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Kurs Coronavirus und chronische Erkrankungen: Lektion 4 von 18

Coronavirus und Krebs

Das Coronavirus löst derzeit bei vielen Menschen Unsicherheit und Besorgnis aus. Menschen mit einer Krebserkrankung bleiben davon keineswegs unberührt, werden sie doch immer wieder als Teil jener Menschen mit einem erhöhten Risiko genannt. Aber sind alle KrebspatientInnen gleichermaßen gefährdet? Und was bedeuten die vielen Coronafälle für eine laufende Krebstherapie?

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist, schneller und möglicherweise auch schwerer erkranken als Gesunde. Dazu zählen viele KrebspatientInnen, die entweder durch die Erkrankung selbst oder durch die Behandlung ein geschwächtes Immunsystem haben. Das kann auch nach Beendigung der Krebstherapie anhalten.

Wir haben hier für Sie Fragen und Antworten für Menschen mit einer Krebserkrankung aus verschiedenen vertrauenswürdigen Quellen zusammengestellt. Diese Fragen werden laufend erweitert. Wie Sie sich als KrebspatientIn schützen können, erfahren Sie, indem Sie auf unten stehende Fragen klicken.

Da sich der Wissensstand momentan laufend ändert, bitten wir Sie, sich zudem über die Internetpräsenz von offiziellen Stellen in Ihrer Region über die aktuelle Situation zu informieren.

Die Informationen werden empfohlen von:

Video Transkript

Prim. Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda
Kurs „Coronavirus und chronische Erkrankungen“
Coronavirus und Krebs

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich werde versuchen Ihnen Fragen zu beantworten, die im Zusammenhang mit der Corona-Virus-Krise aufgetreten sind und für viele Krebserkrankungen oder Krebserkrankte von Bedeutung sind.

Kann es vorkommen, dass der Start oder die Fortsetzung meiner Krebstherapie verschoben wird?

Es liegt in der Entscheidungsfindung des Arztes, in einer Abwägung

  • der Wichtigkeit der Krebstherapie,
  • in Abhängigkeit des allgemeinen Zustandes
  • und wie sich die Coronavirus-Epidemie oder -Pandemie weiterentwickelt.

Grundsätzlich sind Krebstherapien wichtige Therapien, die in aller Regel auch in dieser Zeit jetzt fortgesetzt werden.

Wie wird entschieden, ob und wie lange eine Therapie verschoben wird?

Wie schon gesagt: Krebstherapien sind in aller Regel durchzuführen, außer es gibt gewichtige medizinische Gründe, die Therapie zu verschieben wegen Erkrankung.

Die Corona-Virus-Situation generell ist nicht dazu angetan, dass man Therapien grundsätzlich verschiebt. Es kann manchmal für manche Situationen sinnvoll sein, wenn man eine besonders aggressive Therapie bei einer Erkrankung, die ein sofortiges Behandeln nicht erforderlich macht, nach hinten verschiebt.

Diese Entscheidung wird vom behandelnden Arzt zu treffen sein.

Ist es möglich eine Krebstherapie zu pausieren? Was sind die Risiken?

Jede Therapie kann man natürlich pausieren. Wir sprechen im Zusammenhang mit der Immun-Suppression hauptsächlich von der zytostatischen Therapie. Man kann sie pausieren für Tage oder die eine oder andere Woche. Wenn man eine Therapie vorzeitig beendet, muss man schon davon ausgehen, dass auch die Wirksamkeit nicht dieselbe sein wird.

Es ist ja das Ziel, die Therapie wie vorgesehen durchzuführen, natürlich jeweils in Abstimmung auf die individuelle Situation.

Auch hier liegt die Entscheidung beim behandelnden Arzt.

Bin ich als PatientIn stärker gefährdet, wenn ich gerade in einer Krebsbehandlung bin?

