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Kurs Coronavirus und chronische Erkrankungen: Lektion 13 von 17

Coronavirus und Hämophilie

Das Coronavirus löst derzeit bei vielen Menschen Unsicherheit und Besorgnis aus. Hämophile bleiben davon keineswegs unberührt.

Derzeit gibt es keinen Hinweis dafür, dass das Infektionsrisiko bei Menschen mit Hämophilie erhöht ist. Auch Versorgungsengpässe sind nicht zu erwarten. Bei einer Erkrankung am Coronavirus ist allerdings eine enge Absprache mit dem betreuenden Hämophilie-Behandlungszentrum wichtig.

Wir haben hier für Sie Fragen und Antworten für Menschen mit Hämophilie aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen zusammengestellt. Diese Fragen werden laufend erweitert. Nachfolgend erfahren Sie, was Sie beachten sollten. Klicken Sie auf eine Frage um mehr zu erfahren.

Da sich der Wissensstand momentan laufend ändert, bitten wir Sie, sich zudem über die Internetpräsenz von offiziellen Stellen in Ihrer Region über die aktuelle Situation zu informieren.

Die Informationen werden empfohlen von:

Welche Empfehlungen gibt es für Hämophilie Patienten, die derzeit mit Standardpräparaten oder Präparaten mit verlängerter rekombinanter Halbwertszeit (Faktor FVIII bzw. IX), FEIBA, FVIIa oder Emicizumab behandelt werden?

  1. “Es gibt keinen Grund, das empfohlene Behandlungsschema zu ändern.
  2. Zum jetzigen Zeitpunkt ist kein Mangel an Behandlungsmaterial, Herstellungsprobleme oder eine Unterbrechung der Lieferkette zu befürchten.
  3. Wenden Sie sich an Ihr Behandlungszentrum, wenn Ihr Lagerbestand an Faktor zu Hause oder im Krankenhaus zur Neige geht.
  4. Wenn Sie eine Heimselbstbehandlung durchführen, bestellen Sie nicht mehr Faktor Konzentrate als Sie benötigen. Dies schließt eine gewisse Reserve ein, sollte es zu Störungen in der Lieferung kommen.”

Hinweise & Empfehlungen der World Federation of Hemophilia (WFH), übersetzt durch Dr. med. U. Schlenkrich | Quelle: https://www.igh.info/assets/images/2020/COVID%20wfh%20GERMAN.pdf | Stand 21.03.2020

Was sollten Patienten beachten, die mit plasmatischen Gerinnungsfaktoren (FVIII / FIX behandelt) werden?

  1. “Die angewandten Verfahren zur Inaktivierung und Eliminierung von Viren reichen aus, um Lipid umhüllte Viren wie SARS-CoV-2.1 zu zerstören.
  2. Es wird nicht empfohlen, das Produkt zu wechseln.
  3. Bisher wurden keine Versorgungsstörungen bei der Abgabe von Produkten aus Plasma festgestellt. Die Hauptsorge besteht in einer Abnahme der Plasma Spenden.
  4. Blut- und Plasmaspenden sind weiterhin ein sicherer Prozess. Die Notwendigkeit von Plasmaspenden ist größer denn je. Die Unterstützung durch neue und bestehende Spender ist entscheidend für die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Versorgung mit Blut und Plasma während der Pandemie.
  5. Alle Behandlungszentren sowie Blut- und Plasmasammelstellen werden daran erinnert, die Richtlinien einzuhalten, um das Personal wie auch die Spender zu schützen. Eine Ausbreitung von SARS-CoV-2 durch Mensch zu Mensch über Atemtröpfchen ist zu verhindern.
  6. Hinweise für Patienten, die mit Blutprodukten behandelt werden, die nicht Virus inaktiviert sind (z.B. Kryopräzipitat, Blutplättchen): Behandlungsentscheidungen sollten auf einer Analyse des klinischen Risikos / Nutzens basieren. Abgewogen werden sollte das Risiko einer Nichtbehandlung gegen das Risiko einer eventuellen Infektion.”

Hinweise & Empfehlungen der World Federation of Hemophilia (WFH), übersetzt durch Dr. med. U. Schlenkrich | Quelle: https://www.igh.info/assets/images/2020/COVID%20wfh%20GERMAN.pdf | Stand 21.03.2020

Was sollten Patienten beachten, die sich derzeit in klinischen Studien befinden (ausgenommen Studien von bereits zugelassenen Präparaten)?

