Lungenentzündung) zu reduzieren.“ Quelle: https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/coronavirus-infos-fuer-menschen-mit-rheuma | Stand 13.03.2020


Soweit noch nicht geschehen, sollten Sie sicherstellen, dass Ihr Impfschutz den EULAR Empfehlungen und/oder Ihren nationalen Richtlinien entspricht. Gegenwärtig sollten dabei besonders Impfungen gegen Influenza, aber auch Keuchhusten und Pneumokokken, mit Priorität behandelt werden. Übersetzung aus dem Englischen | Quelle: https://www.eular.org/eular_guidance_for_patients_covid19_outbreak.cfm | Stand 17.03.2020

Habe ich als PsoriatikerIn ein höheres Ansteckungsrisiko?

„Fakt ist: grundsätzlich ist das Risiko einer Infektion mit dem SARS-CoV-2 nicht höher als das derzeitige Ansteckungsrisiko für andere respiratorische Keime (z.B. Influenza), denn wir haben derzeit ohnehin Grippewelle. Insofern gelten für Psoriasis-Patienten, die ansonsten gesund sind, die gleichen Vorsichtsmaßregeln wie für Alle: Händehygiene, Abstand halten von Erkrankten (1-2 m), sowie die Beachtung der Husten- und Nießetikette (in den Ellbogen, Gebrauch von Einmaltaschentücher und diese gleich nach dem Gebrauch entsorgen)“

Mehr Informationen zur richtigen Hygiene erfahren Sie in der Lektion Hygiene zum Schutz vor dem Coronavirus

Quelle: https://www.bvdd.de/aktuelles-presse/newsroom/hautarztnews/details/news/corona-infektion-selbst-bei-psoriasis-unter-systemtherapie-kein-grund-zur-panik/ | Stand: 17.3.2020

Sollte ich meine Psoriasis-Medikamente absetzen?

„Die Frage, ob eine Psoriasis-Systemtherapie [Anm.: Tabletten] prophylaktisch abgesetzt werden sollte, ist nur im Einzelfall zu beantworten. Bei den alljährlichen Grippewellen der letzten Jahre haben wir bislang nicht dazu geraten. Letztlich hängt es vom Gesundheitszustand des Einzelnen und von den Wirkstoffen ab: für Patienten, die unter ihrer Immuntherapie auch bislang häufiger Infekte erlitten und/oder eine zusätzliche Lungenerkrankung haben, kommt eine Therapiepause ggfs. in Betracht. […]

Insgesamt sei im Rahmen der Fragestellung Psoriasis-Systemtherapie und SARS-CoV-2-Infektion auch darauf hingewiesen, dass nicht bekannt ist, ob ein nach Absetzen der Immuntherapie wieder „fehlgesteuertes“ Immunsystem überhaupt einen besseren Ansteckungsschutz darstellt.“

Quelle: https://www.bvdd.de/aktuelles-presse/newsroom/hautarztnews/details/news/corona-infektion-selbst-bei-psoriasis-unter-systemtherapie-kein-grund-zur-panik/ | Stand: 17.3.2020

Ein starkes Immunsystem ist lebenswichtig. Was können autoimmunkranke Menschen tun, um es unter einer immunsuppressiven Therapie zu stärken?

„Das Problem der autoimmunen Erkrankungen ist ein zu starkes, ein überschiessendes Immunsystem. Stärkt man es zusätzlich, besteht das Risiko einer vermehrten Aktivität der Grunderkrankung. So kann es sein, dass die Stärkung des Immunsystems einen Schub der Grunderkrankung auslöst. Dieses ist z.B. von Echinacea bekannt, welches gerne zur Stärkung des Immunsystems genutzt wird. Es kann bei Lupus-Betroffenen einen Schub auslösen.

Daher ist bei «immunstärkenden Mitteln» Vorsicht geboten. Es werden diesbezüglich sehr viele Präparate und Rezepte auf dem Markt angepriesen. Vor dem Beginn einer entsprechenden Kur sollte man seine Pläne unbedingt mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Allgemein kann man sagen, dass eine ausgewogene Ernährung, moderater Sport und ausreichende Erholungszeiten gut für das Immunsystem und die Gesundheit sind.“

– Dr. med. Johannes Fröhlich, Oberarzt an der Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie am Inselspital in Bern

Quelle: https://www.rheumaliga.ch/blog/2020/infektionen-immunsuppression-impfungen | Stand: 24.02.2020

Was sollte ich beachten, falls ich mich infiziere?

Sollte eine Infektion bei Betroffenen mit entzündlichen rheumatischen Erkrankungen festgestellt werden, nehmen Sie telefonisch Kontakt mit dem Rheumatologen auf, um zu besprechen, wie die Therapie verändert werden muss.

Quelle: https://www.rheuma-liga.de/aktuelles/detailansicht/coronavirus-infos-fuer-menschen-mit-rheuma | Stand: 03.04.2020

Zusammengestellt von Dr. med. Iris Herscovici: Stand ist bei der jeweiligen Frage ersichtlich

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