Die zytostatische Therapie führt auch vorübergehend zu einem Absinken der weißen Blutkörperchen, die für die Immun-Situation mit verantwortlich sind. In dieser Phase haben Sie ein etwas höheres Risiko, mit Erkrankungen konfrontiert zu sein.

Es gilt wie immer unter dieser Therapie:

  • Man sollte den Kontakt mit nachgewiesen kranken Menschen vermeiden.
  • Man sollte, wenn man Zeichen einer Infektion hat, sprich Fieber, entsprechende klinische Symptome, Kontakt mit dem behandelnden Arzt aufnehmen.

Gehört man als KrebspatientIn nach der Therapie bzw. in Remission auch zur Risikogruppe?

Wenn die Therapie einmal abgeschlossen ist und sich die Blutbildveränderungen normalisiert haben, ist man nicht in einem besonders erhöhten Risiko. Die abgeschlossene Behandlung bringt einen nicht in eine höhere Risikogruppe bei den allermeisten Krebserkrankungen.

Wie die Situation bei Blutkrebserkrankungen ist, ist mit dem behandelnden Arzt zu klären.

Sind LungenkrebspatientInnen stärker durch das Coronavirus gefährdet als andere KrebspatientInnen?

Mir sind dazu keine Daten bekannt. Aber die Hauptgefahr beim Coronavirus besteht in einer Lungenentzündung. Und natürlich sind bei Patientinnen, die mit einer Lungenkrebs-Therapie konfrontiert sind, die Lungen schon in einer Ausnahmesituation. Ich könnte mir vorstellen, dass für Lungenkrebs-Patientinnen besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten.

Sprich:

  • Sie sollten sich nach den Empfehlungen der Regierung aus dem öffentlichen Leben zurückziehen
  • und darauf achten, dass Sie keinen Kontakt haben mit Infizierten oder Risiko-Patientinnen
  • und die entsprechenden Hygienemaßnahmen auch wirklich einhalten.

Ist eine Patientin, bei der im Rahmen der Therapie ein Teil der Lunge mitbestrahlt wurde, besonders gefährdet?

Wir sehen vor allem bei brustbestrahlten Patientinnen, dass es zu Begleitbestrahlung und Veränderungen im Bereich der Lunge kommen kann, die in aller Regel keine Beschwerden und Symptome verursachen, aber gelegentlich zu Hustenreiz führen können. Diese Patientinnen haben kein erhöhtes Risiko gegenüber der Normalbevölkerung.

Meine Reha findet demnächst statt. Muss ich damit rechnen, dass sie abgesagt wird?

Seit heute [Stand: 18.03.2020] wurde vom Gesundheitsminister Anschober verkündet, dass die Rehabilitationszentren ab sofort geschlossen sind. Es wird daher bis zum Abklingen der Corona-Krise die Rehabilitation nach hinten verschoben werden.

Ich gehöre zur Risikogruppe und mein Partner/meine Partnerin muss weiterhin arbeiten und hat Kontakt zu anderen Menschen. Wie soll ich mich verhalten?

Grundsätzlich gilt es, die Empfehlungen vom Gesundheitsministerium einzuhalten, sprich

  • Distanz zu halten zum anderen Menschen,
  • Händehygiene einzuhalten.
  • Und wenn Ihr Partner nur Kontakt mit anderen Menschen, die nicht infiziert sind, gehalten hat, dann besteht aus dieser Situation keine besondere Risikosituation für Sie.

Sie sollten aber jedenfalls die Maßnahmen einhalten, die ausgegeben worden sind.

Selbstverständlich: Wenn sich klinische Symptome zeigen – Fieber, Husten, Unwohlsein, Grippe-ähnliche Symptome, dann sollte man die Telefonnummer 14 50 kontaktieren.

Wie verhält man sich richtig, wenn im Haushalt eine Person infiziert ist?