  1. “Wenden Sie sich an Ihr Behandlungszentrum, um die Auswirkungen der Pandemie zu besprechen.
  2. Stellen Sie sicher, dass die Studienmedikamente verfügbar sind und die Behandlung nicht unterbrochen wird.
  3. Besprechen Sie die Modalitäten der Nachverfolgung / Überwachung mit dem Studienteam vom Behandlungszentrum. Telefonische Kontakte mit dem Zentrum werden dringend empfohlen, es sei denn, ein Prüfpräparat muss direkt verabreicht werden oder eine direkte Behandlung ist erforderlich, um gefährliche Nebenwirkungen zu vermeiden.
  4. Bei Patienten, bei denen kürzlich eine Gentherapie durchgeführt wurde (<12 Monate nach der Infusion), sollten geplante Leberfunktionstests aus Sicherheits- und Wirksamkeitsgründen weiterhin Priorität haben.
  5. Unterbrechen oder wechseln Sie die Behandlung nicht, wenn Sie gerade an einer klinischen Studie teilnehmen, es sei denn, dies wurde vom Studienteam angeordnet.”

Hinweise & Empfehlungen der World Federation of Hemophilia (WFH), übersetzt durch Dr. med. U. Schlenkrich | Quelle: https://www.igh.info/assets/images/2020/COVID%20wfh%20GERMAN.pdf | Stand 21.03.2020

Welche Auswirkungen hat die Corona-Pandemie für Patienten, die in Kürze in eine Studie aufgenommen werden sollen, in der eine neue Behandlung getestet wird?

  1. “Die Verschiebung des Beginns der Studie sollte mit dem Studienteam besprochen werden.
  2. Viele medizinische Zentren haben die Durchführung neuer klinischer Studien verboten, um medizinische Ressourcen zur Bewältigung der Pandemie zu haben.”

Hinweise & Empfehlungen der World Federation of Hemophilia (WFH), übersetzt durch Dr. med. U. Schlenkrich | Quelle: https://www.igh.info/assets/images/2020/COVID%20wfh%20GERMAN.pdf | Stand 21.03.2020

Gibt es spezifische Maßnahmen zur Verringerung der Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2 bei Patienten mit einer Hämophilie?

  1. “Patienten mit zusätzlichen Erkrankungen (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes, HIV, Alter) sowie Patienten die Steroide oder Immunsuppressiva einnehmen, sollten besonders strikt den Kontakt mit infizierten Personen vermeiden.
  2. Die Vermeidung des Kontakts mit anderen Menschen, einschließlich mit Personen und Kindern mit geringerem Risiko, ist die wichtige Vorsichtsmaßnahme zur Vermeidung von Infektionen.
  3. Minimieren Sie Arztbesuche. Nicht dringend notwendige OPs sollten verschoben werden.
  4. Paracetamol reduziert das Fieber, ohne die Entzündungsreaktion zu hemmen, die zur Bekämpfung des Coronavirus benötigt wird. Paracetamol wird Patienten mit Blutungsstörungen empfohlen.
  5. Paracetamol (Paracetamol) sollte 60 mg / kg / Tag oder 3 g / Tag nicht überschreiten, da es bei höheren Dosen Leberschäden verursacht.
  6. Ibuprofen und andere nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) werden Patienten mit Blutungsstörungen nicht empfohlen, da sie die Thrombozytenfunktion hemmen und so Blutungen verstärken können. […]
  7. Denken Sie daran, dass bestimmte Hygienemaßnahmen, wie regelmäßiges Händewaschen mit Seife, nicht das Gesicht berühren, in die Ellenbeuge husten und mindestens 2 Meter Abstand zu anderen Personen halten, die wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung der Übertragung von Coronaviren sind.”

Hinweise & Empfehlungen der World Federation of Hemophilia (WFH), übersetzt durch Dr. med. U. Schlenkrich | Quelle: https://www.igh.info/assets/images/2020/COVID%20wfh%20GERMAN.pdf | Stand 21.03.2020

Sind im Falle der Krankenhauseinweisung eines Patienten mit Blutungsstörungen mit einer COVID-19 Infektion spezifische Maßnahmen nötig?

  1. “Notwendig ist eine gute Zusammenarbeit zwischen dem Krankenhaus, in das der Patient aufgenommen wurde und dem Behandlungszentrum.
  2. Therapie mit Gerinnungsfaktoren absichern / venösen Zugang sichern.
  3. Informieren Sie das Team im Falle einer Behandlung mit Emicizumab (Risiko einer Fehlinterpretation von Hämostase-Labortests durch unerfahrene Ärzte).
  4. Informieren Sie die behandelnden Ärzte, falls sie an einer Studie mit Anti-TFPI oder Fitusiran teilnehmen bzw. bei ihnen eine Gentherapie durchgeführt wurde. Verweisen Sie auf Ihr Behandlungszentrum.”

Hinweise & Empfehlungen der World Federation of Hemophilia (WFH), übersetzt durch Dr. med. U. Schlenkrich | Quelle: https://www.igh.info/assets/images/2020/COVID%20wfh%20GERMAN.pdf | Stand 21.03.2020

Zusammengestellt von Dr. med. Iris Herscovici: Stand ist bei der jeweiligen Frage ersichtlich

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