In dieser Situation gilt es umso mehr,

  • den Kontakt mit dieser Person zu vermeiden,
  • sich auch in der Heimquarantäne vielleicht in getrennten Zimmern aufzuhalten,
  • Mundschutz zu tragen, wenn einer verfügbar ist,
  • Händedesinfektion,
  • mehrmals am Tag Hände waschen
  • und auch darauf achten, wenn es zu klinischen Symptomen kommt, zeitgerecht und frühzeitig 14 50 rufen und hier im Rahmen der Empfehlungen auch allenfalls selbst einen Corona-Test durchführen zu lassen.

Worauf sollte ich als Krebspatientin achten, wenn ich selber einkaufen gehen muss?

Grundsätzlich gibt es eine Fülle von Hilfsangeboten, die man natürlich auch nützen sollte. Dies ist vor allem für jene Patientinnen sinnvoll, die gerade unter einer Therapie sind und in diesem Risikokollektiv jenseits des 65. Lebensjahres sind.

Wenn das nicht möglich ist, dann können Sie natürlich auch unter Einhaltung der üblichen Empfehlungen

  • Abstand zu anderen Menschen,
  • Vermeiden von direktem Kontakt,
  • Händehygiene,

auch einkaufen gehen und die notwendigsten Besorgungen durchführen.

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich aus einem der Quarantänegebiete komme?

Wenn Sie innerhalb der letzten 14 Tage in einem dieser nun unter Quarantäne gestellten Gebiete in Vorarlberg oder Tirol waren, dann sollten Sie jedenfalls 14 Tage lang in Heim-Quarantäne sein.

Wenn Sie unter einer laufenden Chemotherapie sind, sollte diese um diese 14 Tage nach hinten verschoben werden.

Sollten zusätzlich Symptome auftreten, dann sollten Sie jedenfalls in Kontakt mit der Nummer 14 50 treten und natürlich auch den Abstand zu anderen Menschen einhalten und die entsprechenden Empfehlungen im Kontakt mit anderen Menschen einhalten.

Was sollten KrebspatientInnen und PatientInnen mit Erkrankungen des Blutes generell beachten?

„Krebspatienten und Patienten mit Erkrankungen des Blutes wird geraten, besonders achtsam zu sein und den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden, vor allem zur freiwilligen Isolation, zu folgen. Besondere Regeln gelten für Patienten mit dem erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19. Dieses Risiko ist abhängig von der jeweiligen Grundkrankheit und dem Krankheitsstatus, der erforderlichen Therapie, der Komorbidität und der lokalen Ansteckungsgefahr. Gleichzeitig darf die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus nicht die Bekämpfung einer bereits existierenden, lebensgefährlichen Erkrankung wie Krebs beeinträchtigen.
Bei Patienten mit fieberhaften Infekten unter einer Tumortherapie soll frühzeitig eine gezielte Diagnostik einschl. Testung auf SARS-CoV-2, bei Symptomen einer Infektion der unteren Luftwege die bildgebende Diagnostik mittels CT Thorax eingeleitet und bei Verdacht auf COVID-19 die Isolation durchgeführt werden. “
Quelle: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html | Stand 17.09.2020

Welche KrebspatientInnen sind besonders gefährdet?

„Risikofaktoren sind:

  • allgemein: Alter, Rauchen, hoher Blutdruck, Diabetes mellitus
  • besonders: Krebspatienten mit einem geschwächten Immunsystem durch
    Leukämien, Lymphome bei aktiver Erkrankung
    niedrige Zahl weißer Blutkörperchen
    niedrige Immunglobulinwerte
    langdauernde Unterdrückung des Immunsystems, z. B. durch Kortison
    allogene Stammzelltransplantation und andere zelluläre Therapien

Ein besonderes Risiko bei Virusinfektionen der oberen Luftwege sind zusätzliche Infektionen. Vor allem Infektionen durch Bakterien und Pilze haben entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Grippeschutz- und Pneumokokken-Impfungen können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen.“
Quelle: https://www.krebsgesellschaft.de/files/dkg/onko-portal/content/pdf/Aktuelle-Themen/COVID19_Krebspatienten_Stand_20200302.pdf | Stand 18.03.2020


“Generell ist das Risiko für Krebspatienten, durch eine Infektion mit respiratorischen Viren eine Lungenentzündung zu erleiden, deutlich höher als für Gesunde. Dies gilt wahrscheinlich auch für Infektionen durch SARS-CoV-2.

Potenzielle Risikofaktoren, die bei anderen CARV-Infektionen eine Rolle spielen, sind u.a.

  • schwere Immunsuppression
  • Neutropeniephase nach Konditionierung einer allogenen Stammzelltransplantation
  • Lymphozytopenie <0.2×109/L
  • Alter >65 Jahre.

Auch Patienten mit hereditären Immundefekten sind als Risikopersonen einzustufen.

Vor allem vor dem Hintergrund, dass viele Patienten mit schwerem Verlauf einer COVID-19 Erkrankung älter waren und häufig eine Lymphozytopenie beobachtet wurde, sollten diese Risikofaktoren besondere Aufmerksamkeit finden.”
Quelle: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html | Stand 22.03.2020

Haben Krebspatientinnen und Krebspatienten bei LAUFENDER THERAPIE ein erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu erkranken?

„Man geht derzeit davon aus, dass Krebspatientinnen und Krebspatienten, DEREN IMMUNSYSTEM AKTUELL geschwächt ist (Immunsuppression), bei Infektion mit Covid-19 rascher erkranken und mit einem möglicherweise schwereren Verlauf konfrontiert sein können. Krebspatienten können aus verschiedenen Gründen ein schwaches Immunsystem haben. Dazu zählen beispielsweise Erkrankungen wie Leukämie und Lymphome, oder ein geringeres Vorhandensein von weißen Blutkörperchen im Blut wie das beispielsweise bei einer Chemotherapie der Fall ist. Denn die Chemotherapie bewirkt, dass die neutrophilen Granulozyten (Konzentration bestimmter Abwehrzellen des Immunsystems) sinken. Das schwächt das Immunsystem. Diese Werte werden sowohl während der Therapie aber auch nach Abschluss der Therapie kontrolliert. Das Immunsystem kann aber auch durch zu wenig Antikörper im Blut (niedrige Immunglobulinwerte), durch die langfristige Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (zum Beispiel Steroide), Transplantation körperfremder Stammzellen oder andere zelluläre Therapien (zum Beispiel eine CAR-T-Zell-Therapie) geschwächt sein.“
Quelle: Österreichische Krebshilfe | Stand 26.03.2020

Haben Krebspatientinnen und Krebspatienten NACH ABGESCHLOSSENER THERAPIE ein erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu erkranken?

„Wenn die Therapie erfolgreich abgeschlossen ist, haben Krebspatientinnen und Krebspatienten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit KEIN erhöhtes Risiko, an COVID-19 zu erkranken.

Die Voraussetzung ist, dass das Immunsystem wieder „normal arbeitet“ und sich die Blutbildveränderungen normalisiert haben. Wenn dies der Fall ist, reichen die empfohlenen Schutzmaßnahmen aus: ZU HAUSE BLEIBEN, HÄNDE REGELMÄSSIG WASCHEN, NICHT INS GESICHT GREIFEN.“
Quelle: Österreichische Krebshilfe | Stand 26.03.2020

Wie kann ich abschätzen, ob ich zur Risikogruppe zähle?

„Mit diesen Fragen können Sie abschätzen, ob Sie zur Risikogruppe gehören

  • Sind Sie aktuell an Krebs erkrankt?
  • Erhalten Sie gerade eine Krebsbehandlung, etwa Chemotherapie, Strahlentherapie, zielgerichtete Therapie, Antikörpertherapie. Wenn ja: Ist das eine Therapie, die das Immunsystem schwächt?
  • Ist Ihr Immunsystem aktuell durch eine Blutstammzelltransplantation mit fremden (allogenen) Stammzellen geschwächt oder erhalten Sie gerade eine andere zelluläre Therapie, etwa eine CAR-T-Zelltherapie?
  • Nehmen Sie Medikamente ein, die das Immunsystem schwächen, beispielsweise hochdosiertes Kortison oder Methotrexat?
  • Weisen Ihre aktuellen Blutwerte darauf hin, dass Ihr Immunsystem geschwächt ist?
  • Haben Ihre Ärzte Sie darauf hingewiesen, dass Ihr Immunsystem eingeschränkt ist?
  • Wie lang liegt Ihre Krebserkrankung und deren Behandlung zurück?
  • Haben Sie zusätzliche Erkrankungen? Als Risiko gelten laut Angaben des Robert Koch-Instituts Vorerkrankungen wie bestimmte Lungen- und Herzerkrankungen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), chronische Lebererkrankungen und Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen.
  • Wie alt sind Sie? Ab 50 – 60 Jahren steigt das Risiko stetig.
  • Rauchen Sie? Raucher haben ein erhöhtes Risiko.“

Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/leben/alltag/coronavirus-krebs-haeufige-fragen.php | Stand 19.06.2020

Wie reagieren Krebspatienten auf das Virus?

„Derzeit gibt es lediglich Informationen aus Fallberichten, wie Krebspatientinnen und Krebspatienten auf einen Kontakt mit dem Virus reagieren. Es ist davon auszugehen, dass Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist (Immunsuppression), schneller und möglicherweise auch schwerer erkranken als Gesunde. Zudem gelten Menschen im höheren Alter, Raucher, Diabetiker und Bluthochdruck-Patienten als besonders gefährdet.

Bei Krebspatienten kann das Immunsystem aus folgenden Gründen geschwächt sein, darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) hin:

  • Erkrankung an einer Leukämie oder einem Lymphom,
  • wenig weiße Blutkörperchen im Blut (Leukozytopenie),
  • wenig Antikörper im Blut (niedrige Immunglobulinwerte),
  • langfristige Einnahme von Medikamenten, die das Immunsystem unterdrücken (zum Beispiel Kortison),
  • Transplantation körperfremder Stammzellen oder andere zelluläre Therapien (zum Beispiel eine CAR-T-Zell-Therapie).“

Quelle: https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2020/news012-coronavirus-ansteckungsgefahr-bei-krebs.php | Stand 23.03.2020

Worauf müssen Krebspatienten achten?

„Die empfohlenen Schutzmaßnahmen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gelten auch für Krebspatienten. Das sind

  • Schützen: freiwillige Isolation, weitestgehende Einschränkung sozialer Kontakte, Abstand zu anderen halten
  • Erkennen: erste Krankheitszeichen wie Husten und Fieber beachten
  • Handeln: bei Krankheitszeichen sofortige telefonische oder elektronische Kontaktaufnahme mit Arzt oder Krankenhaus”

Quelle: https://www.krebsgesellschaft.de/files/dkg/onko-portal/content/pdf/Aktuelle-Themen/COVID19_Krebspatienten_Stand_20200302.pdf | Stand 18.03.2020

Was sind die wichtigsten Maßnahmen, die KrebspatientInnen zur Vorbeugung ergreifen können?

Die wichtigsten Maßnahmen sind hygienische Händedesinfektion, Einhalten von Abstand (1,50 m) zu anderen Personen und Eingrenzung der sozialen Kontakte. Eine weitere Maßnahme ist das Tragen von Mund- und Nasenmasken. Patienten, die aktuell eine immunsuppressive Therapie erhalten bzw. aktuell unter einer unkontrollierten Krebserkrankung leiden, sollten besonders vorsichtig sein.
Quelle: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html | Stand 17.09.2020

Sollen PatientInnen ihre Krebstherapie verschieben?

„Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) empfiehlt Patienten, eine geplante Krebstherapie nicht grundlegend zu verschieben. Der Nutzen der Behandlung überwiegt bei den meisten Patienten, die akut an Krebs erkrankt sind, das Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Patienten mit einer gut beherrschten Krebserkrankung können mit ihren Ärzten jedoch darüber sprechen, ob sich die Therapie verschieben lässt.“
Quelle: www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2020/news012-coronavirus-ansteckungsgefahr-bei-krebs.php | Stand 26.03.2020


„Bei jeder Krebstherapie muss der Nutzen der Behandlung gegen den möglichen Schaden, d.h. Nebenwirkungen, abgewogen werden. Das individuelle Erkrankungsrisiko ist unterschiedlich, abhängig von den Lebensumständen und den persönlichen Kontakten. Ausführlichere Empfehlungen gibt es im Onkopedia-Portal. Bei den meisten, akut an Krebs erkrankten Patienten steht der Nutzen einer sinnvollen und geplanten Krebstherapie über dem Risiko einer möglichen Infektion mit dem Coronavirus. Bei Patienten mit chronischer und gut beherrschter Krebskrankheit kann individuell über eine Therapieverschiebung entschieden werden.“
Quelle: https://www.krebsgesellschaft.de/files/dkg/onko-portal/content/pdf/Aktuelle-Themen/COVID19_Krebspatienten_Stand_20200302.pdf | 18.03.2020


„Generell gilt, dass zum jetzigen Zeitpunkt in den meisten Fällen die effektive Behandlung der Krebserkrankung für das Überleben der Patienten wichtiger ist als übertriebene Vorsichtsmaßnahmen im Sinne unnötiger Unterbrechungen oder Verschiebungen.

Vor diesem Hintergrund sollte auch noch einmal betont werden, dass Patienten, deren Erkrankung durch eine bestimmte Therapie kontrolliert ist, meistens weniger Infektionen erleiden als Patienten, die nicht effektiv behandelt sind. Außerdem kann ein unnötiges Absetzen gut eingestellter Medikamente Patienten durch unerwünschte Ereignisse gefährden […].

In Abwägung individueller Faktoren kann es sinnvoll sein, manche Therapien auszusetzen oder zu verschieben. Für alle Patienten unter immunsuppressiver Therapie sollte strengstmögliche (häusliche) Isolation empfohlen werden. Auch kann bei Patienten, die vom RKI als Verdachtsfall eingestuft werden, nach Beginn einer strengen Quarantäne soweit klinisch vertretbar einige Tage zugewartet werden, um die Entwicklung möglicher Symptome abzuschätzen, siehe auch Empfehlung der EBMT zur Stammzelltransplantation.

Da COVID-19 einen ähnlichen Verlauf wie eine Hypersensitivitätspneumonie haben kann, sollte man bei Medikamenten, die diese Nebenwirkung ebenfalls verursachen können (z.B. Checkpoint-Inhibitoren), besondere Vorsicht walten lassen.“
Quelle: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html | Stand 07.04.2020

Was gilt für KrebspatientInnen mit Begleiterkrankungen?

„Da vor allem Menschen mit Begleiterkrankungen schwere Verläufe einer SARS-CoV-2 Infektion haben, erscheint es sinnvoll, besonders auf eine gute generelle Gesundheit zu achten. Deswegen sollte unbedingt auf einen ausreichenden Ernährungsstatus (Behandlung einer Tumorkachexie, Ausgleich potenzieller Mangelzustände wie Vitamin D und Eisen-Mangel) und auf eine ausreichende Mobilität u.a. als Pneumonieprophylaxe (Physiotherapie, Atemtherapie) geachtet werden. Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken reduzieren das Risiko von weiteren, potenziell kritischen Infektionen. Nichtrauchen ist wie immer dringend empfohlen.“
Quelle: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html | Stand 17.09.2020

Was gilt für KrebspatientInnen, die an einer arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) leiden?

„Patienten, die eine arterielle Hypertonie haben, sollten gut eingestellt sein, da dies einer der wichtigsten klinischen Risikofaktoren zu sein scheint. Zum Einfluss von ACE-Hemmern liegen unterschiedliche, theoretische Konzepte vor, eine Änderung der Medikation bei Patienten mit nachgewiesener oder vermuteter COVID-19-Erkrankung ist nicht indiziert.“
Quelle: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html | Stand 07.04.2020

Sind Blutübertragungen (Transfusionen) gefährlich?

„Bisher liegen keine Berichte über die Übertragung von COVID-19 durch Blutübertragungen vor. Personen mit Infektionen und Personen, die in den letzten 4 Wochen Kontakt zu jemandem mit einer ansteckenden Krankheit hatten, werden in Deutschland nicht zur Blutspende zugelassen. Der Arbeitskreis Blut des Robert-Koch-Institut sieht kein Risiko einer COVID-19-Infektion durch Blutspenden.“
Quelle: https://www.dgho.de/publikationen/stellungnahmen/gute-aerztliche-praxis/coronavirus/covid-19-krebspatienten-20200318.pdf | Stand 18.03.2020


„Es ist nicht davon auszugehen, dass durch die Transfusion von Blutprodukten eine Ansteckung mit SARS-CoV-2 erfolgt. Bisher liegen keine Berichte über die Übertragung von COVID-19 durch Blutübertragungen vor. Personen mit Infektionen und Personen, die in den letzten 4 Wochen Kontakt zu jemandem mit einer ansteckenden Krankheit hatten, werden in Deutschland nicht zur Blutspende zugelassen. Der Arbeitskreis Blut des Robert-Koch-Institut sieht kein Risiko einer COVID-19-Infektion durch Blutspenden.“
Quelle: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html | Stand 07.04.2020

Wie lange werden besondere Vorsichtsmaßnahmen voraussichtlich nötig sein?

„Generelle Vorsichtsmaßnahmen sollten so lange gelten, wie von den Behörden bzw. dem RKI empfohlen.

Bei Krebspatienten mit SARS-CoV-2 Infektion sollten alle getroffenen Maßnahmen wie Unterbrechung der Therapie so lange anhalten, bis die Patienten keine virus-bedingten Symptome mehr haben und nachgewiesen negativ sind.
Quelle: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/coronavirus-infektion-covid-19-bei-patienten-mit-blut-und-krebserkrankungen/@@guideline/html/index.html | Stand 17.09.2020

Welche Empfehlungen gibt es in Bezug auf Empfänger von Stammzellen?

  1. “Empfänger einer Stammzellenspende sollten das Risiko eines Kontaktes mit infizierten Personen so gut wie möglich einschränken und hygienische Maßnahmen, wie etwa das Händewaschen und die Händedesinfektion mittels alkoholischer Desinfektionsmittel, sehr sorgfältig befolgen.
  2. Empfänger einer Stammzellenspende sollten nicht notwendige Reisen gemäß nationaler Empfehlungen vermeiden.
  3. Im Falle einer Diagnose von COVID-19: Bei Patienten ohne Symptomen oder lediglich Symptomen in den oberen Atemwegen ist keine Therapie empfohlen. Bei Patienten mit Symptomen der unteren Atemwege sollte die Möglichkeit einer Therapie untersucht werden, wenn möglich im Rahmen einer klinischen Studie.
  4. Gemäß ECDC Empfehlungen sollte bei solchen Patienten die Prozedur für zumindest drei Monate aufgeschoben werden. Dies ist aufgrund des Risikos durch die Grunderkrankung jedoch nicht immer möglich. Deshalb sollte die Stammzelltransplantation (HCT) bei Hochrisikopatienten verschoben werden, bis der Patient keine Symptome mehr zeigt und drei Virus-PCRs im Abstand von mindestens einer Woche (mindestens 14 Tage Aufschub) negativ sind. Bei Patienten mit niedrigem Risiko ist ein Aufschub von mindestens drei Monaten empfohlen.
  5. Bei in Risikogebieten wohnhaften Patienten sollte das Risiko durch 14 Tage Heimisolation vor der geplanten Aufnahme der Konditionierung minimiert werden. Alle Patienten sollten vor der Konditionierung, unabhängig vom Vorhandensein von Symptomen der oberen Atemwege, auf die Erkrankung getestet werden.
  6. Im Falle eines nahen Kontaktes mit einer mit COVID-19 diagnostizieren Person sollte jeglicher Transplantations-Eingriff (periphere Stammzellenmobilisation, Knochenmarkentnahme, Konditionierung) nicht innerhalb von 14 Tagen, vorzugsweise jedoch 21 Tagen, nach dem letzten Kontakt durchgeführt werden. Zudem sollte der Patient genau auf das Auftreten von COVID-19 hin beobachtet werden, inklusive bestätigter PCR-Negativität.
  7. Im Falle eines Aufenthalts in einem Risikogebiet oder bei nahem Kontakt zu einer Person aus einem Risikogebiet für COVID-19 nach Definition der nationalen Behörden, dem ECDC oder der WHO, sollte jeglicher Transplantations-Eingriff (periphere Stammzellenmobilisation, Knochenmarkentnahme, Konditionierung) nicht innerhalb von 14 Tagen, vorzugsweise jedoch 21 Tagen, nach dem letzten Kontakt durchgeführt werden.”

Quelle: https://www.ebmt.org/sites/default/files/2020-03/EBMT%20COVID-19%20guidelines%20v.3.2%20%282020-03-16%29.pdf Übersetzt aus dem Englischen | Stand 16.03.2020

Welche Empfehlungen gibt es in Bezug auf Spender von Stammzellen?

“SARS-CoV und MERS-CoV konnten zwar im Blut nachgewiesen werden, es gab jedoch keine Nachweise für eine Übertragung von einem Spender an einen Empfänger, weder bei Bluttransfusionen noch bei zellulären Therapien. Die WMDA hat Empfehlungen vorgelegt, welche die EBMT befürwortet.

  1. Im Falle einer Diagnose von COVID-19 muss der Spender von einer Stammzellenspende ausgeschlossen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt können keine konkreten Empfehlungen für eine erneute Freigabe zur Spende gegeben werden, es sollten jedoch zumindest drei Monate Aufschub in Erwägung gezogen werden, es sei denn die Spende wird dringend benötigt, in welchem Fall eine individuelle Abwägung gemacht werden sollte.
  2. Im Falle eines nahen Kontaktes mit einer mit SARS-CoV-2 diagnostizierten Person sollte der Spender für mindestens 28 Tage von der Spende ausgeschlossen werden und genau auf das Vorhandensein von COVID-19 überwacht werden.
    [auch hier sind eigentlich Virus und Krankheit vertauscht. Diagnostiziert wird eine Krankheit (COVID) und nicht ein Virus (SARS-CoV-2)]
  3. Wenn der Patient das Transplantat dringend benötigt, der Spender sich gesund fühlt und keine passenden alternativen Spender zur Verfügung stehen, kann nach sorgfältiger Risikoeinschätzung eine frühere Entnahme in Erwägung gezogen werden, falls die lokalen Quarantänebestimmungen dies erlauben.
  4. Im Falle einer Reise in ein COVID-19-Risikogebiet (nach Definition der Gesundheitsbehörde) oder nahem Kontakt zu einer Person aus einer solchen Region sollte der Spender für zumindest 28 Tage von der Spende ausgeschlossen werden.
  5. Spender sollten in den 28 Tagen vor der Spende gute Hygienemaßnahmen praktizieren […] sowie Menschenansammlungen und überfüllte Orte meiden.”

Quelle: https://www.ebmt.org/sites/default/files/2020-03/EBMT%20COVID-19%20guidelines%20v.3.2%20%282020-03-16%29.pdf Übersetzt aus dem Englischen | Stand 16.03.2020

Zusammengestellt von Dr. med. Iris Herscovici: Stand ist bei der jeweiligen Frage ersichtlich

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